01. Jänner 2010 21:30
Für die damalige Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (ÖVP) war es das
Vorbild schlechthin: Bereits am 1. Jänner 2006 hatte Spanien ein Tabakgesetz
eingeführt, das besonders den Kleinbetrieben erstaunlich viel Freiräume
ließ. Bars und Restaurants unter 100 Quadratmetern konnten selbst wählen, ob
sie ein Raucher- oder ein Nichtraucherbetrieb sein wollten. Nur größere
Läden mussten eigene Nichtraucherzonen einrichten, taten dies aber nur in
den seltensten Fällen. Für die Spanier selbst änderte sich im Alltag kaum
etwas, fast überall konnte ungestört gequalmt werden.
Jetzt kommt die totale Wende: Spaniens Gesundheitsministerin Trinidad
Jiménez will ab Mitte des Jahres das Rauchen in allen Bars und Gaststätten
ausnahmslos verbieten – und gesteht damit das Scheitern des für Österreich
so vorbildlichen Rauchergesetzes ein. Der Grund: Seit Einführung des
Gesetzes vor vier Jahren griffen nicht weniger Spanier über 16 Jahren zur
Zigarette, sondern sogar mehr: 31,5 Prozent rauchen regelmäßig, im Vergleich
zum 1. Jänner 2006 ist das ein Plus von 6,7 Prozent.
Initiative für Rauchverbot hat 38.000 Unterstützer
Auch
in Österreich mit ähnlich legerem Umgang spitzt sich die Situation immer
weiter zu, denn weder Raucher, Nichtraucherschützer, Wirte noch das
Gesundheitsministerium sind mit dem Status quo zufrieden.Auf der
Internetplattform Facebook hat sich sogar eine Gruppe formiert, die mit
einem Volksbegehren ein generelles Rauchverbot einführen will. In nur 14
Tagen schaffte es die Initiative auf mehr als 38.000 Mitglieder – Tendenz
weiter steigend.
Selbst Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) hat seine Zweifel am Gesetz.
Erst Mitte Dezember wurde mit einer Evaluation des Tabakgesetzes begonnen.
Nicht nur die österreichweite Anzeigenstatistik wird jetzt genau untersucht,
auch Gastronomen und Betroffene werden befragt. Im März sollen dann erste
Ergebnisse präsentiert werden. Eine völlige Überarbeitung des Gesetzes wird
im Gesundheitsministerium nicht ausgeschlossen.
Übergangsfrist wird nicht verlängert
Die Fronten
zwischen Politik und Gastronomie dürften bis dahin weiterhin verhärtet
bleiben. Gastronom Toni Mörwald wetterte nun: „Wir erwarten von der Politik
Wertschätzung und Unterstützung. Nicht in scharfer Kritik, sondern im Dialog
liegt der Weg der Zukunft.“
Noch bis 30. Juni läuft die Übergangsfrist für größere Betriebe mit nur
einem Gastraum für den Umbau. Sie wird, daran lässt Minister Stöger keinen
Zweifel, nicht verlängert. Die Wirte stecken in einem Dilemma: Die
Umbaukosten sind hoch und könnten hinausgeschmissenes Geld sein, wenn später
doch das totale Rauchverbot kommt.