12. November 2007 09:27
ÖVP-Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky steht - wieder einmal - im
Rampenlicht. Doch wie so oft geht es auch diesmal um keine fachlichen Themen
aus ihrem umfangreichen Familien- und Gesundheitsressort. Die
Spitzenpolitikerin stellte am Montag ihr Kochbuch "Schweinsbraten &
Co. Die besten Rezepte vom Schwein" vor (€ 9,90 bei Hofer und im
Buchhandel).
"Nur weil ich mir eineinhalb Stunden Zeit genommen habe, um ein Buch
zu präsentieren, das einem karitativen Zweck zugute kommt, daran sehe ich
nichts Verwerfliches", meint Kdolsky.
Am Beginn ihrer Amtszeit sorgte sie mit ihrem offenen Umgang mit Kindern ("sind
lästig") und Genuss ("Ich rauche und esse Schweinsbraten")
für Aufsehen. Auch jetzt sagt sie voll Überzeugung, dass Schweinefleisch
nicht nur "höchst geschmackvoll", sondern "auch für den
figurbewussten Esser" geeignet sei.
"Rückfall zu Softthemen"
Politologe Peter
Filzmaier analysiert im Gespräch mit ÖSTERREICH: "Sie bleibt
damit am falschen Thema drauf. Das Problem ist ja nicht, dass sie den
Schweinsbraten einmal so und dann wieder anders thematisiert. Sie sollte
sich eher als Ärztin und bei den harten Fakten der Gesundheitspolitik
profilieren. Das Schweinsbraten-Buch ist ein Rückfall zu Softthemen, ein
grundsätzlicher Strategiefehler."
Ministerium als Baustelle
Themen zum Arbeiten hätte die
Ministerin mehr als genug. Immer wieder schwänzte sie TV-Diskussionen zu
Nichtraucherschutz oder Jugendwohlfahrt. Derzeit brisant ist die
Zweiklassenmedizin. Gesundheitsökonom Christian Köck empfahl Kdolsky in der
Diskussionssendung Im Zentrum: "Sie müssten eigentlich die Anwältin der
Bürger sein!"
Auch ihre Parteikollegin Ingrid Korosec, Gemeinderätin in Wien und
Initiatorin einer Kampagne gegen Missstände im Spitalswesen, sagt gegenüber
ÖSTERREICH: "Es gibt riesengroße Probleme, gerade bei
Augenoperationen und der Orthopädie mit Wartezeiten von einem Jahr und
länger. Wir haben hunderte konkrete Fälle dazu. Wer als Privatpatient zum
Primar geht, bekommt in wenigen Wochen den Termin. Wichtig wäre, die
Auslastung der teuren medizinischen Geräte zu erhöhen und nicht nur von 9
bis 13 Uhr zu operieren."
Kdolsky über ihre nähere Zukunft: "Ich will noch viele Themen
angehen und strotze nur so vor Energie. Aber jetzt freue ich mich einmal auf
die kommenden freien Weihnachtsfeiertage."
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Die offenen Baustellen der Ministerin
- Umbau des eigenen Büros
Kdolsky verliert mit 1. Jänner
ihren Sektionschef Winfried Pinggera und dessen Stellvertreter.
Nachfolger wird Innenministeriums-Personalchef Michael Kloibmüller,
Ex-Mitarbeiter von Kdolsky-Lebensgefährte Philipp Ita.
- Die Zweiklassenmedizin
Patienten und die
Antikorruptionsstelle "Transparency International" kritisieren
das "korrupte Spitalssystem", etwa Geldkuverts für Ärzte.
Kdolsky bleibt aber dabei: "Es gibt bei uns keine
Zweiklassenmedizin."
- Krankenkassen sind pleite
Heuer verschärft sich der
Schuldenstand der Krankenkassen von 167 auf 405 Millionen Euro. Wiens
GKK steht vorm Bankrott. Am Mittwoch müssen Gusenbauer und Molterer bei
den Verhandlungen vermitteln.
- Raucher qualmen weiter
Ende Oktober scheiterte Kdolsky mit
dem bereits angekündigten Nichtraucherschutzgesetz für
Gastronomiebetriebe. Ihre daraufhin angekündigte "Offensive"
mit Gütesiegeln für Lokale liegt weiter in den Schubladen.
- Schutz für Kinder und Jugend
Der tragische Fall des zu
Tode gequälten Luca soll nun laut Familienministerin Kdolsky
Auswirkungen auf das Jugendwohlfahrtsgesetz haben. Im ersten Halbjahr
2008 soll daran intensiv im Ministerium gefeilt werden.