18. März 2010 17:27
Heute gegen 10 Uhr früh meldete sich Peter Michaelis telefonisch bei seinem
Chef. Der heißt bekanntlich Josef Pröll und war gar nicht erfreut über
seinen ÖIAG-Chef. Aber der umstrittene Gagenkaiser Michaelis zeigte sich
„einsichtig“: Er und die übrigen Post-Aufsichtsräte würden nun doch auf ihre
höheren Prämienforderungen – die sie erst am Montag beschlossen hatten –
verzichten, beteuerte Michaelis. Ganz freiwillig erfolgte der nunmehrige
Verzicht freilich nicht:
Am Mittwoch deckte ÖSTERREICH auf, dass Herr Michaelis als
Post-Aufsichtsratsvorsitzender am Montag nicht nur ein hartes Sparpaket samt
900 Kündigungen beschlossen hatte, sondern auch seine Post-Bezüge von 28.900
auf 42.000 € anheben wollte – und das bei einer Jahresgage von 715.000 Euro.
Prompt wandte sich der Betriebsrat an Finanzminister Josef Pröll als
Eigentümervertreter der ÖIAG. Und am Donnerstag veröffentlichte ÖSTERREICH
als erstes Medium einen Brief von Pröl, in welchem er Michaelis
„unmissverständlich zum Verzicht“ aufforderte. Und Michaelis folgte brav.
Ist nun also alles wieder gut? Wohl kaum.
Wie viel Michaelis und Co. von der Telekom wollen
Denn der
umstrittene ÖIAG-Boss ist ja nicht nur Aufsichtsratsvorsitzender der Post,
sondern auch der Telekom. Und hier wird es jetzt pikant:
- Wie ÖSTERREICH-Recherchen zeigen, hat der Telekom-Aufsichtsrat in der
Aufsichtsratssitzung vom 23. Februar 2010 still und heimlich ebenfalls
eine rückwirkende Erhöhung der Bezüge – schriftlich – beschlossen.
- Michaelis soll demnach als Telekom-Aufsichtsratschef statt bislang
30.000 Euro nun 40.000 Euro einstreifen.
- Sein Stellvertreter im Telekom-Aufsichtsrat sollte von 22.500 Euro auf
30.000 Euro angehoben werden.
- Und die übrigen Kapitalvertreter sollten künftig statt 15.000 Euro
20.000 Euro kassieren.
Die Belegschaftsvertreter in den Aufsichtsräten erhalten übrigens keine
Gagen.
Mit dieser heimlichen – und bislang verheimlichten – neuerlichen
Bezüge-Erhöhung dürfte Michaelis die Politik – just in Sparzeiten – wohl
einmal zu viel gereizt haben.
Rücktrittsaufforderung und neue Prämien
Immerhin
erklärte Pröll im ÖSTERREICH-Gespräch nach dem Post-Verzicht von Michaelis
bereits: „Das war absolut notwendig. Es hat wohl niemand Verständnis dafür,
wenn sich Manager in Sparzeiten plötzlich die Bezüge erhöhen. Das ist
inakzeptabel.“
Jetzt ist wohl ein neuerlicher mahnender Brief von Josef Pröll an Peter
Michaelis nötig.
Rudas: Auflösung der ÖIAG "besser heute als morgen"
SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas bekräftigte heute, Freitag, ihre
Forderung nach Auflösung der ÖIAG. "Und zwar besser heute als
morgen", so Rudas. Die ÖIAG sei ein "Relikt, das sich
überlebt hat", so die SPÖ-Bundesgeschäftsführerin. Die jüngsten
Ereignisse um ÖIAG-Boss Michaelis bezeichnete Rudas als "skandalös".
In Zeiten, in denen überall gespart werden muss, gönnt Michaelis seinen
Aufsichtsrats-Kollegen eine saftige Bezugserhöhung von bis zu 85.000 Euro.
Ähnliches plante Michaelis für die Post-Aufsichtsräte, musste dann jedoch -
angesichts des gemeinsamen Widerstandes von Belegschaftsvertretern und von
SPÖ-Staatssekretär Josef Ostermayer - zurückrudern. Zynisches Detail:
Während Michaelis den Aufsichtsräten Gehaltserhöhungen verschaffen wollte,
werden bei der Post Arbeitsplätze eingespart. "Dies zeigt
deutlich, wie fernab jeglicher Realität Michaelis agiert. Die Gagen-Erhöhung
für seine Freunde aus dem Aufsichtsrat ist eine Verhöhnung der hart
arbeitenden Österreicherinnen und Österreicher", so Rudas.
Unverständnis äußerte die SPÖ-Bundesgeschäftsführerin auch angesichts der
Aussagen von Finanzminister Pröll. Er möchte bis 2011 an Michaelis
festhalten. "Die ÖIAG ist ein kostenverursachendes Relikt, auf das die
Republik Österreich und die Steuerzahler verzichten können",
fordert Rudas.