Gabriela Moser: Die Grasser-Jägerin

U-Ausschuss

© Achim Bieniek

Gabriela Moser: Die Grasser-Jägerin

Am Ende hat sich die Favoritin doch durchgesetzt. Seit Freitag ist es fix: Die Grüne Gabriela Moser (57) wird den wichtigsten U-Ausschuss der Zweiten Republik leiten. Als erste Frau wird die gebürtige Linzerin und ehemalige AHS-Lehrerin (Deutsch und Geschichte) diese Position ausfüllen. Moser gegen die mächtigsten Männer des Landes heißt das Match.

Bisher agierte Moser eher im Hintergrund, überließ Peter Pilz bei den Grünen die Bühne als Aufdecker von Korruption und Skandalen.

Doch der zierlichen, aber umso hartnäckigeren Linzerin ist es zu verdanken, dass der Buwog-Fall ins Rollen kam. „Anfangs interessierte sich niemand für die Causa. Es war die Wut über die viel zu niedrige Verkaufssumme, die mich auf die Buwog aufmerksam machte“, erzählt Moser. Die Grüne ließ nicht locker, bis ihr vor zwei Jahren der Durchbruch gelang. Deswegen freut Moser ganz besonders, wenn beim U-Ausschuss Karl-Heinz Grasser, Walter Meischberger, Peter Hochegger und Ernst Karl Plech aufmarschieren. „Auf Plech bin schon sehr gespannt. Er kennt sich am besten aus, hat sich bis jetzt nicht öffentlich geäußert“, so Moser.

Wenn die grüne Aufdeckerin nicht Grasser jagt, geht die Linzer gerne wandern. Zum 50. Geburtstag bestieg sie mit ihrem Mann den Mont Blanc (4.810 m) „Wir haben’s beim ersten Anlauf geschafft“, erzählt sie stolz.

Die grüne Philosophie zieht Moser beinhart durch. Sie besitzt kein Auto, bewältigt alle Strecken mit dem Rad. „Es ist über zwanzig Jahre alt. Denn das wird mir wenigstens nicht gestohlen“, so Moser. Ihr Haus ist mit Sonnenkollektoren und Solarzellen ausgestattet. In den Urlaub geht es nur mit der Bahn.
 

Moser über U-usschuss, Jagdschein und Krebs

ÖSTERREICH: Eine Frau gegen die einflussreichsten und prominentesten Männer des Landes. Trauen Sie sich den Job zu? Einige Ihrer Gegner meinten, Sie wären überfordert …
Gabriela Moser: Diesem Argument kann ich absolut nichts abgewinnen. Außerdem erobere ich gerne Männerdomänen. Jeder Mann müsste sich auch in die Fälle einarbeiten, warum soll ich das nicht können?

ÖSTERREICH: Sie gelten als die Grasser-Jägerin. Glauben Sie, dass Karl-Heinz Grasser Albträume wegen Ihnen hat?
Moser: Das glaube ich nicht, dazu hat er ein viel zu unbekümmertes Naturell (lacht). Genauso wenig, wie ich Albträume wegen ihm habe.

ÖSTERREICH: Warum sollten Sie wegen Grasser Albträume haben?
Moser: Er jagt mich mit Klagen. Er hat mich zweimal geklagt, ich ihn erst einmal.

ÖSTERREICH: Wann wird der U-Ausschuss die ersten Zeugen vorladen?
Moser: Jetzt muss der direkte Kontakt zum Staatsanwalt erfolgen, alle Akten müssen herangeschafft werden, der Zeitplan muss erstellt werden. Das Prozedere bestimmt die Mehrheit im Ausschuss. Meine Kollegen Pilz und Rosenkranz meinen etwa: im Februar. Mir wäre es früher lieber. Ich habe keinen besonderen Weihnachtsurlaub geplant, bin also jederzeit arbeitsbereit.

ÖSTERREICH: Wird die Republik nach dem U-Ausschuss sauberer sein?
Moser: Das ist unser aller Hoffnung. Schon im Vorfeld werden erste Konsequenzen gezogen. Es gibt Reformvorstöße in Richtung Parteienfinanzierung. Die gläserne Parteikassa ist unser ganz großes Ziel. Dann gibt es noch den Bereich Lobbying und die Frage der Transparenz bei Abgeordneten. Hier hat es auch bereits erste Vorstöße gegeben.

ÖSTERREICH: Sie gelten als die Aufdeckerin des Buwog-Falls. Wie wollen Sie den Fall beim U-Ausschuss aufklären?
Moser: Damit ich mich auf meine Aufdeckerrolle uneingeschränkt konzentrieren kann, werde ich mich bei der Buwog als Vorsitzende vertreten lassen. Die Menschen erwarten sich von mir, dass ich die Causa Buwog jetzt zu Ende bringe. Ich möchte die offenen Fragen beantwortet bekommen und wissen, wohin das Geld der Provision geflossen ist. Das würde sich mit der Rolle der Vorsitzenden nicht vertragen.

