12. März 2010 17:23
Ein Jahr lang hatte er – aus taktischen Gründen – jede einnahmenseitige
Maßnahme zur Budgetsanierung abgelehnt. Um dann plötzlich neue Steuern um
1,7 Milliarden Euro zu verkünden. Im ÖSTERREICH-Interview erklärt
Finanzminister Josef Pröll, warum er so vorgehen musste – und was er jetzt
als Gegen-Offensive plant: Hätte der VP-Chef sofort neuen Steuern
zugestimmt, wäre der Spardruck weg gewesen – und die Steuern wären noch mehr
gestiegen.
Hätte er freilich nicht im letzten Moment ja zu neuen Steuern gesagt, hätte
er jegliche Konjunkturerholung abgewürgt und das Land „totgespart“. Die
Situation war seit Monaten dramatisch, wie Pröll betont: „Hätte man
zugewartet, wäre man – siehe Griechenland – sehr bald in eine ausweglose
Situation gekommen.“
Prölls Gegenschlag: Jetzt kommen die Öko-Steuern
Es wäre nicht Josef Pröll, würde er sich jetzt ohne Gegenwehr gefallen
lassen, als „Steuerlügner“ hingestellt zu werden – und von der SPÖ als
einer, der die Reichen schonen und die Massen belasten will. Deshalb gibt es
jetzt einige neue Botschaften Prölls:
- Die Mehrwertsteuer und andere Massensteuern werden nicht erhöht.
- Dazu ist Pröll skeptisch, was die simple Erhöhung der Mineralölsteuer
um 10 Cent pro Liter brächte – seine Alternative:
- Ein System von Öko-Steuern etwa mit CO2-Abgaben, die „ökologische
Lenkungseffekte“ bringen.
- Dafür ist Pröll bereit, sich auch mit der eigenen Klientel
anzulegen: Im Finanzressort wird etwa eine Wiedereinführung der
1995 gestrichenen Pestizidsteuer durchgerechnet.
ÖSTERREICH: Die Kritik an Ihrem Sparkurs wird immer lauter. Ist Ihr Weg
da trotzdem richtig?
Josef Pröll: Mir war vollkommen klar, dass so ein umfassendes
Sparkonzept zu Kontroversen führen wird. Aber eines ist auch klar: Es ist
alternativlos.
ÖSTERREICH: Wenn Sie jetzt nicht sparen würden ...
Pröll: ... dann bekommt man richtige Probleme. Wer zu lange
wartet – siehe Griechenland – schlittert in eine dramatische Situation. Das
wollte und musste ich verhindern.
ÖSTERREICH: Ja, aber Sie hatten ursprünglich erklärt, es werde keine
Steuererhöhungen geben. Jetzt wird Ihnen die „Steuerlüge“ vorgeworfen.
Pröll: Natürlich wäre mir ein stärker ausgabenseitiges Sparen
lieber gewesen. Jetzt haben wir 60 Prozent ausgabenseitiges und 40 Prozent
einnahmenseitiges Sparen. Wenn wir noch stärker ausgabenseitig sparen
würden, würden wir uns totsparen. Dann gäbe es dramatische
Leistungskürzungen.
ÖSTERREICH: Und jetzt wird es neue Massensteuererhöhungen geben?
Pröll: Nein, es wird zum einen die Bankenabgabe geben. Zum
anderen die Ökologisierung des Steuersystems, in der man Anreize für
erneuerbare Energien schafft.
ÖSTERREICH: Die ökosoziale Marktwirtschaft also?
Pröll: Genau in diese Richtung soll es gehen. Hier geht es
einerseits darum, unsere Umwelt zu schonen und etwas für den Umweltschutz zu
unternehmen. Und andererseits kann man durch diese Ökologisierung auch eine
Senkung der Lohnnebenkosten erzielen, die Arbeitsplätze schafft und sichert.
Mir geht es um ein Gesamtkonzept.
ÖSTERREICH: Eine Anhebung der Mineralölsteuer hätte aber wenig damit zu
tun, oder?
Pröll: So ist es. Ich werde sicher keine verkürzte Debatte auf
dem Rücken der Steuerzahler führen. Da geht es eher darum die CO2-Belastung
zu senken, das hätte dann auch einen positiven Umwelteffekt.
ÖSTERREICH: Wie weit sind Sie mit Ihren Plänen?
Pröll: Ich habe als Finanzminister ein Konzept in Auftrag
gegeben. Das werden wir dann mit dem Koalitionspartner diskutieren. Ich
werde jetzt sicher nicht öffentlich über einzelne Steuern diskutieren.