19. Februar 2010 17:23
Die Besetzung des neuen ORF-Publikumsrates ist komplett und stellt sich
mehrheitlich rot dar: Am Freitag hat das Bundeskanzleramt jene 17 Kandidaten
bekanntgegeben, die direkt in die Publikumsvertretung geschickt werden. Die
Kandidaten sind durchwegs dem Sympathisantenkreis der SPÖ zuzuordnen. Als
eindeutig der Volkspartei nahestehend werden im insgesamt 36 Köpfe zählenden
Publikumsrat lediglich neun Mitglieder betrachtet. Trotz der von der ÖVP
gewonnenen Publikumsratswahl wird das Gremium also künftig rot dominiert,
was sich auch auf die Besetzung des eigentlichen Machtzentrums des ORF, des
Stiftungsrates durchschlagen dürfte. Bisher hatte die ÖVP den größeren Teil
der Publikumsräte gestellt. Im Stiftungsrat verteidigt die SPÖ die Mehrheit
von 15 Sitzen, was aller Voraussicht nach so bleiben dürfte. Bisher waren
zwölf Stiftungsräte der ÖVP zuzuordnen, was sich ebenfalls nicht ändern
dürfte.
Aus den Reihen der Publikumsräte rücken sechs Mitglieder in den Stiftungsrat
auf: Ein Vertreter muss aus dem Bereich der Hochschulen, einer aus der Kunst
und einer aus den Kirchen stammen. Die drei übrigen werden aus den Reihen
der sechs öffentlich gewählten Publikumsräte bestimmt. Nach dem Sieg der ÖVP
handelt es sich dem Vernehmen nach um den SP-nahen Vertreter und zwei von
der Volkspartei ins Rennen geschickte Kandidaten.
Der Publikumsrat muss sich nun zu einer konstituierenden Sitzung einfinden,
auf der auch die Räte gewählt werden, die in das ORF-Aufsichtsgremium
aufrücken werden. Frühestens kann diese in zwei Wochen stattfinden, da 14
Tage zwischen der Einladung durch den Vorsitzenden und dem Sitzungstermin
vergehen müssen.
Erstmals gibt es in dieser Funktionsperiode 36 Publikumsräte. Dieser Umstand
gründet darin, dass das BZÖ nunmehr eine eigene Parteiakademie betreibt und
über diese direkt einen Vertreter benennen darf.
In der ÖVP zeigte man sich am Freitag wenig erfreut über die Liste der
ORF-Publikumsräte aus dem Kanzleramt und ließ gleich mehrere Stellen zu Wort
kommen: Generalsekretär Fritz Kaltenegger stieß sich etwa in einer
Aussendung vor allem daran, dass die Publikumsräte durchwegs der SPÖ
zuzurechnen sind. Der SPÖ sei das Votum der Wähler egal, so Kaltenegger, der
den Publikumsrat diskreditiert sieht. Die ÖVP hatte die Wahl der sechs
öffentlich gewählten Publikumsräte gewonnen.
"Das Gesamtbild spiegle das Verständnis der SPÖ für demokratische
Entscheidungen wider und wirft ein sehr schiefes Licht auf die
Besetzungspolitik des Kanzlers für die Kontrollorgane eines unabhängigen und
öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Unabhängige Medienpolitik sieht anders
aus", schließt Kaltenegger.
Auch der Jungen ÖVP und dem ÖAMTC war das Thema eine Aussendung wert, um
ihrem Unmut Luft zu machen. Davor hatte der Leiter des schwarzen
Freundeskreises, Franz Medwenitsch, harsche Kritik geübt.