28. Juni 2009 22:46
© Michele Pauty/TZ ÖSTERREICH
Ganz Kärnten hat derzeit nur ein Thema: Das Interview von Stefan Petzner in
der Sonntags-Ausgabe von ÖSTERREICH. Schon in den Morgenstunden war
ÖSTERREICH in vielen Kärntner Orten vergriffen. Bis Mittag besuchten mehr
als 100.000 User die Petzner-Sites im Internet. Und zu Mittag stellte sich
auch Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler hinter Petzners Aussagen in
ÖSTERREICH. Auch Dörfler fordert jetzt: „Der Tod Jörg Haiders muss neu
untersucht werden!“
Petzner hält Polit-Attentat für „möglich“
Petzner
hatte gestern in ÖSTERREICH erstmals über die Hintergründe des Haider-Todes
gesprochen. Der Vertraute sagt, Haider hätte in den Tagen vor seinem Tod
zahlreiche brisante Insider-Informationen über die Finanzkrise und
Bankenspekulationen erhalten – er sei außerdem mit H. C. Strache über eine
ÖVP-FPÖ-BZÖ-Koalition in Geheimgesprächen gewesen.
Im Detail schilderte Petzner die Widersprüche rund um den Unfall: Die
unterschiedlichen Gutachten zur Alkoholisierung, die nicht erfolgte
Befragung der Unfallzeugin, die fehlenden Ermittlungen zum Unfall.
Bandion soll neue Ermittlungen starten
Der BZÖ-Abgeordnete erhebt
schwere Vorwürfe gegen den SPÖ-nahen Kärntner Staatsanwalt Gottfried Kranz.
Petzner wirft Kranz vor, die Ermittlungen manipuliert und nicht seriös
durchgeführt zu haben. Petzner fordert nun von der Justizministerin neue
Ermittlungen – und wird darin von der gesamten Kärntner Polit-Spitze
unterstützt.
Hier der zweite Teil des Interviews:
ÖSTERREICH: Sie fordern, dass der Tod von Haider neu untersucht wird. Hat
die Justiz versagt?
Stefan Petzner: Ich halte die Ermittlungen zum Tod von Jörg Haider
für einen Justiz-Skandal. Das begann damit, dass in dieser hochbrisanten
Causa am Mittwoch nach dem Unfall der vertrauliche, interne
Obduktionsbericht von den Ermittlungsbehörden an ein Medium weitergegeben
und dort als Faksimile abgedruckt wurde. Wie kann so etwas in einem
Rechtsstaat passieren und wer ist dafür verantwortlich? Ich sage: Man hat
seitens der staatlichen Behörden von Beginn an ganz bewusst eine Theorie in
Richtung Unfall unter Alkoholeinfluss in die Welt setzen wollen.
ÖSTERREICH: Warum?
Stefan Petzner: Die Veröffentlichung der sogenannten
Ermittlungs-Ergebnisse hatte von Beginn an einen politischen Hintergrund.
Man muss dazu wissen, dass die Ermittlungen vom Klagenfurter Staatsanwalt
Gottfried Kranz geleitet wurden. Das ist ein SPÖ-Mann, ein Freimaurer, der
zeit seines Lebens mit Jörg Haider im Clinch gelegen ist, der ihn gehasst
hat. Und der ihn politisch verfolgt hat wie keinen anderen – von der
Ortstafel-Frage bis zum Amtsenthebungs-Verfahren.
ÖSTERREICH: Sie behaupten, der Staatsanwalt hat die Ermittlungen aus
politischen Motiven manipuliert.
Stefan Petzner: Ja, denn Faktum ist, dass das Gutachten seitens der
Behörden veröffentlicht wurde. Das darf in einem Rechtsstaat einfach nicht
passieren. Man wollte wohl die These streuen: „Der war schwer
alkoholisiert“. Es wurde aber seitens der Behörden nie hinterfragt, wie das
damit zusammenpasst, dass Haider gar keinen Alkohol im Magen hatte. Ich habe
dann erfahren, dass Staatsanwalt Kranz am nächsten Tag öffentlich
bekanntgeben will, wo Haider laut Ermittlungen vor seinem Tod gewesen sein
soll. Damit wollte er ganz gezielt weitere Gerüchte gegen Haider in die Welt
setzen und Spekulationen anheizen.
ÖSTERREICH: Dass Haider im „Stadtkrämer“ war.
Stefan Petzner: Ich habe damals aus höchsten Kreisen erfahren, dass
Staatsanwalt Kranz Informationen der Behörden, wo Haider angeblich seine
letzten Stunden verbracht hat, öffentlich bekanntgeben will. Ich habe dann
um Mitternacht den Staatsanwalt nach vielen vergeblichen Versuchen ans
Telefon bekommen – und er hat mir bestätigt, dass er diese ungeprüften und
unbestätigten Informationen am nächsten Tag via ORF veröffentlichen will.
Ich habe ihn aufgefordert, das zu unterlassen, weil es unrechtmäßig und
unverantwortlich ist. Er hat nur gesagt: „Das ist mir völlig egal! Ich bin
es seit Jahren gewohnt gewesen, von Dr. Haider und Ihnen verfolgt zu werden.
“ Ich habe ihm gesagt, dass das Konsequenzen haben wird. Da hat er gebrüllt:
„Das halte ich auch noch aus!“
ÖSTERREICH: Das empört Sie?
Stefan Petzner: Ein Staatsanwalt, der sich so verhält, ist untragbar
und kann nicht mehr als unabhängig bezeichnet werden. Ich sage deshalb: Der
Staatsanwalt Kranz war im Fall Haider befangen. Er hat ungesicherte
Informationen veröffentlicht, um Jörg Haider in ein schlechtes Licht zu
rücken und um eine ganz bestimmte Unfallversion zu verbreiten. Die Frage
ist: Warum und in wessen Auftrag? Der Staatsanwalt hat zudem – absichtlich
oder nicht – schwere Ermittlungsfehler gemacht. Er hat die wichtigsten
Zeugen – unter anderem die Unfallzeugin – nicht ausreichend befragt, er ist
dem Widerspruch der Alkohol-Gutachten nicht auf die Spur gegangen. Er hat
die Ermittlungen in einer ungelösten Causa gestoppt.
ÖSTERREICH: Was fordern Sie?
Stefan Petzner: Ich fordere, dass Justizministerin Bandion-Ortner zum
Tod von Jörg Haider neue Ermittlungen beauftragt. Der Tod Jörg Haiders
gehört neu untersucht. Es müssen neutrale, unabhängige Richter und Experten
die Fakten in dieser Causa neu prüfen.
ÖSTERREICH: Glauben Sie noch an einen Unfall?
Stefan Petzner: Es sind zu viele Fragen offen. Klar ist: Die
Staatsanwaltschaft war befangen, so wie dargestellt kann dieser Unfall nicht
abgelaufen sein. Ich will daher, dass die Fakten neu geprüft werden.