31. Juli 2010 21:24
Der Zustand vom früheren Bawag-General Helmut Elsner (75) verschlechtert
sich immer dramatischer. Das belegen Patientenbriefe und neue Gutachten.
Elsner, der sich früher sportlich betätigt hat, wiegt heute bei einer
Körpergröße von 1,75 Metern schon 107 Kilo. „Der Patient hat aufgrund der
Bewegungsarmut deutlich zugenommen“, so der bekannte Wiener Kardiologe Kurt
Huber in einem Schreiben. Er behandelt den bekanntesten U-Häftling
Österreichs seit Jahren.
Die Folge: Schon seit 10 Tagen befindet sich Elsner in ärztlicher Behandlung
im Wilhelminenspital, wie ÖSTERREICH berichtete. Die Hitze hatte ihm so sehr
zugesetzt, dass er nicht ohne Sauerstoffgerät schlafen konnte. „Im Gefängnis
gibt es keine großen Fenster zum Lüften“, schildert seine besorgte Ehefrau
Ruth Elsner. Der Spitalaufenthalt ist nötig, weil die Gefahr eines Herz-
oder Nierenversagens zu groß war.
„Rhythmusstörungen könnten tödlich sein“
Noch
drastischer das Gutachten von Professor Max Pichler: „Die nachgewiesenen
Rhythmusstörungen können jederzeit in eine tödliche Rhythmusstörung
entarten“, schrieb er bereits am 11. Mai. Und: „Es ist daraus zu schließen,
dass...die durch den Stress produzierten Herzarrhythmien jederzeit einen
finalen Verlauf nehmen können.“
„Angeklagter nicht fähig zu Flucht ins Ausland“
Elsner
ist ein schwer kranker Mann, wie alle Ärzte offiziell diagnostizieren. Doch
alle Untersuchungen waren für die Haftrichter bis jetzt kein Anlass, Helmut
Elsner aus der U-Haft zu entlassen. Offizieller Grund: Fluchtgefahr.
Grotesk, wenn man Pichlers Ergänzungsgutachten weiter liest. Es zeigt: Eine
Flucht wäre für Elsner lebensgefährlich. Pichler schreibt: „Zusammenfassend
ist zu sagen, dass der Angeklagte als nicht fähig zu einer Auslandsflucht
anzusehen ist.“ Elsner könne in einem möglichen ausländischen Versteck nicht
die ärztliche Behandlung bekommen, die bei seiner „multiplen Erkrankung“
notwendig wäre. Das würde eine weitere „Lebensgefährdung“ bedeuten.
Am Ende wird Pichler ganz deutlich: „Zudem müsste er ein hohes Sterberisiko
in Kauf nehmen, wenn er sich den Belastungen einer Flucht aussetzt.“
Schon vor knapp einem Jahr warnten die Ärzte in ihren Patientenbriefen vor
immer akuteren Herzrhythmusstörungen bei Elsner. „Insgesamt hat sich die
kardiale Situation schrittweise verschlechtert. Es ist in den nächsten
Wochen und Monaten mit Rückfällen zu rechnen“, so Huber am 1.10.2009. Am
12.10.2009 hieß es: „Die permanente Stressbelastung offenbar durch die
Untersuchungshaft hat zu vermehrten Rhythmusstörungen geführt.“
Nächste Hoffnung für Elsner ist ein neues Attest der medizinischen Gutachter
am 15. August. Dann werden die Richter neuerlich entscheiden, ob seine
Krankheit Grund genug für eine Entlassung aus der Untersuchungshaft ist.