14. Februar 2010 22:09
ÖSTERREICH: Laut Umfragen verliert die Regierung an Vertrauen.
Wie erklären Sie sich das selbst?
Josef Pröll: Eine Regierung muss ihre Arbeit erledigen, wenn
sie sich das Vertrauen der Menschen verdienen will. Wer parteipolitische
Profilierung in einer Regierung sucht, hat schon verloren. Meine Erfahrung
ist: Konzentriere Dich auf Deinen Job und die Menschen werden das
respektieren.
ÖSTERREICH: Aber auch Sie selbst haben abgebaut…
Pröll: Ein Vertrauensbonus von 24 Prozent ist sicher kein
Polster, auf dem man sich ausruhen kann. Aber wir haben im letzten Jahr sehr
viel weiter gebracht: Die beiden Konjunkturpakete, die Steuerreform. Beides
Vorhaben, die deutlich geholfen haben, die Krise effektiver als in anderen
Ländern abzufedern. Aber, ja, Sie haben recht: gegenwärtig stottert es ab
und an im Regierungs-Motor. Das macht sich in den Umfragewerten bemerkbar.
ÖSTERREICH: Kanzler Faymann ist sogar ins Minus gerutscht.
Seine Begründung: Er grenze sich von der FP ab…
Pröll: …und dabei trauen ihm die Menschen nicht? Interessant.
Es liegt nicht an mir, die schlechten Vertrauenswerte des Kanzlers zu
kommentieren. Die des Kanzlers sind, wie sie sind, meine waren auch schon
besser. Da muss sich jeder selber an der Nase nehmen.
ÖSTERREICH: Trotzdem steht die Regierung – siehe Asyl oder ORF…
Pröll: Es ist richtig, wir haben Themen, bei denen Kompromisse
schwierig sind. Gleichzeitig geht auch etwas weiter, wie etwa die
Konsolidierung bis 2013. Einigkeit in der Regierung sorgt aber offenbar
nicht so für Aufsehen.
ÖSTERREICH: Dennoch: Faymann hat Fekter wegen der geplanten
Anhaltung von Asylwerbern kritisiert. Wie wollen Sie das lösen?
Pröll: Der SPÖ- Parteivorsitzende ist im letzten Jahr öfters
aus seiner eigenen Partei aufgefordert worden, mehr Profil zu zeigen. Das
versucht er jetzt offenbar. Aber ich kann in den Umfragedaten nicht
erkennen, dass es viel hilft. Ich meine, Erfolg stellt sich nicht über
Profilierung ein, sondern über Arbeit. Sie fragen, wie wir dieses Problem
lösen? Nun, indem Maria Fekter und Norbert Darabos das ausverhandeln und ein
Ergebnis liefern.
ÖSTERREICH: Aber Ihnen gegenüber wird Faymann auch schärfer, er
wirft Ihnen vor, Ihre eigene Innenministerin im Regen stehen zu lassen …
Pröll: Werner Faymann ist angetreten mit dem Versprechen:
„Genug gestritten“ – eigentlich ein guter Vorsatz. Wir sollten uns daran
halten.
ÖSTERREICH: Trotzdem blockieren sich SPÖ und ÖVP doch nur noch,
nicht??
Pröll: Nein. Aber, dort wo wir unterschiedlicher Auffassung
sind, braucht es einfach Diskussion.
ÖSTERREICH: Sie fliegen am Dienstag für drei Tage nach Indien.
Warum?
Pröll: Der Wirtschaftsminister und ich starten gemeinsam mit
rund 40 österreichischen Unternehmen eine Exportoffensive für den indischen
Markt: 60 Prozent unseres Wohlstands wird im Export verdient und da ist es
nur logisch, dass wir neue Märkte offensiv angehen. Ich glaube an die Kraft
unseres Landes, diese Krise besser als andere zu bewältigen.
ÖSTERREICH: Sie haben auch Treffen mit der indischen
Filmwirtschaft …
Pröll: Vor etwas über einem Jahr waren Stefan Ruzowitzky und
Götz Spielmann bei mir und haben mit mir über das enorme Potenzial der
österreichischen Filmwirtschaft gesprochen. Beide haben klar gemacht: Wenn
sich die Politik hier ordentlich engagiert und vernünftige Rahmenbedingungen
schafft, dann bleibt es nicht bei einem oder zwei Oscars, dann kann
Österreichs Filmwirtschaft richtig Geld machen.
ÖSTERREICH: Und wie wollen Sie das Vertrauen der Menschen hier
in Österreich zurückgewinnen?
Pröll: Für die Regierung ist sicher wichtig, dass der
Regierungschef wieder aus dem Minus herauskommt. Wenn die Menschen dem
Bundeskanzler nicht vertrauen, dann ist das schlecht für die gesamte
Regierung. Gemeinsam müssen dürfen wir den Blick für das wesentliche nicht
verlieren. Wenn die Menschen Arbeit suchen, wenn Selbstständige sich fragen,
wie sie über die Runden kommen, dann erwarten sie von der Regierung harte
Arbeit und gute Ergebnisse und weder Streit noch andauernde
Beziehungskisten.
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Zahn-OP legte Pröll lahm
Bereits am Opernball gingen die Zahnschmerzen los. VP-Vizekanzler
Josef Pröll hatte eine Wurzelbehandlung einfach zu lange
hinausgezögert. Dringliche Polit-Termine hatten den Zahnarzttermin
verhindert. Dann am Freitag das böse Erwachen: Josef Pröll musste eine
Wurzelspitzenressektion vornehmen lassen.
Die Zahn-Operation ließ den VP-Chef zwei Tage lang k.o. sein. Er
konnte kaum sprechen und musste sich schonen. Seiner Frau Gabi – und
wohl auch seinem Zahnarzt – musste Pröll versprechen, künftig gleich
zum Arzt zu gehen. Und nicht wieder zu warten.
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