01. März 2010 15:21
Der Lebensmittelskandal um Listeriose-verseuchten Käse hat den Auftakt der
Regierungsklausur in Graz dominiert. Vizekanzler Josef Pröll (V) berichtete
in der ersten Pressekonferenz, man habe sich von Gesundheitsminister Alois
Stöger (S) ausführlich erklären lassen, wie nun der Ablauf bei der
Aufdeckung des Skandals bzw. bei der Information der Bevölkerung verlaufen
sei - und die Ausführungen des Ressortchefs seien "glaubhaft"
gewesen.
Drei Monate als "kurze Zeit"
Stöger gab eine Stunde
danach selbst eine kurzfristig anberaumte Pressekonferenz, in der er seinen
Vortrag an die Regierung für die Medien wiederholte. Versäumnisse sah der
Gesundheitsminister nicht. Dass es vom ersten Bericht, wonach sich Listerien-Fälle
bei Patienten häuften, bis zur Entdeckung des dafür verantwortlichen
Produktes drei Monate gedauert hat, sieht er als "kurze Zeit".
Der Minister argumentiert dies damit, dass es zunächst schwierig gewesen
sei, jenes Lebensmittel zu eruieren, das für die gesundheitlichen Probleme
verantwortlich gewesen ist. Am 27. Oktober 2009 habe die AGES von den
Krankheitsfällen erfahren, am 23. November sei man dann vom ersten Todesfall
informiert worden.
Keine Verzögerung durch Weihnachtsferien
Versucht worden
sei nun, durch Lebensmittel-Einkaufslisten der Erkrankten eine Spur zum
kontaminierten Lebensmittel zu erhalten. Am 22. Dezember seien zwei Listen
eingetroffen, dann hat es allerdings bis 13. Jänner 2010 gedauert, bis klar
wurde, dass ein Käse der Verursacher sein dürfte. Am 15. Jänner sei man auf
den Quargel gestoßen. Dass es hier durch die Weihnachtsferien zu einer
Verzögerung bei der Aufdeckung gekommen sein könnte, wollte Stöger nicht
bestätigen.
Jedenfalls sei im betroffenen steirischen Unternehmen Prolactal die
Produktion und Auslieferung am 18./19. Jänner eingestellt worden. Am 20.
Jänner habe man eine Probe gehabt, die den Listerien-Verdacht in dem Quargel
der Firma bestätigt habe. Allerdings sei das kein rechtlich verbindlicher
Beleg gewesen, weshalb es noch bis zum 22. Jänner gedauert habe, bis die
Bevölkerung informiert worden sei. Am 23. Jänner sei das Produkt dann vom
Markt genommen worden.
Dass dieses Prozedere am Schluss der Aufklärungskette zu lange gedauert hat,
bestritt der Gesundheitsminister unter Verweis auf die rechtlichen
Rahmenbedingungen. Hier nun für die Zukunft Verbesserungen zu überlegen, sei
Auftrag der Regierung an ihn, erklärte Stöger.