17. Dezember 2008 21:03
Josef Cap ist sich "ganz sicher, dass es der ORF-Geschäftsführung gelingen
wird, den ORF wetterfest zu machen" und im März ein überzeugendes
Strukturkonzept vorzulegen, so der SPÖ-KLubobamnn am Rande einer
Ö1-Diskussionssendung. ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf meinte, ein
Strukturkonzept sei "Aufgabe der ORF-Gremien und nicht der Politik".
Rute ins Fenster gestellt
Eine Änderung des ORF-Gesetzes sei erst
dann Thema, "wenn die Geschäftsführung des ORF an uns herantritt, weil sie
den öffentlich-rechtlichen Auftrag unter den gegebenen Rahmenbedingungen
nicht erfüllen kann". Dann könne die Bundesregierung entscheiden, ob sie das
Gesetz ändert "oder nicht", so Kopf.
Am Mittwoch früh hatte der SP-Medien-Staatssekretär Josef Ostermayer im
ORF-Radio durchklingen lassen, dass das ORF-Management abgelöst werden
müsse, wenn es im Frühjahr kein mehrheitsfähiges Strukturkonzept vorlegen
kann. Später betonte er, die Regierung säge keinesfalls am Sessel der
ORF-Geschäftsführung. Die Verantwortung für die wirtschaftlichen Gebarungen
des ORF "liege ganz klar bei der Geschäftsführung und beim Stiftungsrat".
Zuvor hatte der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll (V)
Forderungen nach einer Änderung des ORF-Gesetzes und einer Ablöse der
Geschäftsführung laut werden lassen.
Im Rahmen der Radiosendung "Im Klartext" konstatierte dann
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz: "Der ORF ist sicher kein
Sanierungsfall." Auch der Vorsitzende des Verbands Österreichischer
Privatsender (VÖP), Christian Stögmüller, bestätigte: "Dem ORF geht es nach
wie vor recht gut."
Der Kommunikationswissenschafter Fritz Hausjell warnte davor, den ORF extern
- etwa in der Medienberichterstattung - krank zu reden und ihn so zu
schwächen. Hausjell ortet dahinter die Absicht von privaten Medienmachern,
das Feld für eine Teilprivatisierung des ORF aufzubereiten. "Wenn ich ein
Unternehmen krank rede, dann ist es leichter zu haben", so der
Wissenschafter. Gerald Grünberger, Generalsekretär des Verbands
Österreichischer Zeitungen (VÖZ) beklagte einmal mehr eine
Wettbewerbsverzerrung durch den gebührenfinanzierten ORF. Grünberger und
Stögmüller sprachen sich für einen "starken ORF" aus, "der sich aber im
Rahmen der gesetzlichen Grenzen bewegen" und den Privaten Luft zum Atmen
lassen muss. Dafür müsse nicht zuletzt die Politik sorgen, ansonsten sei das
duale System nicht aufrecht zu erhalten.