26. April 2010 09:14
Sie sei „Opfer einer unglaublichen Hetzjagd“ gewesen, mimte Heinz-Christian
Strache halbherzig den Ritter in Blau für seine angeschlagene Barbara
Rosenkranz. „Dass er Rosenkranz als Hexe bezeichnet, ist aber gar nicht
nett“, ätzten darauf gleich mehrere Beobachter auf der Internet-Plattform
Twitter.
So weit wollen wir hier nicht gehen. Dass Strache die „liebe Barbara“ – so
spöttelt er gerne im kleinen Kreis – aber gar nicht lieb hat, ist Insidern
freilich seit Längerem bekannt. Sie und ihre ultranationalen Förderer hatten
ihm schließlich die Rosenkranz-Kandidatur eingebrockt, die Strache
tatsächlich verhindern wollte. Er fürchtete sich vor genau jenen
Schlagzeilen (siehe Faksimile), die die Rechtsaußen-Kandidatin ihm auch
eingebracht hatte. Hat er nun also Grund zur Schadenfreude? Wohl kaum. Sein
mühsam aufgebautes Bild des vermeintlich jungen, dynamischen angeblichen
„Sozialfighters“ bröckelt rapide ab. Er muss jetzt (endlich) beweisen, wer
wirklich Chef im blauen Ring ist: Er oder die Nationalen um Martin Graf und
Co.
Straches Gespenster
Strache bleibt für seinen Machtkampf mit
seinen bisherigen Förderern nicht viel Zeit: Im Oktober steht er in Wien
selbst zur Wahl. In Wien hat Frau Rosenkranz – trotz zahlreicher
Strache-Plakate – noch schlechter abgeschnitten als im Bundesdurchschnitt.
Nur durch die nächtliche Clubbingszene zu ziehen oder auf eine
„Freibäder-Tour“ zu gehen, wird da bei Weitem nicht ausreichen.
Wenn Strache bei der Wien-Wahl unter 25 Prozent liegt, wird auch seine
Stunde schlagen.
Schon aus Eigeninteresse muss Strache jetzt zeigen, ob er bloß ein Maulheld
ist oder ob er sich in der eigenen Partei auch durchsetzen kann ...