Mehr Verbrechen - aber wir dürfen’s nicht wissen

ÖSTERREICH deckt auf

© APA/EPA

Mehr Verbrechen - aber wir dürfen’s nicht wissen

Das Chaos rund um die „frisierten“ Zahlen in der österreichischen Kriminalstatistik nimmt kein Ende. ÖSTERREICH liegt ein Dokument vor, das belegt, dass die Zahlen vom Bundeskriminalamt so nicht stimmen können. Vor allem in Wien ist die Diskrepanz zwischen dem, was der Öffentlichkeit präsentiert, und dem, was polizeiintern kommuniziert wird, extrem hoch.

Deutlich mehr Delikte
So wird offiziell behauptet, dass in Wien die Kriminalität zurückgeht. Aus dem internen „Sicherheitsmonitor“ vom Referat für strategische Kriminalanalyse wird jedoch ein Anstieg der angezeigten Delikte ausgewiesen. Also: Das Bundeskriminalamt spricht von 123.396 angezeigten Delikten im Zeitraum Jänner bis Juli 2008, der „Sicherheitsmonitor“ weist 132.622 Straftaten aus – 9.226 Delikte sind irgendwo verloren gegangen.

In den Monaten Mai, Juni und Juli stieg allein in Wien die Zahl der Delikte laut „Sicherheitsmonitor“ damit um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das obwohl seitens der Polizei behauptet wurde, dass die Kriminalität in diesem Zeitraum wegen der immensen Polizeipräsenz während der EURO stark zurückgegangen sei. Damit nicht genug: „Die meisten Straftaten von Mai bis Juli 2008 wurden im Bezirk Innere Stadt (15 Prozent) begangen“ – also dort, wo die Fanzone und damit die meisten Menschen waren.

Auch im Burgenland ist die offizielle Zahl niedriger als aus den polizeiinternen Arbeitsunterlagen hervorgeht. Inoffiziell wurden dort nämlich bereits 2.578 Delikte gezählt, 74 mehr als offiziell ausgewiesen.

„Systematisch gefälscht“
Der Grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz ist überzeugt: „Die Statistik wird systematisch verfälscht und zwar auf Wunsch der Ministerin.“ Denn eine steigende Kriminalitätsrate würde bedeuten, dass das Innenministerium nicht in der Lage sei, die Zahl der Verbrechen in Österreich einzudämmen.

Die ÖVP-Innenministerin Maria Fekter weist diese Vorwürfe von sich: „Wenn behauptet wird, dass die Kriminalstatistik gefälscht ist, dann ist das ein Angriff auf jeden einzelnen Polizisten.“ Es sei „schäbig, unsere Polizisten in den Wahlkampf hineinzuziehen“, so die Ministerin auf die Vorwürfe.

Polizeigewerkschafter wiederum werfen Fekter vor, falsche Zahlen zu veröffentlichen, um selber politisches Wahlkampf-Kleingeld daraus zu schlagen.

Aufklärungsquote geschönt
Das Frisieren der Kriminalitätsstatistik sei übrigens eine Praxis, die seit Jahren existiere. Wie man etwa auf eine höhere Aufklärungsquote kommt, verrät ein Insider: „Wenn ein Täter in einer Nacht in einer Garage fünf Autos aufbricht, wird dies als ein Delikt verzeichnet.“ Um so ungeheuerlicher werde es, wenn dieser Täter überführt worden ist: „Dann heißt es plötzlich, dass doch fünf Straftaten aufgeklärt werden konnten.“

Der „Sicherheitsmonitor“ zeigt aber auch, dass in anderen Bundesländern weniger Straftaten verübt werden, als aus der Kriminalstatistik hervorgehen. Der Insider im ÖSTERREICH-Gespräch: „Eine Erklärung für diese Diskrepanzen dieser beiden Statistiken habe ich nicht."

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