01. Mai 2009 22:20
Die Krise beutelt Österreich immer heftiger, das Budgetdefizit schießt in
die Höhe, ganze Branchen sind auf Talfahrt, die Arbeitslosigkeit steigt. Die
große Frage ist: Wer zahlt für die Krise? Da eine Reichensteuer kaum
durchzusetzen ist, müssen andere bluten. Die Gewerkschaften befürchten, dass
es die Arbeitnehmer sein werden.
Nicht ohne Grund: In höchsten Wirtschaftskreisen werden Rufe nach einer
Null-Lohnrunde lauter:
Der Chef der Industriellenvereinigung (IV), Veit Sorger, hatte die
Diskussion angeheizt und als erster Klartext gesprochen: „Wenn es
Lohnerhöhungen gibt, dann führt das zu Kündigungen.“
Lohnverzicht
Der Industrielle Mirko Kovats (A-Tec Industries)
sagt gegenüber ÖSTERREICH, das Thema heiße nicht Null-Lohnrunde, sondern
Lohnsenkung. Wer das nicht diskutieren wolle, nehme Jobabbau in Kauf.
Kovats: „Bei 50 % Umsatzrückgang wie in vielen Industriebetrieben ist das
Thema nicht Null-Lohnrunde, sondern Lohnsenkung oder Arbeitsplatzverzicht.“
Ironischer Zusatz: „Gewerkschaftsfunktionäre ausgenommen.“
Beim Autozulieferer Magna ist das Thema Lohnverzicht bereits Realität. Dort
wurde vom Management – Siegfried Wolf und Frank Stronach – ein freiwilliger
befristeter Gehaltsverzicht von 5 bis 20% vorgeschlagen. Schon am ersten Tag
unterzeichnete mehr als die Hälfte der Belegschaft.
Auch Milliardär und Red Bull-Boss Dietrich Mateschitz will die
Null-Lohnrunde.
Großdemo am 13. Mai
Die Gewerkschaften haben für den 13. Mai
zu einer Großdemo gegen eine Null-Lohnrunde aufgerufen. Auch Werner Faymann
hielt gestern vor 100.000 Genossen am Wiener Rathausplatz dagegen. Zur
Null-Lohnrunde sagte er: „Das lassen wir Sozialdemokraten nicht zu, hier
stehen wir mit der Gewerkschaft Seite an Seite."
Vizekanzler Josef Pröll betont, Lohnrunden seien Sache der Sozialpartner,
sagt aber auch: „Beide Seiten sind sich bewusst, dass man angesichts der
Krise sehr maßvoll vorgehen muss.“
Das richtige Augenmaß fordert auch der Chef des Motorradherstellers KTM,
Stefan Pierer. Er ist gegen eine generelle Null-Lohnrunde, glaubt aber, dass
in vielen Firmen die Mitarbeiter angesichts der Lage ohnehin „zu vielem
bereit sind“.
Nur 1% mehr Lohn?
„Die Löhne werden aus heutiger Sicht nur knapp
1% wachsen“, so IHS-Experte Ulrich Schuh zu ÖSTERREICH. Alles hänge vom
weiteren Verlauf der Krise ab.