Strache als Fan bei Sarrazin-Wirbel

Skandal-Autor in Graz

Strache als Fan bei Sarrazin-Wirbel

Seiten: 12

Auf dem Veranstaltungsgelände der einstigen Grazer Seifenfabrik prallten gestern Abend Befürworter und Gegner des umstrittenen deutschen Autors aufeinander. Thilo Sarrazin (Deutschland schafft sich ab) hatte vor 700 Gästen seinen ersten Österreich-Auftritt.

Und wie ebenfalls nicht anders zu erwarten, machte auch FPÖ-Chef und Fan aller Provokationen, HC Strache, dem umstrittenen Autor in Graz seine Aufwartung. Als besonderes Zeichen der Zuwendung: ein eingeklemmtes Buch des Autors (Deutschland schafft sich ab) unter seinem Arm. Sarrazin, von ÖSTERREICH auf seinen Fan angesprochen: „Wenn Politiker mir eine Stunde zuhören, freut mich das immer. Dann können sie etwas Vernünftiges lernen.“ Und Strache nahm den Lehrer beim Wort: „Von Sarrazin lerne ich immer gerne.“

Diashow Strache holt sich Sarrazin-Autogramm

H.C. Strache trifft Thilo Sarrazin

H.C. Strache trifft Thilo Sarrazin

H.C. Strache trifft Thilo Sarrazin

H.C. Strache trifft Thilo Sarrazin

H.C. Strache trifft Thilo Sarrazin

H.C. Strache trifft Thilo Sarrazin

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Später wirkte Strache wie ein schüchterner Fan nach einem Popkonzert. Geduldig reihte er sich nach dem Vortrag in die lange Reihe der Autogrammjäger ein.

Geschlagene fünf Minuten dauerte es, bis Sarrazin sich von der Bühne herab Strache zuwendete. Der FPÖ-Chef steckte Sarrazin, den sie in Deutschland Volksverhetzter nennen, dessen Buch entgegen.

Sarrazin signierte, gab das Buch kommentarlos an Strache zurück und sagte nachher zu ÖSTERREICH: „Ach, das war der Herr Strache von der FPÖ? Wissen Sie, Vielleicht decken sich einige meiner Theorien mit denen der FPÖ. Ich möchte aber nichts mit Parteien zu tun haben, schon gar nicht will ich mich von einer Partei vereinnahmen lassen.“

Gastgeber
Einer, der die Provokation schon im Vorfeld zu spüren bekam, war Bauernbund-Präsident und Gastgeber Fritz Grillitsch. Er sah sich das Spektakel mit 700 geladenen Gästen gemeinsam mit dem Ex-Minister und jetzigen Nationalrat Martin Bartenstein aus der VIP-Loge an.

Tumulte vor dem Auftritt

Rund 50 Demonstranten traten energisch gegen die Veranstaltung des Österreichischen Bauernbundes auf. Ihre Parolen: „Aufstand im Bauernland. Wir brauchen keinen Sarrazin“, „No more Sarrazynismus“. Eine Eskalation blieb aber aus, die Polizei brachte das Grüppchen unter Kontrolle. Die vorübergehende Straßensperre wurde kurzerhand wieder aufgelöst.

Bei der Aktion gab es keine Verletzten, auch Anzeigen wurden wegen der Demo keine erstattet.

Diashow Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

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Was Sarrazin sagte

  • Über Muslime: „Weil wir in Europa eine Einwanderung von Muslimen haben, haben wir ein Problem. Die Osteuropäer, Ukrainer, Weißrussen, Polen, Russen sind wie Chinesen und Asiaten integrationswillig, passen sich schnell an und haben überdurchschnittliche akademische Erfolge. Absolut abfallend sind hingegen die Türken und die Araber.“
  • Über Bildung: „Die schlechten Bildungsleistungen sind eng mit der Religion verbunden. Das wird sich auch in den nächsten Jahrzehnten nicht ändern. Der islamische Glaubenshintergrund belohnt das Erwerben von Wissen nicht. Die Muslime bilden zumeist die Unterschicht.“
  • Über PISA-Test: „Tunesier haben laut PISA-Test einen Schnitt von 0,0 Prozent bei der Hochintelligenz. Und das sind die Menschen, die den Aufstand in Nordafrika tragen.“
  • Über Anerkennung: „Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.“
  • Über Nobelpreisträger: „Es gibt 840 Nobelpreisträger. 250 davon sind jüdischer Abstammung, nur vier kommen aus der islamischen Welt.
  • Über Geburten: „Je niedriger die Schicht, umso höher die Geburtenrate.“

Sarrazin im ÖSTERREICH-Interview

ÖSTERREICH: Wütende Demonstranten haben Sie empfangen, Polizisten mussten den Weg freiräumen. Haben Sie sich so Ihren Auftritt in Österreich vorgestellt?
Thilo Sarrazin: Die Demonstranten äußern ihre Meinung, das ist ihr gutes Recht. Auch ich darf meine Idee weitergeben, auch in Österreich. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, dass meine Thesen polarisieren.

ÖSTERREICH: Ihr größter Fan in Österreich scheint FPÖ-Chef HC Strache zu sein, er sitzt sogar mit Ihrem Buch unterm Arm im Publikum …
Sarrazin: Es freut mich, wenn mir Politiker zuhören, da können sie einiges lernen, auch der Herr Strache. Wer mir zuhört, ist nachher klüger als vorher – das klingt arrogant, ist aber so.

ÖSTERREICH: Seit Ihrem Bestseller-Buch „Deutschland schafft sich ab“ gelten Sie als Volksverhetzer, Aufputscher. Sie werfen der Politik vor, jahrelang das Problem der Einwanderung schöngeredet zu haben …
Sarrazin: Ich werfe niemanden etwas vor, sondern analysiere Probleme, die nicht mehr schöngeredet werden können. Auch bin ich kein Rassist, das ist das Dümmste, was man mir vorwerfen kann …

ÖSTERREICH: Sie greifen in Ihrem Buch aber vornehmlich türkische und arabische Zuwander an. Schreiben von einer moslemischen Gesellschaft, „die ständig kleine Kopftuchmädchen produziert“.
Sarrazin: Bei meinen Analysen bin ich einfach draufgekommen, dass es unterschied­liche Migrantengruppen gibt. Während Zuwanderer aus Osteuropa und Asiaten meist schnell integriert sind, fallen türkische Gruppen und Araber auffallend ab. Auch in der dritten Generation haben viele keine Deutschkenntnisse, keinen Schulabschluss. Außerdem haben sie einen zwei- bis dreimal höheren Anteil an Geburten.

ÖSTERREICH: Wird sich auch „Österreich abschaffen?“
Sarrazin: Die Probleme sind ähnlich, da es in ganz Europa ähnliche Migrantengruppen gibt. Das, was für Migranten in Deutschland gilt, sollte auch für Migranten in Österreich gelten – wer Bildung verweigert, hat in unseren Systemen keinen Platz.

Karl Wendl

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