Wrabetz stellt sich vor

Nazi-Affäre

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Wrabetz stellt sich vor "Schauplatz"-Team

Die ORF-Spitze hat am Montag im Sonderpublikumsrat zu der "Am Schauplatz"-Reportage über jugendliche Skinheads die Redaktion neuerlich verteidigt. Generaldirektor Alexander Wrabetz sah in seinem Bericht an die Hörer- und Sehervertretung außer Streit gestellt, dass "die Herstellung des Programms im Rahmen der entsprechenden Gesetze und Programmrichtlinien erfolgt" sei. Auch Informationsdirektor Elmar Oberhauser stellte sich demonstrativ vor die "Am Schauplatz"-Redaktion.

Positive Resonanz
Wrabetz erklärte in der Sondersitzung "dass das, was on Air gegangen ist, eine sehr gute Sendung war". Resonanz von Publikum und Medien seien positiv gewesen, und es sei bisher auch keine öffentliche Beschwerde beim ORF eingegangen. "Aus jetziger Sicht lässt sich sagen, dass das ORF-Gesetz und die Programmrichtlinien eingehalten wurden."

Preisgekrönter Moschitz
"Am Schauplatz" sei eine der am höchsten ausgezeichneten Sendungen des ORF: Der für die umstrittene Sendung "Am rechten Rand " verantwortliche und von der FPÖ attackierte Redakteur Eduard Moschitz sei mehrfach ausgezeichnet worden. Moschitz habe unter anderem den Prälat-Leopold-Ungar-Preis erhalten und diesen an die Protagonistin der damals ausgezeichneten Sendung weitergegeben. "Das ist schon jemand, der einen besonderen Zugang hat", so Wrabetz. Die entsprechende Bedeutung und Notwendigkeit sah der ORF-Chef für die Reportage jedenfalls gegeben. Es gehe "um ein relevantes soziales Thema, das darzustellen war".

Zahlungen
Zu den Zahlungen an die Protagonisten führte Wrabetz an, dass nach ORF-Aufstellungen zweimal 100 Euro an die beiden Burschen bezahlt wurden. "Darüber hinaus hat es diverse kleinere Einladungen des Redakteurs gegeben - im Zuge seiner Recherchetätigkeit. Das ist allerdings kein ORF-Geld." Es sei klar, dass ein Redakteur, der über Monate hinweg versucht, mit Protagonisten Kontakt zu halten, kleinere Einladungen macht.

Keine Suspendierung
Eine Suspendierung des Redakteurs sei nicht zur Diskussion gestanden: Es gebe dafür "keinen Anlass" und auch seitens des Informationsdirektors habe es keinen anderslautenden Vorschlag gegeben, stellte Wrabetz klar. Der Generaldirektor verwies darüber hinaus auf eine Arbeitsgruppe, die bis Ende Mai Ergebnisse präsentieren soll.

Informationsdirektor Oberhauser zeigte sich ebenfalls überzeugt, dass im konkreten Fall keinerlei Verstöße vorlägen. "Ich garantiere, dass der Manipulationsvorwurf völlig ins Leere geht. Wir würden uns auch nie als Handlanger für derartige Manipulationen hergeben." Eine Essenseinladung sei etwa "eine Frage des Anstandes", so Oberhauser, der darauf verwies, dass auch Politiker nach stundenlangen Interviews zum Essen eingeladen würden. "Ich stehe zu meinen Leuten, zumindest bis zu dem Punkt, wo ich drauf komme, dass ich gelegt wurde."

Redaktionsgeheimnis
Wrabetz kritisierte in der Sondersitzung auch den mangelnden Schutz des Redaktionsgeheimnisses. Die Regelung, dass ein Journalist, Medienmitarbeiter, Herausgeber geschützt ist, wenn er Zeuge ist, werde aufgeweicht, sobald der Journalist als Beschuldigter geführt werde. "Das ist eine problematische Grauzone. Damit ist es ganz einfach, einen Journalisten zu beschuldigen und schon wird das Redaktionsgeheimnis ausgehebelt."

Der bürgerliche Publikumsrat Andreas Kratschmar warnte unterdessen vor einem "erheblichen Imageschaden" für den ORF und forderte, das "Publikum vor Inszenierung und Bezahljournalismus in Schutz zu nehmen". Es sei "ein Pseudoereignis geschaffen worden, um dem Publikum eine bestimmte Botschaft zu übermitteln", so Kratschmar. Die freiheitliche Publikumsrätin Ulrike Nittmann sprach von "Borderline-Journalismus". Die FPÖ-Vertreterin sieht im ORF eine "linke Bande" am Zug und verlas minutenlang Fragen an Wrabetz und Oberhauser. Der SP-nahe Erich Fenninger hielt dem entgegen, dass es "sehr bedenklich" sei, "wenn Journalisten sich in das rechtsradikale Feld hineinbegeben und als Beschuldigte aufwachen".

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