20. Oktober 2009 07:20
© Lisi Niesner/TZ ÖSTERREICH
Der Nationalrat berät diese Woche wichtige Themen: das neue Kindergeld, auch
der historische Beschluss zur Begnadigung von Wehrmachtsdeserteuren wird
fallen. Allerdings ohne Wolfgang
Schüssel (ÖVP). Der 64-Jährige hat sich eine anspruchsvolle
Herausforderung vorgenommen: Mit seiner Tochter, der Schauspielerin Nina
Blum, wandert Schüssel derzeit in Nepal und Tibet, er will u. a. den
heiligen Berg Tibets, den Kailash, umrunden. Zwei Wochen sind die beiden
schon unterwegs, übernächste Woche soll der Ex-Kanzler, der – obwohl
besoldungsrechtlich bereits in Pension – immer noch Nationalratsabgeordneter
ist, wieder in Wien sein. Dass Abgeordnete in der Parlamentssession
urlauben, ist möglich, wenngleich auch nicht an der Tagesordnung.
Delikates Detail am Rande: Schüssel entschuldigte sich am 29. September für
die Nationalratssitzungen in dieser Woche. Er werde sich, so ein Schreiben
an Parlamentspräsidentin Barbara Prammer, am 21. und 22. Oktober im Ausland
aufhalten und könne deshalb nicht an den Sitzungen teilnehmen.
Sondersitzung kam Ex-Kanzler dazwischen
Doch dann berief die FPÖ
für den 15. eine Sondersitzung ein. Schüssel musste von Innerasien aus tätig
werden: Erneut meldete sich der Ex-Kanzler ab, der Brief ist datiert mit 7.
Oktober. Schüssel hatte sich per Telefon im ÖVP-Klub gemeldet. Von 4.500 m
Meereshöhe aus, wie ein VP-Insider erzählt. Problem sei Schüssels Reise
nicht, wird in der ÖVP beteuert: „Auch ohne ihn ist die Koalitionsmehrheit
gesichert.“
Schüssel hat seine Reise in Claudia Stöckls Frühstück bei mir auf Ö3
angekündigt: Er werde mit Tochter Nina den heiligsten Berg Tibets umrunden.
Schüssel: „Die Reise haben wir uns lang vorgenommen. Ich will spirituelle
Orte entdecken.“
Kailash-Umrundung 53 Kilometer lang
Dabei mutet sich der
Ex-Kanzler einiges zu: Der Kailash wird in 4.500 bis 5.700 m Meereshöhe
umwandert, der Weg ist 53 Kilometer lang, kein „Lercherl“ für einen
64-Jährigen. Allerdings: Während tibetische Buddhisten sich immer wieder
hinwerfen, wandern Europäer als gut ausgerüstete Trekking-Touristen und
suchen so nach der „Erleuchtung“.
Nicht nur deshalb sorgt die Schüsselreise mitten im Parlamentsjahr für böse
Kommentare im Hohen Haus: „Sind die Tibeter mit den Chinesen nicht genug
gestraft?“, schüttelt ein Abgeordneter, der ungenannt bleiben will, den Kopf.