25. Februar 2010 12:35
Peter Pilz verschärft die Attacken gegen Verteidigungsminister Norbert
Darabos (S): Der Grüne Sicherheitssprecher wirft dem Ressortchef die
Vertuschung von möglichen Korruptionsaffären rund um die
Eurofighter-Beschaffung vor. "Entweder der Herr Verteidigungsminister
ist blind und taub oder er hat bereits die Seite gewechselt und sich aktiv
an der Vertuschung beteiligt", stellte Pilz am Donnerstag in den Raum - "meines
Wissens ist er nicht blind und taub". Belege für seine Vorwürfe legte
Pilz nicht vor.
"Wohin ist das Geld geflossen?"
Pilz will Hinweise auf
rund 75 Mio. Euro "an dubiosen Zahlungen" aus dem Bereich EADS und
BAE im Zusammenhang mit der österreichischen Eurofighter-Beschaffung haben. "Jetzt
muss endlich geklärt werden: Wohin ist das Geld geflossen?" Der
Grüne vermutet entweder Beamte im Verteidigungsministerium und
Finanzministerium, oder eben "Politiker". Darabos weigere sich,
diese Hinweise zur Kenntnis zu nehmen, so Pilz und weiter: "Da nicht
davon auszugehen ist, dass dem Minister die Hinweise auf
Eurofighter-Korruption und die beiden Strafverfahren, die von Staatsanwälten
in diesem Zusammenhang geführt werden, unbekannt sind, muss er Gründe haben,
sich jetzt an der Vertuschung zu beteiligen."
Ein Verdacht gegen Darabos stellt sich für Pilz auch aufgrund dessen
Eintretens für die Eurofighter. Laut dem Grünen sind die Abfangjäger nach
wie vor nicht einsatzbereit, erst in den vergangenen Tagen habe der "Klarstand"
- die Zahl der einsatzbereiten Flugzeuge - bei einer Übung nur lediglich
zwei betragen. Auch Probleme mit den Höhenmessern gebe es, so Pilz, weswegen
eben erst Vermessungsflüge durch die deutsche Luftwaffe hätten durchgeführt
werden müssen. Pilz: "Die österreichische Luftwaffe fliegt mit 15
hochproblematischen Versuchskaninchen."
Korruption einzige Erklärung
"Was ist da los? Warum
wollte der Herr Verteidigungsminister unbedingt dieses System kaufen?",
will Pilz nun abermals die Beschaffungsvorgänge durchleuchten, bestenfalls
mit einem weiteren Untersuchungsausschuss. Denn: "Die einzige Erklärung
für den Eurofighter-Kauf ist Korruption." Im Visier würden dabei
ÖVP, FPÖ und SPÖ stehen. Auch beim nationalen Sicherheitsrat, der kommende
Woche tagen soll, werde das Thema auf der Tagesordnung stehen, hofft Pilz,
zumindest hat er Bundeskanzler Werner Faymann (S) darum ersucht.
"Pilz disqualifiziert sich von selbst"
Keinen
Kommentar gab es von Darabos auf die Anschuldigen von Pilz. Der Grüne stelle
Dinge in den Raum, die sich von selbst disqualifizieren, sagte ein Sprecher
des Ministeriums am Donnerstag. SPÖ-Wehrsprecher Stefan Prähauser nahm
gegenüber seinen Minister die Verteidigungsposition ein. Dieser stehe im
Gegensatz zu Pilz "voll hinter dem österreichischen Bundesheer".
Die Flieger "erfüllen ihre Aufgabe der Luftraumüberwachung voll und ganz",
so Prähauser weiter. Der rote Abgeordnete vermutet, dass es Pilz nur um die
Abschaffung des österreichischen Bundesheeres geht. "Dafür
erfindet er einen angeblichen Skandal nach dem anderen."
"Österreich braucht kein klassisches Heer"
Pilz
forderte im Zusammenhang mit den Rüstungsgeschäften auch erneut ein
generelles Überdenken der Landesverteidigung. "Ein klassisches
Heer braucht in Österreich niemand mehr", so der Grüne, der
entweder dessen Abschaffung oder eine zweite, "radikalere" Reform
verlangt. Dabei gehe es um die Abschaffung der gepanzerten Einheiten, die
der Wehrpflicht und die Rückgabe der Eurofighter. Künftig sollten sich nur
mehr kleinere Einheiten um Friedenseinsätze kümmern. Den Katastrophenschutz
sieht Pilz in den Händen freiwilliger Organisationen, nahe etwa der Rettung.
Darabos droht mit Klage
Darabos will sich die Verdächtigungen von
Pilz, er vertusche mögliche Korruptionsaffären rund um die
Eurofighter-Beschaffung, nicht gefallen lassen. "Ich fordere eine
Entschuldigung und eine Ehrenerklärung von Herrn Pilz, sonst werde ich
rechtliche Schritte gegen ihn in die Wege leiten", reagierte Darabos am
Donnerstag via Aussendung. Die Äußerungen seien "verlogen und letztklassig".
"Pilz stellt Behauptungen in den Raum und glaubt, sich hinter seiner
parlamentarischen Immunität verstecken zu können", so Darabos. Der grüne
Abgeordnete habe "eine Grenze überschritten und den Boden der normalen,
zivilisierten, parlamentarischen Auseinandersetzung verlassen". "Ich lasse
mich nicht in die Nähe von Korruption rücken", betonte der
Verteidigungsminister, "ich habe jeglichen Respekt vor Pilz verloren".
Der Verteidigungsminister unterstrich, dass er "der Erste gewesen ist, der
sich öffentlich für eine lückenlose Aufklärung der Causa Mensdorff-Pouilly"
stark gemacht habe. Sein Ministerium habe uneingeschränkt mit der
Staatsanwaltschaft kooperiert, um zur Aufklärung des Falles beizutragen. Es
sei "schmutziges politisches Kalkül" von Pilz, die Diskussion in diese
Richtung zu lenken". "Wenn mir etwas wichtig ist, dann die Wahrung meiner
persönlichen Integrität. Ich werde mir so etwas nicht mehr gefallen lassen",
so Darabos.