ÖSTERREICH: Wie wollen Sie Meischberger, Grasser, Plech und Hochegger auf den Zahn fühlen. Das ist nicht einmal dem Gericht gelungen?
Moser: Es gibt Menschen im Umfeld, die viel wissen. Ich denke da an die Vergabekommission, das Kabinett des Finanzministers. Diese Menschen haben Eindrücke gewonnen, in welchem Umfang sich die Freunde Grassers im Ministerium bewegt haben. Welche Informationen ihnen zugänglich waren, welcher Quellen sie sich bedienten, wo sie sich einmischten. Das Beamtenumfeld weiß mehr, als sich die Öffentlichkeit vorstellen kann. Deswegen sollen diese Personen auch vorgeladen werden.

ÖSTERREICH: Glauben Sie, dass auch Hochegger der Vorladung folgen wird?
Moser: Nachdem er freiwillig Interviews gibt, glaube ich nicht, dass er bei einer parlamentarischen Vorladung kneifen wird. Das würde kein Mensch verstehen.

ÖSTERREICH: In den Interviews hat es Hochegger sehr klug verstanden, von seinem Fall abzulenken. Wie wollen Sie ihn festnageln?
Moser: Es geht ja um ganz einfache und präzise Fragen. Da fällt sofort auf, wenn er abzulenken versucht. Wir haben auch Kenntnisse über die Aussagen beim Staatsanwalt und insofern kann er sich nicht unter dieses Niveau begeben.

ÖSTERREICH: Sind Sie hartnäckig?
Moser: Das behaupten zumindest viele Menschen (lacht).

ÖSTERREICH: Und wie sehen Sie das?
Moser: Wenn mir etwas wichtig ist, dann verfolge ich es schon sehr intensiv. Wie heißt ein altbekannter Spruch: 10 % ist Inspiration und 90 % Transpiration.

ÖSTERREICH: Ihr Markenzeichen sind grüne Sakkos: Wie viele haben Sie davon?
Moser: Insgesamt habe ich ungefähr sechs Sakkos. Ich trage sie immer bei Nationalratssitzungen, damit man erkennt, wo die Grünen sitzen.

ÖSTERREICH: Sie sind das, was gerne als Powerfrau bezeichnet wird. Empfinden Sie sich als eine solche?
Moser: Es liegt mir fern, mich als Powerfrau zu inszenieren. Ich stecke meine Power in die Arbeit und stelle in vielen Bereichen, wo Männer dominieren, meine Person. Dadurch bleibt mir natürlich wenig Zeit, um Kleider zu kaufen oder mich um die Schönheit zu kümmern. Das ist eine Frage der Präferenzen (lacht).

ÖSTERREICH: Sie sind überzeugte Grüne. Sie fahren nur mit dem Fahrrad, doch Sie haben einen Jagdschein. Wie geht das zusammen?
Moser: Den Jagdschein habe ich zu meinem 50. Geburtstag gemacht. Das war eine der schwierigsten Prüfungen, die ich je absolviert habe. Mir ging es um ein ökologisches Gesamtanliegen. Der Wildverbiss macht den Abschuss notwendig. Aber ich habe nie geschossen.

ÖSTERREICH: Wer ist mehr grün im Hause Moser? Sie oder Ihr Mann?
Moser: Mein Mann ist viel konsequenter als ich. Ich kaufe manchmal auch keine biologischen Lebensmittel, aber er kauft nur Bio.

ÖSTERREICH: Sie haben auch schon einen schweren Schicksalsschlag hinter sich. In den 80er-Jahren wurde bei Ihnen ein Gehirntumor entdeckt.
Moser: Das war ein Zufall, dass der Tumor entdeckt wurde, denn ich hatte keine Schmerzen. Nach einer ­Verkühlung hörte ich plötzlich schlechter. Drei HNO-Ärzte musste ich aufsuchen, bis ich endlich die Diagnose hatte. Die Operation hat sieben Stunden gedauert. Danach war eine Gesichtshälfte gelähmt und ein halbes Jahr habe ich alles doppelt gesehen.

ÖSTERREICH: Sie erzählen das alles so locker. Hatten Sie keine Angst vor der OP?
Moser: Erst am Abend vor der OP bin ich nervös geworden. Aber vielleicht war es eine Art Selbstschutz, dass ich nicht genau nachgefragt habe, was alles passieren kann.

ÖSTERREICH: Wollten Sie nie Kinder?
Moser: Das war schon alleine wegen der Gehirn-OP ­unmöglich. Aber ich hatte ohnehin immer viele Kinder um mich. Ich hatte sie in der Schule und, da ich auch drei Geschwister habe, darf ich mich auch um meine Nichten und Neffen kümmern.

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