24. Februar 2010 16:38
Ex-Bundeskanzler und aktueller Nationalratsabgeordneter Wolfgang Schüssel
(V) zieht in den Aufsichtsrat des deutschen Energieriesen RWE ein. Er soll
in der nächsten Hauptversammlung am 22. April zur Wahl vorgeschlagen werden,
so er Essener Konzern.
Schüssel solle zunächst aber gerichtlich in das Kontrollgremium bestellt
werden. Dort ersetzt der in der Europäischen Union bestens verdrahtete
Politiker den ehemaligen WestLB-Chef Thomas Fischer, der sich zum 31. Jänner
2010 aus dem RWE-Aufsichtsrat verabschiedet hat. Fischer hatte anhaltende
Indiskretionen im Aufsichtsrat beklagt.
Luxus-Gagen
Die Gagen der RWE-Aufsichtsräte können sich sehen
lassen: Insgesamt erhielten die 20 Mitglieder des Kontrollgremiums 2008 4,2
Mio. Euro. Aufsichtsratsvorsitzender Ex-WestLB-Chef Thomas R. Fischer, der
den Aufsichtsrat per Ende Jänner 2010 verlassen hat, kam auf 417.000 Euro,
davon waren 120.000 Euro fix.
Der stellvertretende Vorsitzende Franz Bsirske kam auf 278.000 Euro, davon
80.000 fix. Ein einfaches Aufsichtsratsmitglied erhält eine Festvergütung
von 40.000 Euro im Jahr, mit variablen Anteilen und Ausschussvergütungen
können es bis zu 218.000 Euro werden. Allerdings verdient auch der
Vorstandsvorsitzende mehr als in Österreich für solche Posten üblich: Jürgen
Großmann kam 2008 auf rund 9 Mio. Euro. Ein Verbund-Aufsichtsrat erhält im
Durchschnitt 22.400 Euro im Jahr.
Jetzt hagelt's Kritik
Heftige Kritik am neuen Job bei dem
Energie-Riesen RWE kommt von den Grünen und dem Anti-Atom-Beauftragten des
Landes Oberösterreich. "Diese Besetzung beweist wieder einmal,
warum wir in Österreich immer noch vergeblich auf eine Wende in der
Energiepolitik hin zu Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Green Jobs
warten: Die Verquickungen zwischen ÖVP und der fossilen und atomaren
Energiewirtschaft sind einfach zu eng", kritisiert die Umweltsprecherin
der Grünen, Christiane Brunner, in einer Aussendung.
"Schaden für Österreich"
Mit dem Einzug von
Schüssel in den RWE-Aufsichtsrat drohe ein schwerer Schaden für die
Glaubwürdigkeit der österreichischen Anti-Atom-Politik, so Radko Pavlovec,
Anti-Atom-Beauftragter des Landes Oberösterreich. Schüssel trage nämlich die
Hauptverantwortung für die bisher gescheiterte Beseitigung von
schwerwiegenden Sicherheitsmängeln des AKW Temelin.
"Es ist unvorstellbar, dass ein hochrangiger österreichischer
Politiker einen Aufsichtsratsposten in einem führenden Atomkonzern annimmt,
dessen Aktivitäten sich gegen die Sicherheitsinteressen der österreichischen
Bevölkerung richten", so Pavlovec. Schüssel sollte sein Engagement
im Interesse der Glaubwürdigkeit der österreichischen Anti-Atom-Politik
dringend überdenken und auf diesen lukrativen Posten verzichten, fordert der
Anti-Atom-Beauftragte.
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RWE erzielte 2008 mit rund 66.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 49
Mrd. Euro und einen Gewinn von 2,6 Mrd. Euro. In Deutschland ist der
Energiekonzern mit Sitz in Essen nach eigenen Angaben die Nummer zwei
am Markt bei Strom und die Nummer drei bei Gas. In Europa ist man den
Angaben zufolge bei Strom die Nummer drei und bei Gas die Nummer
sechs.
Bei der Stromerzeugung liegt RWE in Europa an zweiter Stelle, hinter
der französischen EdF und knapp vor der italienischen Enel und der
deutschen E.ON. Beim Stromverkauf führt E.ON vor EdF und RWE.
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