Justiz will Klarheit über Mittäter im Fall Kampusch

Fall Kampusch

© APA/Polizei

Justiz will Klarheit über Mittäter im Fall Kampusch

Die Aussage des Leiters der Untersuchungskommission im Fall Kampusch, Ludwig Adamovich, wonach er nicht ausschließen könne, dass Wolfgang Priklopil bei der Entführung und Gefangenhaltung von Natascha Kampusch Komplizen hatte, hat bei der Justiz Verwunderung ausgelöst. "Ich weiß nicht, wie Präsident Adamovich zu dieser Ansicht kommt. Er soll sagen, woher er das hat. Unsere Ermittlungen haben jedenfalls keine Indizien in diese Richtung ergeben", bekräftigte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, Gerhard Jarosch, am Mittwoch.

Jarosch weiter: "Im Zusammenhang mit möglichen Komplizen Priklopils sind wirklich alle Spuren überprüft worden. Es wurde über Monate hinweg von penibelst ermittelt. Das Ergebnis war eindeutig. Nach unserem Dafürhalten hat es keine Mittäter gegeben. Für uns sind solche auszuschließen."

Natascha-Aussage existiert nur im Protokoll
Genährt wurde die Mehrtäter-Theorie unter anderem von einem Zeitungsbericht, in dem es hieß, Natascha Kampusch habe unmittelbar nach ihrer Flucht die sinngemäße Frage nach Helfern Priklopils damit beantwortet, sie "kenne keine Namen".

Mittlerweile steht für die Justiz fest, dass dieser Satz aus einem Gedächtnisprotokoll einer Polizistin und nicht von Kampusch selbst stammt. "Frau Kampusch hat in ihren ganzen Aussagen und Einvernahmen niemals von weiteren Tätern gesprochen oder solche angedeutet", betonte der Sprecher der Anklagebehörde.

Adamovich fährt zum Sirny-Prozess
Adamovich will als Ausschuss-Chef am 15. Mai zum Prozess nach Graz fahren, den Nataschas Mutter, Brigitta Sirny, gegen Ex-Richter Martin Wabl führt. Adamovich: „Schauen wir einmal, was Wabl dort vorbringt.“ Denn die Justiz könne nicht einfach ungeprüft vom Tisch wischen, „was dieser Mann so alles sagt“.

Schwere Vorwürfe
Zur Erinnerung: Von Mutter Sirny auf Widerruf und Unterlassung seiner Behauptungen geklagt, will Wabl mithilfe von einem halben Dutzend Zeugen Abenteuerliches beweisen. Denn er ist nicht nur überzeugt, „dass Natascha bereits als Kind vor ihrer Entführung sexuell missbraucht wurde“. Der Steirer glaubt auch, „dass Priklopil kein Einzeltäter und Nataschas Mutter an dem Kriminalfall beteiligt war“.

Opfer
Sogar das Opfer selbst hat Wabl in den Zeugenstand gezwungen. Am 15. Mai soll Natascha Kampusch vor Berichterstattern aus ganz Europa, die bereits wie bei einer Fußball-EM bei Gericht um Akkreditierung ansuchen, peinliche Fragen beantworten. Darunter: Ob sie bereits als kleines Mädchen missbraucht wurde – und später dann nur von Priklopil oder auch von anderen Peinigern?

Sorge
Unter den Zeugen auch Nataschas Vater, Ludwig Koch, der seiner Tochter die neuen Belastungen 20 Monate nach ihrer Befreiung „gern erspart hätte. Aber andrerseits gehört ihr Fall restlos aufgeklärt, sonst kann sie nie ein freier und glücklicher Mensch werden. Deshalb freut mich der Zugang von Präsident Adamovich.“

Der meint im TV-Interview, auch „aufgrund meiner langen Erfahrung als Richter, dass Opfer im ersten Moment meist die Wahrheit sagen“. Laut Geheimakte sprach Natascha bei ihrer ersten Einvernahme nach der Flucht von Mittätern.

Lesen Sie hier: Heute werden im U-Ausschuss die ersten Zeugen geladen, darunter auch Innenminister Günther Platter.

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