Iran-Krise

"Neda" wird Symbol des Widerstandes

Das Video, das seit Samstag im Internet kursiert, hat viele Menschen im Iran schockiert. Laut Augenzeugen war eine junge Frau namens Neda mit ihrem Vater unterwegs, um die Proteste zu beobachten. Sie wurde von einem Heckenschützen - vermutlich einem Mitglied der Basiji-Milizen - mit einem gezielten Schuss ins Herz getötet. Neda ist nun das "offizielle" Gesicht der Protestbewegung. Auch deshalb, weil "Neda" übersetzt "Stimme" bedeutet.

Laut einem Arzt, der sie zu retten versuchte, war die junge Frau innerhalb von zwei Minuten tot. Es war keinerlei Polizei zu sehen. Der Arzt war es auch, der das Video im Internet hochlud. Derart wurde "Neda" zur Symbolfigur. Es wurden bereits Bilder mit ihrem blutüberströmten Gesicht in den Händen der Demonstranten gesehen.

Die Protestbewegung im Iran organisiert sich weitgehend über Internet und Mobiltelefon. Allerdings versuchen die Machthaber rund um Präsident Mahmoud Ahmadinejad auch hier zu intervenieren. Augenzeugen berichten, dass immer am Nachmittag, also zur klassischen Demo-Zeit, weder Festnetz- noch Mobiltelefone in Teheran funktionieren. Die Sat-TV-Anlagen, die im Iran eigentlich verboten, aber trotzdem auf jedem Dach montiert sind, funktionieren seit einer Woche nicht mehr. Sie werden ganz offensichtlich von der Regierung gezielt gestört.

Ausgangssperre missachtet
Vergangene Nacht waren im gesamten Stadtgebiet von Teheran ohrenbetäubende "Allah-u-Akbar"-Rufen zu hören. Viele Menschen waren dazu auf die Dächer ihrer Häuser gestiegen. Ein Akt voller Symbolkraft. Schon bei der Islamischen Revolution zur Absetzung von Schah Mohammad Reza Pahlavi 1979 hatten die Menschen auf diese Weise gegen das damals verhängte Ausgangsverbot protestiert.

Die Revolution führte letztlich zur Beendigung der Monarchie im Iran. Symbolfigur und später Revolutionsführer war Ayatollah Ruhollah Khomeini, der in der Revolution sein Staatskonzept durchsetzte und neues Staatsoberhaupt wurde. Nunmehr sollen die nächtliche Rufe als Warnung gelten, dass sich die Menschen nicht so leicht zum Schweigen lassen bringen werden.

13 Tote
Bei den Unruhen in der iranischen Hauptstadt Teheran zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten sind nach einem Bericht des staatlichen Fernsehens am Samstag 13 Menschen ums Leben gekommen. Aus den Spitälern wurde am Sonntag bereits von 19 Toten berichtet. Die Studentenorganisation ISSM (Iranian Students Solidarity Movement) setzte die Zahl der Todesopfer landesweit in einer Aussendung mit über 300 an. Allein in Teheran habe es 23 Tote gegeben.

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