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Millionenklage gegen Schülerunion

PISA-Boykott

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Millionenklage gegen Schülerunion

PISA-Chef Günter Haider droht der ÖVP-nahen Schülerunion jetzt mit einer Klage über eine Million Euro (so viel kostet die Studie) – wenn die Schülervertreter bis Donnerstag 17 Uhr nicht damit aufhören, zu einem Boykott der Tests aufzurufen. Haider ist Leiter des Instituts BIFIE, das mit der Durchführung der Studie beauftragt wurde und dem Bildungsministerium untersteht.

"Eine Farce"
Im Gespräch mit OE24.at zeigt sich Bundesschulsprecher Nico Marchetti (Schülerunion) kampfeslustig. Für ihn sei es „eine Farce“ wenn die die Ministerin zu Verhandlungen aufruft, und zur gleichen Zeit hinter dem Rücken der Schülerunion „wie wild“ mit Klagen um sich wirft. Den Grund für die Klagsdrohung sieht der Bundesschulsprecher darin, dass das BIFIE nervös wird, weil der Aufruf zum PISA-Boykott bislang sehr erfolgreich verläuft.

Gespräch am Donnerstag
Marchetti hofft nun auf ein Gespräch mit Ministerin Schmied am Donnerstag. Für zehn Uhr ist ein Termin im Büro der Ministerin angesetzt, bei dem sie einiges „zu erklären“ habe.

Mehr Streik-Teilnehmer am Freitag?
Die Schülerunion sieht sich jedenfalls in ihrer Linie bezüglich des PISA-Boykotts und dem Streik bestätigt. Durch die Klagsdrohung seien unzählige positive Rückmeldungen anderer Schülervertretungen in ihrem Büro eingelangt. Für den Streik der Schüler am Freitag, werden nun noch mehr Teilnehmer erwartet.

PISA-Sprecher Robert Allmer über den geplanten Boykott der Studie.

ÖSTERREICH: Wissen Sie, wie viele Schüler den Test schon boykottiert haben?
Robert Allmer: Die PISA-Tests laufen gut, aber nicht ganz problemlos. An den ersten beiden Tagen wurden die Tests an 39 von 48 Schulen erfolgreich durchgeführt.

ÖSTERREICH: Wie viele Schüler müssten den Test boykottieren, damit Österreich aus dem internationalen Ländervergleich rausfällt?
Allmer: 80 Prozent der Schüler müssen den Test erfolgreich absolvieren und 85 Prozent der teilnehmenden Schulen. Also müssten rund 1.500 Schüler den Test boykottieren.

ÖSTERREICH: Wird der Test gewertet, wenn die Schüler nur eine Frage ausfüllen?
Allmer: Ja, sobald eine Frage ausgefüllt ist, wird der Test gewertet. Unbrauchbar ist er nur, wenn der Schüler gar nichts ausfüllt.

Schmied "akzeptiert" Klage
Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) "akzeptiert" die Vorgangsweise des BIFIE, verneint jedoch, dass der Brief auf ihre Weisung hin verschickt wurde. Gleichzeitig rief sie die beiden Streitparteien dazu auf, einen Konflikt zu vermeiden und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Von der Klagsdrohung des BIFIE sei das Ministerium erst kurz davor verständigt worden.

So läuft der Boykott
Hintergrund der Drohung: Dem österreichischen Bildungssystem droht eine Riesen-Blamage, wenn die internationale Studie scheitert. Schon vor der Abschaffung der schulautonomen Tage hatte die Schülerunion zum Boykott des Tests aufgerufen. Jetzt kommt dazu noch die Wut über die gestrichenen freien Tage.

Der Test läuft seit 15. April, alleine an den ersten beiden Tagen wurden die Tests an neun Schulen von 315 Schülern nicht ausgefüllt. Hält der Trend, würden bis Ende der Tests am 20. Mai hochgerechnet knapp 1.500 Schüler die Bögen nicht ausfüllen. Brisant: Bei über 1.500 ungültigen Tests ist die PISA-Studie gescheitert.

Schülerstreik am Freitag
Wegen der Kürzung der schulautonomen Tage hat die Bundesschülervertretung für Freitag einen Streik ausgerufen. Unter anderem werden die Schüler mittels Ketten-SMS aufgerufen, am Freitag "nicht in die Schule zu kommen".

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