20. Oktober 2009 18:45
Josef Pröll habe das „Vertrauen der Wähler“ verraten, sagt SP-Bundeskanzler
in ungewohnter Schärfe im ÖSTERREICH-Interview.
Keine Frage, Werner Faymann, der sonst so sanftmütige Kanzler, Wortführer
einer Kuschel-Koalition mit Josef Pröll und mit Genug gestritten in die
letzte Wahl gegangen, zieht die Glacé-Handschuhe im Umgang mit seinem Vize
endgültig aus.
Kanzler kämpft für Hackler-Regelung
Faymanns Vertrauen
in seinen einstigen Buddy Josef Pröll ist – freundlich ausgedrückt – perdu.
Dass der VP-Vizekanzler in seiner "Projekt Österreich“-Rede vergangenen
Mittwoch einfach – und unabgesprochen – die Hackler-Regelung kippen wollte,
hat den Kanzler richtig erzürnt.
Die Hackler-Regelung hätten er und Pröll schließlich vor elf Monaten
gemeinsam beschlossen, erklärt Faymann in ÖSTERREICH seinen Unmut. Die
Wähler würden von der Regierung erwarten, dass „wir unsere Versprechen auch
halten“, lehnt der Kanzler Prölls Vorhaben unmissverständlich ab.
Und auch in Sachen EU-Kommissar bleibt Faymann hart. Ja, er bestehe auf
Benita Ferrero-Waldner als EU-Kommissarin.
Dass Pröll vergangenen Donnerstagabend EU-Kommissionspräsident José Manuel
Barroso Ex-VP-Chef Wilhelm Molterer als „gemeinsamen Kandidaten“ der
Regierung für die EU-Kommission vorgeschlagen hat, will Faymann nicht so
einfach auf sich sitzen lassen. Überhaupt will Faymann, der stets auf
Konsens aus war, künftig härter auftreten. Genau das wünscht sich freilich
auch seine verunsicherte Basis von ihm.
Faymann hält nun seine eigene Österreich-Rede
Der rote
Bundeskanzler wird denn auch, wie er im ÖSTERREICH-Interview erstmals
ankündigt, am 2. Dezember eine große Rede halten. Anlässlich des Jahrestages
der neuen rot-schwarzen Regierung will Faymann seine Visionen für Österreich
präsentieren. Und dort will Faymann die roten Akzente in der
Regierungsarbeit betonen: Im Zentrum seiner Rede werden sozial- und
bildungspolitische Themen stehen. Aber Faymann will in seiner Rede auch um
das „Vertrauen der Menschen werben“. Denn Vertrauen sei unerlässlich. Genau
jenes fehlt jetzt freilich in der Koalition...