18. März 2011 10:32

Versagt 

Karl kritisiert offenen Uni-Zugang

Die Wissenschaftsministerin will die soziale Durchlässigkeit erhöhen.

Karl kritisiert offenen Uni-Zugang
© TZ Österreich (Kernmayer)

Für eine bestmögliche soziale Durchlässigkeit im Bildungssystem sprach sich Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (V) am Donnerstagabend bei einer gemeinsamen Podiumsdiskussion mit dem Initiator des Bildungsvolksbegehrens, Hannes Androsch, und dem Philosophen Konrad Paul Liessmann aus. "Wir müssen davon wegkommen, dass Bildungswege vererbt werden", sagte Karl.

Große Sorge
Sie betrachte es mit großer Sorge, dass es an den Universitäten noch immer keine gute soziale Durchmischung gebe. "Da hat der offene Hochschulzugang versagt", meinte Karl. Gerade in den Massenfächern würden die sozial Schwächeren an den Universitäten scheitern, weil sie es sich nicht leisten könnten, ein oder zwei Semester länger zu studieren. "Dort setzen sich die, die den längeren finanziellen Atem haben, durch." An Fachhochschulen, wo es Aufnahmeverfahren gibt, sei die soziale Durchmischung wesentlich besser, sagte Karl. Für sie liegt der Schlüssel in der Verbesserung der Studienbedingungen.

Der lineare Zusammenhang, dass Bildung gleich Aufstiegschance sei, stimme nicht, sagte Liessmann. Die Schweiz habe eine niedrigere Akademikerquote als Österreich und sei wirtschaftlich viel erfolgreicher. Auch die These, dass Bildung alle sozialen Probleme löse, sei zu hinterfragen.

Bildung ohne Bedeutung
Es gebe soziale Milieus, in denen Bildung keine Rolle spiele, meinte Liessmann: "Ganz unten und ganz oben." Bildung sei ein "Mittelstandsphänomen." Der Wissenschafter meinte, dass Bildung in der Gesellschaft längst nicht dieser zentrale Wert sei, als den wir ihn gerne sehen. "Sonst würden sich die jungen Menschen in den Schulen anders verhalten, würden Bildung als Angebot, als Chance empfinden und nicht als Zumutung."  "Eigentlich ist der beliebte Satz, dass wir junge Menschen zur Bildung motivieren müssen, eine Bankrotterklärung."

Liessmann sprach sich bei der vom VP-nahen Seebrunner Kreis organisierten Diskussion für mehr Ehrlichkeit im Bildungsbereich aus. Es brauche keine PISA-Tests, um zu wissen, dass es ein Problem mit der Lesefähigkeit von Schülern gebe. Es gehe vielmehr um die Frage, was man dagegen tun könne. Man müsse beispielsweise die Frage beantworten, was ein Schüler heute eigentlich können soll.

Androsch für Verbesserung

Für einen breiten gesellschaftlichen Konsens zur Verbesserung des Bildungssystems trat Androsch ein. Je mehr Menschen sein Volksbegehren unterschreiben würden, desto mehr Rückhalt bekäme das Thema in der Politik. Ein gutes Bildungssystem sei auch eine Frage der Generationengerechtigkeit, sagte Androsch.

Konkrete Vorschläge zur Verbesserung machte Karl: Es müsse mehr Leistung verlangt werden. Sitzenbleiben dürfte aber nur die ultima ratio sein. Defizite sollten viel früher erkannt und mit gezielter Förderung der betroffenen Schüler ausgeglichen werden. Die Ministerin wünscht sich außerdem eine Modularisierung des Unterrichts und kann sich bei entsprechendem Bedarf auch das Angebot einer Ganztagsschule vorstellen.


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2 Postings
greekgirl meint am 18.03.2011 12:46:37 ANTWORTEN >
Hauptsache sie konnte gratis studieren damit sie jetzt diese Blödheiten verzapfen kann. Es wäre besser wenn etwas weniger Abgeordnete zum Nationalrat mit etwas weniger Einkommen hätten und einkommensmäßig trifft das auch auf die Minister zu, dann wäre genug Geld für den Ausbau der Unis da. Aber man braucht ja nur in das Gesicht dieser Frau sehen da schaut der Zynissmus pur heraus damit ist sie aber nicht allein in ihrer Partei denn Fekter paßt dazu wie die Faust aufs Auge und Gesinnungsmäßig kommt mir vor sind wie in Jahren 1938 bis 1945.
Mag. Robert Cvrkal meint am 18.03.2011 11:30:23 ANTWORTEN >
Die Weisheit, daß je mehr Menschen ein Begehren unterstützen, desto mehr Rückhalt bekomme ein Thema in der Politik ist uneingeschränkt zuzustimmen, wobei der Zeitpunkt und die Rahmenbedingungen (z. B. Scheitern Anti-Atom-Begehren) für die Zustimmungsrate eine wesentliche Rolle spielen. Der Umstand, daß es in Österreich viele Baustellen gibt, welche einen Änderungsbedarf besitzen (Bildung, Pensionen, Verwaltung, Risken Österreichs durch Euroschutzschirm usw.) ist weitgehend unbestritten, nur bedarf es eines gesellschaftlichen Wandels, damit die Bevölkerung von ihr als sinnvoll eingestufte Initiativen (z. B. Bildungsbegehren, "Genug bezahlt", usw.) unterstützt und die österreichische Mentalität, welche sich in einem Obrigkeitsdenken manifestiert und im Satz "Da kann man nichts machen" mündet, ablegt. Wenn Themen Emotionen auslösen, dann kann auch die Bevölkerung die Regierung in Schranken weisen, wie z. B. Zwentendorf oder Hainburg beweisen.

Bei der Bildung selbst handelt es sich um ein gesellschaftspolitisches Problem, weil ganz einfach Bildung als wünscheswertes Ziel in allen Gesellschaftsschichten verankert werden muß. Es ist auch die Aufgabe der Politik Begabten aus gesellschaftsferneren Schichten deren Startnachteile auszugleichen. Bildung ist Bring- und Holschuld und solange das Streben nach Wissen durch einen entsprechend interessanten Unterricht gefördert wird bzw. zusätzliche Impulse ausgelöst werden, wird die Durchdringungsrate von bildungsferneren Schichten niedrig bleiben, weil die soziale Umgebung einen wesentlichen Einfluß auf den Bildungsweg ausübt.

Nur die bildungsferneren Schichten erreichen zumeist ja gar nicht die Hochschulreife, weil die Förderung der Begabten dieser Bevölkerungsschicht schon wesentlich früher (so früh wie möglich) einsetzen müßte, wobei der Schultyp meines Erachtens irrelevant ist.
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