18. September 2008 20:45
Das Chaos rund um die „frisierten“ Zahlen in der österreichischen
Kriminalstatistik nimmt kein Ende. ÖSTERREICH liegt ein Dokument vor, das
belegt, dass die Zahlen vom Bundeskriminalamt so nicht stimmen können. Vor
allem in Wien ist die Diskrepanz zwischen dem, was der Öffentlichkeit
präsentiert, und dem, was polizeiintern kommuniziert wird, extrem hoch.
Deutlich mehr Delikte
So wird offiziell behauptet, dass in Wien
die Kriminalität zurückgeht. Aus dem internen „Sicherheitsmonitor“ vom
Referat für strategische Kriminalanalyse wird jedoch ein Anstieg der
angezeigten Delikte ausgewiesen. Also: Das Bundeskriminalamt spricht von
123.396 angezeigten Delikten im Zeitraum Jänner bis Juli 2008, der
„Sicherheitsmonitor“ weist 132.622 Straftaten aus – 9.226 Delikte sind
irgendwo verloren gegangen.
In den Monaten Mai, Juni und Juli stieg allein in Wien die Zahl der Delikte
laut „Sicherheitsmonitor“ damit um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das
obwohl seitens der Polizei behauptet wurde, dass die Kriminalität in diesem
Zeitraum wegen der immensen Polizeipräsenz während der EURO stark
zurückgegangen sei. Damit nicht genug: „Die meisten Straftaten von Mai bis
Juli 2008 wurden im Bezirk Innere Stadt (15 Prozent) begangen“ – also dort,
wo die Fanzone und damit die meisten Menschen waren.
Auch im Burgenland ist die offizielle Zahl niedriger als aus den
polizeiinternen Arbeitsunterlagen hervorgeht. Inoffiziell wurden dort
nämlich bereits 2.578 Delikte gezählt, 74 mehr als offiziell ausgewiesen.
„Systematisch gefälscht“
Der Grüne
Sicherheitssprecher Peter Pilz ist überzeugt: „Die Statistik wird
systematisch verfälscht und zwar auf Wunsch der Ministerin.“ Denn eine
steigende Kriminalitätsrate würde bedeuten, dass das Innenministerium nicht
in der Lage sei, die Zahl der Verbrechen in Österreich einzudämmen.
Die ÖVP-Innenministerin Maria Fekter weist diese Vorwürfe von sich: „Wenn
behauptet wird, dass die Kriminalstatistik gefälscht ist, dann ist das ein
Angriff auf jeden einzelnen Polizisten.“ Es sei „schäbig, unsere Polizisten
in den Wahlkampf hineinzuziehen“, so die Ministerin auf die Vorwürfe.
Polizeigewerkschafter wiederum werfen Fekter vor, falsche Zahlen zu
veröffentlichen, um selber politisches Wahlkampf-Kleingeld daraus zu
schlagen.
Aufklärungsquote geschönt
Das Frisieren der
Kriminalitätsstatistik sei übrigens eine Praxis, die seit Jahren existiere.
Wie man etwa auf eine höhere Aufklärungsquote kommt, verrät ein Insider:
„Wenn ein Täter in einer Nacht in einer Garage fünf Autos aufbricht, wird
dies als ein Delikt verzeichnet.“ Um so ungeheuerlicher werde es, wenn
dieser Täter überführt worden ist: „Dann heißt es plötzlich, dass doch fünf
Straftaten aufgeklärt werden konnten.“
Der „Sicherheitsmonitor“ zeigt aber auch, dass in anderen Bundesländern
weniger Straftaten verübt werden, als aus der Kriminalstatistik hervorgehen.
Der Insider im ÖSTERREICH-Gespräch: „Eine Erklärung für diese Diskrepanzen
dieser beiden Statistiken habe ich nicht."