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ÖSTERREICH-Interview

 

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Pröll: "SPÖ ist an die Wand gefahren"

Josef Pröll atmete Sonntagabend sichtlich auf: Seine Partei hatte entgegen allen Erwartungen und Wetten weit weniger verloren als prognostiziert: „nur“ 2,2 Prozent. Mit 34,2 Prozent hat Burgenlands VP-Chef Franz Steindl zwar das historisch schlechteste Ergebnis eingefahren, trotzdem aber das Beste aus dem verpatzten Wahlkampf machen können.

Immerhin hatte sich die ÖVP nach dem Debakel um das geplante Asyl-Erstaufnahmezentrum in Eberau fast selbst aufgegeben. Und die ÖVP-Strategen um Parteichef Pröll hatten ab heute bereits mit dem Schlimmsten gerechnet:

Pröll verschärft Gangart
Nämlich, dass sich die VP-Landeshauptleute gegen Vizekanzler Josef Prölls Sparkurs stellen würden. Jetzt ist Pröll in seiner Partei einmal mehr gestärkt, wie der VP-Finanzminister im ÖSTERREICH-Gespräch auch unumwunden zugibt. Und auch seinen rigiden Sparkurs will Pröll nun erst recht fortsetzen.

Der Vizekanzler wird freilich auch die Gangart gegen Koalitionspartner SPÖ verschärfen. Ab jetzt geht es für Pröll immerhin hauptsächlich um die nächste Landtagswahl. Im Herbst möchte die ÖVP die Steiermark wieder „drehen“ und den roten Landeshauptmann Franz Voves vom Thron stürzen.

Bis dahin sind damit noch schärfere Koalitionszwistigkeiten – wie zuletzt bereits um die ÖBB - programmiert ...

ÖSTERREICH: Der ÖVP wurde im Burgenland ein Total-Absturz prognostiziert. Sind Sie nun erleichtert, dass Ihre Partei „nur“ rund zwei Prozentpunkte verloren hat?

Josef Pröll: Uns wurde ja ein Erdrutschverlust prognostiziert. In diesem Sinne haben wir ein absolut respektables Ergebnis im Burgenland erreicht. Noch am Samstag hätte niemand vermutet, dass Franz Steindl das Ergebnis vom letzten Mal fast halten kann. Das ist am Beginn eines wichtigen Wahljahres ein ermutigendes Signal.

ÖSTERREICH: Fühlen Sie sich im Kurs der ÖVP bestärkt? Immerhin hatten Sie der SPÖ mit Eberau und Grenzschutzdebatte ja zwei Elfmeter aufgelegt gehabt, oder? Oder war dem doch nicht so?

Pröll: Die ÖVP hat überhaupt keinen Grund, ihren Kurs zu ändern. Franz Steindl hat sich wacker geschlagen und dem Populismus mancher Roter entgegengestemmt. Die SPÖ hat ein kräftiges Minus, weil die Menschen viel intelligenter sind als manche in der SPÖ glauben. Wir werden niemals so einen Kurs wie die SPÖ mit Eberau oder Grenzschutz fahren. Und wo hat es die SPÖ hingeführt? Sie sind an die Wand gefahren.

ÖSTERREICH: Das Klima in der Koalition ist rauer. Beim SPÖ-Parteitag hat Faymann Ihnen wegen der Mindestsicherung gedroht.

Pröll: Er braucht niemanden zu drohen. Ich will gemeinsame Lösungen. Aber ich brauche auch nicht wegen Parteitagen und Landtagswahlen nervös werden.

ÖSTERREICH: Werden Sie Ihren rigiden Sparkurs fortsetzen?

Pröll: Absolut, auch angesichts der internationalen Ereignisse. Die Menschen wollen, dass ihnen jemand die Linie vorgibt und die Wahrheit sagt.

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