04. Februar 2010 19:31
In der Affäre
rund um die Salzburger Osterfestspiele kommen täglich neue, unfassbare
Details ans Licht: Die Tageszeitung ÖSTERREICH veröffentlicht in der
Freitagausgabe erstmals die komplette Strafanzeige, die die Geschäftsführung
der Salzburger Osterfestspiele bei der Staatsanwaltschaft Salzburg
eingebracht hat.
Im Mittelpunkt der Anzeige steht Ex-Geschäftsführer Michael Dewitte:
- "Ohne dass dafür eine vertragliche Grundlage ersichtlich ist,
hat er (Dewitte, Anm. d. Red.) sich nicht nur das Gehalt vom Jahre 2002
bis zum Jahre 2009 von 102.000 Euro auf 120.000 Euro (. . .) bewilligt,
sondern zusätzlich jährliche Sonderzahlungen ohne Rechtsgrund
auszahlen lassen", heißt es in der Anzeige. Und: "Die
Gesamtüberzahlung in dem Prüfzeitraum 2002-2008/2009 beläuft
sich auf 550.500 Euro."
- Exorbitant stiegen auch die Reisekosten von Dewitte: Während diese
2001/2002 noch 33.000 Euro ausmachten, waren es 2008/2009 91.000 Euro
(in nur einem Jahr!). "Darunter sind etwa drei Übernachtungen
der Ehefrau von Dewitte à 680 Euro in Paris und ungezählte
Extras (Pay-TV, Minibars), die niemals beruflich veranlasst wurden."
Besonders dreist: Dewitte ließ sich von Wein&Co. Weine und Waren
für Veranstaltungen in seinem Privathaus liefern - freilich auf
Rechnung der Festspiele. "Niemand weiß, wer damit bewirtet
wurde", heißt es dazu in der Anzeige.
- Seiner Ehefrau Yvette zahlte Dewitte ein Gehalt von 45.250 Euro für
ein Festival, das sich auf einen Zeitraum von 10 Tagen erstreckt.
- Dazu kommen Zahlungen über Hunderttausende Euro an die Steuerprüferin
und den Rechtsanwalt, die Dewittes Privatgeschäfte abzeichneten. So
sei "ein höchst raffiniertes Kontrollscheinsystem in Täuschungsabsicht
vorgespielt" worden, das den Millionenbetrug ermöglichte.
Kritik an Prüfern
Scharfe Kritik übt die Anzeige auch an den
Prüfern: Die Prüfgesellschaft Deloitte hätte die Prüfungen laut der Anzeige
nicht vorgenommen. Auch die zweite Prüfgesellschaft Ernst & Young hätte
(absichtlich?) nicht ausreichend geprüft. "Auffallend ist, dass Ernst &
Young für die Prüfung nur rund 7.000 Euro genommen haben, - ob es eine
Vereinbarung gibt, dass deshalb nicht geprüft, sondern nur das Testat ohne
Prüfung erteilt wird, wird ebenfalls zu prüfen sein."
Hohe Rechnungen
Die Anzeige zeigt weiters auf, wie der
mutmaßliche Betrug genau abgelaufen ist. So sei ein "höchst raffiniertes
Kontrollscheinsystem in Täuschungsabsicht vorgespielt" worden, um den
Millionen-Betrug zu ermöglichen. "Sämtliche Zahlungen sind nämlich in
folgender Weise geschehen: Michael Dewitte hat eingehende Rechnungen
"geprüft" und abgezeichnet. Dann gingen die Rechnungen an Herrn Rechtsanwalt
DI Dr. Aigner. (. . .) So gut wie alle Rechnungen (. . .) sind von Herrn
Dr. Aigner (. . .) abgezeichnet worden. Für diese Tätigkeit hat Dr. Aigner
pauschal 30.000 Euro und 43.000 Euro berechnet und erhalten. Die
Steuerberaterin Dr. Brigitte Kalteis habe jährlich 90.000 Euro Honorar
kassiert und sämtliche Buchungen vorgenommen, obwohl ihr klar gewesen sein
muss, dass viele der Zahlungsvorgänge unzulässig sind. Für alle genannten
Personen und Firmen gilt die Unschuldsvermutung.
Die Staatsanwaltschaft prüft die Anzeige derzeit, sie wurde der
Staatsanwältin Sandra Lemmermayer übergeben. Bis Montag soll es eine
Entscheidung geben, wie mit der Anzeige verfahren wird, heißt es von Seiten
der Staatsanwaltschaft auf ÖSTERREICH-Anfrage.