19. Februar 2010 09:12
Stefan Petzners
Klage gegen David Schalko ist grandios gescheitert. Nach nicht einmal
einer halben Stunde hat die Richterin das Ansinnen von Petzner abgewiesen. "Das
Buch liest sich wie ein Märchen", so die Vorsitzende in einem
ersten Statement. Die Freiheit der Kunst wiegt einfach höher als eine
vermeintliche "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs".
Eine Frage der Kosten
Recht aufgebracht zeigte sich der "Lebensmensch"
von Jörg Haider nach der Urteilsverkündung. Noch vor dem
Gerichtssaal attackierte Petzner Schalko und warf ihm vor auf "seine
Kosten Profit" zu machen. Auch die Kosten des Verfahrens muss nach
momentanem Stand Petzner alleinig übernehmen. Sein Anwalt hat jedoch schon
Berufung gegen das Urteil angekündigt.
Keiner werde mehr in die Politik gehen, "wenn Politiker heute Freiwild
sind", prophezeite der BZÖ-Generalsekretär. Die abschließende "Wortspende"
galt dann einmal mehr dem Autor des inkriminierten Bandes. "Herr
Schalko sollte sich schämen, für das, was er aufführt",
rief er diesem zu.
Petzner und seine Würde
Der Fall sorgte für einiges
Aufsehen. Zahlreiche Journalisten fanden sich Freitagfrüh im Saal 304 des
Wiener Straflandesgerichts wieder, die Hoffnung auf pikante Details keimte
auf. Der BZÖ-Mann fühlte sich durch die Erzählung "Weiße
Nacht" beleidigt und verklagte den Czernin-Verlag in dem das Buch
erschienen ist. Petzner sieht durch die Geschichte um ein
männerbündlerisch-erotisches Verhältnis zwischen einem politischen Führer
und seinem Zögling seine Würde verletzt.
"Petzners gibt es überall"
Der Autor sieht das
naturgemäß anders. In der "Welt am Sonntag" beschreibt
Schalko sein Werk als "eine moderne Jesus-Christus-Geschichte. Und im
Mittelpunkt steht so jemand wie Stefan Petzner. Die Petzners gibt es überall
- in den politischen Parteien, in der Wirtschaft und auch auf den Rückbänken
großer Limousinen." Vor dem Prozess erklärte Schalko, der auch als
erfolgreicher TV-Produzent tätig ist (u.a. "Sendung ohne Namen, "Dorfers
Donnerstalk"), dass es zwar "Anlehnungen zwischen Petzner und
Thomas (Anm.: Hauptfigur im Buch "Weiße Nacht") gibt.
Aber es ist keine Biografie oder ein Enthüllungsbuch.""
Ausschluss der Öffentlichkeit
Während der beschuldigte
Autor Schalko pünktlich vor Gericht erschien, ließ der orange
Nationalratsabgeordnete sein publikum einige Zeit warten. Doch mit seinem
Erscheinen mussten die anwesenden Beobachter den Saal verlassen. Die
Richterin gab Petzners Wunsch nach Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Ihrer Meinung nach gehe es hauptsächlich um die "Wiedergabe
sexueller Handlungen" weswegen Petzner als Betroffener das Recht auf
Schutz genießen würde. Alfred Noll, der Anwalt Schalkos, sah in dieser
Vorgehensweise eine Beeinflussung der Öffentlichkeit und witterte einen
Skandal. Doch der befürchtete "schwere Schlag gegen die
Kunstfreiheit und die Freiheit der politischen Satire" blieb aus.