19. Juli 2010 17:17
Ruhige Momente gibt es derzeit keine im Leben von Arigona Zogaj (18). Seit
sie am Donnerstagabend nach acht Jahren Aufenthalt in Österreich in eine
AUA-Maschine Richtung Kosovo steigen musste, überschlagen sich die
Ereignisse.
Am Samstag kam der wohl emotionalste Moment: die Wiedervereinigung mit Vater
Devat Zogaj. 2008 verließ er die Familie mitten im Abschiebungsschlamassel.
Er tauchte unter, die Kinder wuchsen zwei Jahre lang ohne Vater auf.
Vater ohne Job
Christian Schörkhuber, Betreuer der Familie von
der Volkshilfe, machte den Vater nun ausfindig und organisierte ein Treffen.
Devat Zogaj pendelt zwischen dem Kosovo und Montenegro. Er hat keinen fixen
Job, schlägt sich als Tagelöhner durch. „Mit den Kindern war es ein
herzliches Zusammensein, mit der Mutter freundlich distanziert“, so
Schörkhuber.
Dieses Familientreffen war enorm wichtig für die geplante Rückkehr der
Zogajs nach Österreich. Denn Devat Zogaj muss offiziell seine Zustimmung
geben, dass die beiden kleinen Geschwister Albona (10) und Albin (11)
mitreisen dürfen. Grund: Der Vater hat das Sorgerecht für die
Minderjährigen.
Am Sonntag musste Arigona stark sein: Sie fuhr zum Begräbnis ihres Cousins,
der Selbstmord verübt hatte.
Rückkehr-Plan
Währenddessen laufen die Vorbereitungen für
die Rückkehr der Zogajs nach Österreich auf Hochtouren. Am Tag nach der
Landung im Kosovo beantragte die Familie bei der kosovarischen Behörde
Pässe. Diese Woche noch werden die Dokumente ausgestellt. Spätestens am
Freitag geht der Behördenlauf weiter:
- Erster Schritt ist eine Reise nach Skopje in Mazedonien. „In der
österreichischen Botschaft kann die Familie den Antrag auf die
Aufenthaltstitel stellen“, so Peter Launsky-Tieffenthal vom
Außenministerium in Wien. Grund: Im Kosovo können keine
Aufenthaltsbewilligungen ausgestellt werden – es fehlen einfach die
nötigen Geräte.
- In Skopje müssen Arigona und ihre Geschwister einen zehnseitigen Antrag
auf ein Schülervisum ausfüllen. Mutter Nurije wird einen Antrag auf
Saisonarbeit abgeben.
Noch haben sich die Zogajs weder bei der österreichischen Vertretung in
Skopje noch in Pristina gemeldet. Sie leben in einer Wohnung außerhalb der
Hauptstadt Pristina. Das Apartment gehört einem Mann, der selbst aus dem
Kosovo geflüchtet ist, jetzt aber die österreichische Staatsbürgerschaft
besitzt.
Sollten alle Wiedereinreisepläne schieflaufen, will sich der kosovarische
Unternehmer Ramiz Kelmendi um Arigona kümmern. Er besitzt ein
Einkaufszentrum und ein Callcenter – ein konkreter Job soll bereits auf die
18-Jährige warten.