25. Jänner 2010 19:41
© Roman Fuhrich/TZ ÖSTERREICH
Die neue
Wissenschaftsministerin – am Dienstag wurde sie von Bundespräsident
Heinz Fischer angelobt – hatte wahrlich keinen leichten Start: Beatrix Karl
musste auf zwei Krücken zu ihrer Präsentation. Die 42-jährige Nachfolgerin
von Johannes Hahn hat einen gebrochenen Fußwurzelknochen und Liegegips.
(c) Fuhrich, TZ
ÖSTERREICH
Herkulesarbeit wartet
Am Donnerstag, einen Tag vor ihrem Antritt
im Parlament, bekommt die tapfere Ex-Uni-Professorin endlich einen Gehgips.
Mut und Stärke wird Josef Prölls neue Ministerin in jedem Fall brauchen. Auf
sie kommt eine wahre Herkulesarbeit zu: Sie muss mit praktisch null
zusätzlichem Budget protestierende Studenten besänftigen.
"Absolut erste Wahl"
ÖVP-Vizekanzler Josef Pröll
erklärte, dass Frau Karl seine „absolute erste Wahl“ gewesen sei. Vergangene
Woche hatte VP-Chef Pröll die bisherige ÖAAB-Generalsekretärin Karl
„erstmals gefragt“, ob sie Wissenschaftsministerin werden wolle, erzählt
Karl nun im ÖSTERREICH-Interview.
Mehr Frauen als SPÖ
Am Sonntag um 14.30 Uhr fixierte man
dann den Deal. Die steirische ÖVP – ÖSTERREICH berichtete – freut sich nun,
dass eine gebürtige Steirerin rechtzeitig vor der Steiermarkwahl Ministerin
geworden ist. Und die ÖVP frohlockt, dass sie nun „mit vier Frauen mehr
weibliche Minister hat als die SPÖ, die nur drei Frauen stellt“.
SPÖ-Bildungsministerin Claudia Schmied freut sich denn auch über die „neue
Frauenpower am Minoritenplatz“. Tatsächlich zeigt sich die neue
Wissenschaftsministerin in Sachen Ganztagsschule und Neue Mittelschule weit
offener als ihre übrigen Parteifreunde.
Wieder Studiengebühren
Und doch droht der SPÖ mit der neuen
Wissenschaftsministerin wohl auch Ungemach. Denn Karl macht im
ÖSTERREICH-Interview kein Hehl daraus, dass sie für
die Wiedereinführung von Studiengebühren kämpfen wird. Sie
halte das „für richtig und wichtig. Die Studienbeiträge wurden in einer
polemischen Ho-Ruck-Aktion von der SPÖ abgeschafft.“
Studentenproteste zur Angelobung
Wohl mit ein Grund, weshalb die
Uni-Protestbewegung Beatrix Karl heute gleich zur Angelobung mit Protesten
begrüßen wird: „Hallo Frau Minister, die Uni brennt“, lautet die Losung der
Studenten. ÖH-Vorsitzender Thomas Wallerberger kritisiert gleich: „Karl ist
kein unbeschriebenes Blatt. Sie war leider immer auf der Linie Gehrer–Hahn.“
Der Vorsitzende der Unikonferenz, Hans Sünkel, streut ihr hingegen Rosen:
„Beatrix Karl ist eine Frau mit hoher Kompetenz und Kooperationsfähigkeit.
Wir erwarten uns eine deutliche finanzielle Besserstellung.“
Hier das gesamte Interview:
ÖSTERREICH: Wann haben Sie das Angebot von Josef Pröll,
Wissenschaftsministerin zu werden, angenommen?
Beatrix Karl: Josef Pröll hat mich vor einer Woche gefragt. Da habe
ich mich dann konkret damit auseinandergesetzt. Ich habe das Pro und Contra
abgewogen. Es war keine leichte Entscheidung, weil ich sehr gerne
ÖAAB-Generalsekretärin war. Michael Spindelegger und ich konnten in den
vergangenen Monaten sehr viel bewegen. Aber die Universitäten liegen mir
eben auch sehr am Herzen.
ÖSTERREICH: Sie kommen vom Uni-Bereich. Verstehen Sie die Studentenproteste
wegen der Uni-Probleme? Wie wollen Sie vorgehen?
Beatrix Karl: Ich kann viele Kritikpunkte der Studierenden
verstehen. Natürlich gibt es im universitären Bereich sowohl für die
Studenten als auch für die Professoren einige Herausforderungen.
ÖSTERREICH: Wollen Sie die Studiengebühren wieder einführen? Das wird mit
der SPÖ nur schwer möglich sein, nicht?
Beatrix Karl: Ja, ich bin für die Wiedereinführung der
Studienbeiträge. Ich werde darüber auch Gespräche mit der SPÖ führen, weil
die Studienbeiträge richtig und wichtig sind. Die SPÖ hatte die
Studienbeiträge ja damals in einer polemischen Ho-Ruck-Aktion abgeschafft.