15. April 2009 16:32
Anlässlich der heute Nachmittag im Parlament stattfindenden Veranstaltung
des Dritten Präsidenten des Nationalrates, Dr. Martin Graf, bei der der
Rechtsextremist Walter Marinovic als Gastredner geladen ist, richtet der
Abgeordnete der Grünen, Harald Walser folgenden offenen Brief an die
Parlamentsklubs von ÖVP und SPÖ:
"Sehr geehrte Abgeordnete der SPÖ und ÖVP,
wir haben Sie davor gewarnt. Wir haben angekündigt, dass das Hohe Haus zur
Spielwiese der Rechtsextremen würde, zur Bühne für Menschen, die keine
Abgrenzung zum Neonazismus kennen. Sie können nicht sagen, Sie hätten es
nicht gewusst, als Sie Martin Graf zum Dritten Nationalratspräsidenten
gewählt haben. Sie wussten von Anfang an, wes Geistes Kind Martin Graf ist,
und konnten sich ausrechnen, welche Arten von Veranstaltungen er im
Parlament durchführen lassen würde.
Heute referiert Walter Marinovic im Parlament. Walter Marinovic,
österreichischer Staatsbürger, bezeichnet sich selbst in einem Interview mit
der rechtsextremen Zeitschrift "Deutsche Stimme" als "Ostmärker", war
bereits mehrmals Vortragender bei der rechtsextremen "Arbeitsgemeinschaft
für demokratische Politik" (AFP) und hat laut Dokumentationsarchiv des
österreichischen Widerstands (DÖW) "kaum Berührungsängste zum deutschen
Nationalsozialismus".
Dieser Mann hält heute im Parlament der Republik Österreich eine Rede zum
Thema: "Arminius befreite 09 Germanien von den Römern & wovon befreien wir
uns 2000 Jahre danach?" Marinovic ist auch einer der Erstunterzeichner des
sogenannten Württemberger Appells 2004. Dieses neonazistische Pamphlet
fordert "die Volksgemeinschaft", da "das materielle, geistige und
biologisch-genetische Erbe des deutschen Volkes in noch nie da gewesener
Form tödlich bedroht" sei, und zwar "von Auflösung und Zersetzung durch
Amerikanismus, Globalismus, Geldkapitalismus, Dekadenzkrise,
Geburtenverweigerung und der Wahnvorstellung einer multikulturellen
Gesellschaft".
Dass Vertreter solcher Gesinnungen das Hohe Haus als Bühne erhalten, haben
Sie, die Mitglieder der parlamentarischen Fraktionen von SPÖ und ÖVP, durch
die Wahl von Martin Graf zum Dritten Nationalratspräsidenten ermöglicht. Es
reicht jetzt nicht, bedauernd die Schultern zu zucken und auf fehlende
juristische Zugriffsmöglichkeiten zu verweisen. Jetzt bedarf es eines
gewichtigen, geräuschvollen politischen Statements. Fordern Sie mit uns
gemeinsam den Rücktritt von Martin Graf als Dritter Präsident des
Nationalrats!
Harald Walser
Abgeordneter zum Nationalrat und Bildungssprecher der Grünen"