ORF-Chefwahl löst Politkrieg aus

Schlamm-Schlacht um ORF

ORF-Chefwahl löst Politkrieg aus

Der neu gewählte Radiodirektor Karl Amon wirkte sichtlich zufrieden. 23 ORF-Stiftungsräte haben ihn gestern in einer hitzigen ORF-Sitzung zum neuen Radiodirektor gemacht. Nur die zwei blauen Stiftungsräte und zehn der zwölf ÖVP-Räte votierten gegen ihn.

In der Koalition ist nun ein offener Krieg um den ORF ausgebrochen. Immerhin stimmte gestern eine rot-grün-orange Allianz für den bisherigen TV-Chefredakteur – und die SPÖ damit gegen den Koalitionspartner ÖVP. „Das ist eine offene Kriegserklärung gegen uns“, giftete gleich ein ÖVP-Mann. Die ÖVP hatte bis zuletzt versucht, die Wahl Amons zu verhindern. Die Sitzung zog sich deswegen auch fünf Stunden lang hin.

Die ÖVP will nun zumindest bei der Auswahl des Amon-Nachfolgers als Chefredakteur ein Wörtchen mitreden. Der Kampf um diesen begehrten Posten hat freilich längst begonnen. ZiB2-Star Armin Wolf hat – wie berichtet – angekündigt, dass er als Chefredakteur antreten will. Sein Problem: Er ist tatsächlich ein unabhängiger Kandidat. Und: Rote, Grüne und Orange hatten am Tag vor dem Stiftungsrat bereits stundenlang um die „Bedingungen“ für die Wahl Amons gerungen. Heißt: Im Hintergrund wurden die Jobs längst ausgeschnapst.

Das rot-grün-orange Personalpaket
Offenbar – berichten zumindest gleich drei verschiedene Quellen – wurde ein bemerkenswertes Personalpaket geschnürt:

  • Demnach soll der bisherige Vize-Innenpolitikressortleiter des ORF, Fritz Dittelbacher, neuer Chefredakteur werden.
  • Der derzeitige Innenpolitikchef Hans Bürger soll Vize-Chefredakteur werden.
  • Und was ist mit Info-Direktor Elmar Oberhauser? Der bullige Vorarlberger hat ja formal eigentlich die Entscheidungen über die Führungsposten zu treffen – und ORF-intern bislang beide Herren „kategorisch abgelehnt“, erzählen ORF-Spitzenleute. Oberhauser soll nun mit der fixen Zusage eingekocht werden, dass er auch nach der ORF-Generaldirektorenwahl 2011 Informationsdirektor bleiben kann. Pech nur: Er lehnte gestern den Deal ab, will weiter gegen die Bestellung Dittelbachers kämpfen. 
  • Mit Oberhauser steht und fällt aber das weitere Job-Rodeo. Denn in einem Aufwaschen wurde hinter den Kulissen auch der ORF-General ab 2011 paktiert – es ist der neu bestellte ORF-Radiodirektor Amon –, mit den Stimmen von SPÖ, Grünen und BZÖ. Pikant: ORF-General Wrabetz hatte Amon gestern massiv unterstützt.

Amon dementiert Nachfolge-Gelüste: „Radio ist mein Traumjob.“ Auch in der SPÖ versichert man, dass „man nicht vorhabe, Wrabetz fallen zu lassen“. Der Generaldirektor stand allerdings bereits 2009 auf der Abschussliste. Und: Bis zur Generalintendanten-Wahl ist es ja noch fast ein ganzes Jahr ..

Autor: Isabelle Daniel
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