Die Anzeige gegen den Festspielmanager

ÖSTERREICH

© APA/FRANZ NEUMAYR

Die Anzeige gegen den Festspielmanager

In der Affäre rund um die Salzburger Osterfestspiele kommen täglich neue, unfassbare Details ans Licht: Die Tageszeitung ÖSTERREICH veröffentlicht in der Freitagausgabe erstmals die komplette Strafanzeige, die die Geschäftsführung der Salzburger Osterfestspiele bei der Staatsanwaltschaft Salzburg eingebracht hat.

Im Mittelpunkt der Anzeige steht Ex-Geschäftsführer Michael Dewitte:

  • "Ohne dass dafür eine vertragliche Grundlage ersichtlich ist, hat er (Dewitte, Anm. d. Red.) sich nicht nur das Gehalt vom Jahre 2002 bis zum Jahre 2009 von 102.000 Euro auf 120.000 Euro (. . .) bewilligt, sondern zusätzlich jährliche Sonderzahlungen ohne Rechtsgrund auszahlen lassen", heißt es in der Anzeige. Und: "Die Gesamtüberzahlung in dem Prüfzeitraum 2002-2008/2009 beläuft sich auf 550.500 Euro."
  • Exorbitant stiegen auch die Reisekosten von Dewitte: Während diese 2001/2002 noch 33.000 Euro ausmachten, waren es 2008/2009 91.000 Euro (in nur einem Jahr!). "Darunter sind etwa drei Übernachtungen der Ehefrau von Dewitte à 680 Euro in Paris und ungezählte Extras (Pay-TV, Minibars), die niemals beruflich veranlasst wurden." Besonders dreist: Dewitte ließ sich von Wein&Co. Weine und Waren für Veranstaltungen in seinem Privathaus liefern - freilich auf Rechnung der Festspiele. "Niemand weiß, wer damit bewirtet wurde", heißt es dazu in der Anzeige.
  • Seiner Ehefrau Yvette zahlte Dewitte ein Gehalt von 45.250 Euro für ein Festival, das sich auf einen Zeitraum von 10 Tagen erstreckt.
  • Dazu kommen Zahlungen über Hunderttausende Euro an die Steuerprüferin und den Rechtsanwalt, die Dewittes Privatgeschäfte abzeichneten. So sei "ein höchst raffiniertes Kontrollscheinsystem in Täuschungsabsicht vorgespielt" worden, das den Millionenbetrug ermöglichte.

Kritik an Prüfern
Scharfe Kritik übt die Anzeige auch an den Prüfern: Die Prüfgesellschaft Deloitte hätte die Prüfungen laut der Anzeige nicht vorgenommen. Auch die zweite Prüfgesellschaft Ernst & Young hätte (absichtlich?) nicht ausreichend geprüft. "Auffallend ist, dass Ernst & Young für die Prüfung nur rund 7.000 Euro genommen haben, - ob es eine Vereinbarung gibt, dass deshalb nicht geprüft, sondern nur das Testat ohne Prüfung erteilt wird, wird ebenfalls zu prüfen sein."

Hohe Rechnungen
Die Anzeige zeigt weiters auf, wie der mutmaßliche Betrug genau abgelaufen ist. So sei ein "höchst raffiniertes Kontrollscheinsystem in Täuschungsabsicht vorgespielt" worden, um den Millionen-Betrug zu ermöglichen. "Sämtliche Zahlungen sind nämlich in folgender Weise geschehen: Michael Dewitte hat eingehende Rechnungen "geprüft" und abgezeichnet. Dann gingen die Rechnungen an Herrn Rechtsanwalt DI Dr. Aigner. (. . .) So gut wie alle Rechnungen (. . .) sind von Herrn Dr. Aigner (. . .) abgezeichnet worden. Für diese Tätigkeit hat Dr. Aigner pauschal 30.000 Euro und 43.000 Euro berechnet und erhalten. Die Steuerberaterin Dr. Brigitte Kalteis habe jährlich 90.000 Euro Honorar kassiert und sämtliche Buchungen vorgenommen, obwohl ihr klar gewesen sein muss, dass viele der Zahlungsvorgänge unzulässig sind. Für alle genannten Personen und Firmen gilt die Unschuldsvermutung.

Die Staatsanwaltschaft prüft die Anzeige derzeit, sie wurde der Staatsanwältin Sandra Lemmermayer übergeben. Bis Montag soll es eine Entscheidung geben, wie mit der Anzeige verfahren wird, heißt es von Seiten der Staatsanwaltschaft auf ÖSTERREICH-Anfrage.

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