16. August 2010 21:09
Grünen-Bundessprecherin Eva Glawischnig hält die Turbulenzen in der Wiener
Landesorganisation wenige Wochen vor der Gemeinderatswahl für "sehr
ärgerlich". Gleichzeitig betonte sie im ORF-"Sommergespräch" Montagabend,
dass Listenspaltungen, wie sie nun in den Hoffnungsbezirken Mariahilf und
Josefstadt passiert sind, auch bei anderen Parteien, etwa der ÖVP in den
Ländern vorkämen. Nur werde damit nicht so offen umgegangen. Es gelte nun
einmal bei den Grünen das "Prinzip des Mitredens".
"Bei uns keine Käuflichkeit"
Für sich selbst sieht
Glawischnig keine Konsequenzen: "Mein Gipfelkreuz ist 2013", sprach sich die
nächste Nationalratswahl an, bei der sie für die Grünen "gigantische
Chancen" sieht. Hervorgehoben wurde von der Bundessprecherin in dem
Zusammenhang, dass die Grünen sich schon bei der Parteienfinanzierung
wohltuend von den anderen Parteien unterschieden: "Die ganze verwerfliche
Käuflichkeit der Politik gibt es bei uns nicht."
Neuerlich verlangte die Grünen-Chefin, dass bei den zuletzt diskutierten
Polit-Affären wie der Privatisierung der Buwog unter Alt-Finanzminister
Karl-Heinz Grasser (V) die Aufarbeitung in einem parlamentarischen
Untersuchungsausschuss geschehen müsse. Der ÖVP attestierte sie, unter
Kanzler Wolfgang Schüssel (V) bei diesen Vorgängen zumindest "weggeschaut"
zu haben. Schließlich habe es seitens der Grünen dutzende Hinweise gegeben,
dass hier etwas nicht korrekt laufe, Schüssel haben bei seinem
"Lieblingsziehsohn" Grasser aber nicht hingesehen.
Diskussionen um Öl-Ausstieg
Claus Raidl, Chef von
Böhler-Uddeholm, der auf Burg Ober-Kapfenberg gemeinsam mit ORF-Moderatorin
Ingrid Thurnher Glawischnig gegenübersaß, wies diese Vorwürfe gegen seinen
Parteifreund empört zurück: "Es ist absurd zu konstruieren, dass Schüssel
involviert war."
Ebenfalls ganz und gar nicht einer Meinung waren die Bundessprecherin und
der Böhler-Chef, was den von den Grünen propagierten Ausstieg aus dem Öl
angeht. Raidl hielt es für unmöglich, die 100 Prozent erneuerbare Energie in
den nächsten neun Jahren zu erreichen, Glawischnig blieb beim Ziel 2020,
freilich mit der Anmerkung, dass die Industrie hier nicht einbezogen sei.
Familienzuzug nicht zahlenmäßig beschränken
Beworben
wurde von der Grünen-Chefin eine ökologische Steuerreform, zudem will sie ab
einem Bestandteil von 100.000 Euro die begünstige Besteuerung von 13. und
14. Monatsgehalt beenden und für große Vermögen - 500.000 aufwärts - die
Erbschafts- bzw. Schenkungssteuer wieder einführen. Im Pensionssystem bewarb
sie eine Grundpension für alle, die jenseits der 950 Euro liegen sollte,
während bei den Spitzenpensionen ein "Cut" vorgenommen werden könnte. Für
"absolut diskussionswürdig" hält es die Bundessprecherin, die
Hacklerregelung abzuschaffen, da diese nicht mehr leistbar sei.
In der Ausländerpolitik überraschte Glawischnig, da sie die derzeit in der
Zuwandererquote vorgesehenen Plätze für Schlüsselkräfte reduzieren würde,
werde das Kontingent derzeit doch gar nicht ausgenützt. 1.000 bis 2.000
Menschen pro Jahr "an gesteuerter Zuwanderung" wären aus ihrer Sicht
notwendig, zuletzt waren rund 2.500 Plätze für Schlüsselkräfte vorgesehen.
Dafür wollte sie den Familienzuzug nicht zahlenmäßig beschränken. Ihrer
Meinung nach sollte "jeder, der das möchte, seine Familie bei sich haben
können".