24. April 2010 23:43
Offiziell werden natürlich die „bösen, bösen“ Medien heute an dem
prognostiziert schlechten Wahlergebnis von Barbara Rosenkranz schuld sein. Immerhin
hatte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache „seiner“ ultranationalen Kandidatin
mit 35 Prozent ja auch ein schier unerreichbares Wahlziel gesetzt – doppelt
so viel, wie sie sich selbst zutraut.
Dass Rosenkranz nach dem 25. April geschwächt sein wird, kommt Strache
freilich sehr gelegen. Ein FP-Stratege berichtet, dass der Parteichef in der
FPÖ „kaum einen Stein auf dem anderen stehen lassen wird, wenn Rosenkranz
unter 25 Prozent liegt“.
Dann will der FP-Chef rechtzeitig vor der für ihn so wichtigen Wien-Wahl im
heurigen Oktober die Macht der Ultranationalen in der FPÖ zurückdrängen und
lieber auf reinen Populismus setzen. Strache will in den kommenden Wochen
wieder auf „ein jüngeres, dynamisches (Haider-)Image setzen“, da ihm die
Rechtsaußen-Diskussionen um Rosenkranz bei den Jungen enorm geschadet haben,
wie es inzwischen selbst FP-Strategen sehen.
Faymann: SPÖ ist sauer auf Fischer
Es hätte der ganz große Raketenstart werden sollen – nach letzten Umfragen
sieht es jetzt nicht danach aus. Fischer wird ein respektables Ergebnis
erreichen, aber er wird der SPÖ wohl nicht zur Trendwende verhelfen können.
Faymann & Co. hatten gehofft, dass der „rote Heinzi“ für die anstehenden
Landtagswahlen im Burgenland (30. Mai), in der Steiermark (26. September)
und in Wien (10. Oktober) für Schub sorgen könnte. Aber dann legte er einen
Fad-Wahlkampf hin.
Folge: Die SPÖ wird sich über den Wahlsieg Fischers freuen, hinter den
Kulissen wird aber kein Jubel ausbrechen. Auch, weil Fischer und Faymann
einen gegensätzlichen Kurs fahren. Auch in der Medienpolitik.
Pröll sen. ärgert sich über Pröll jun.
Im Unterschied zu vielen seiner Parteigranden hatte Josef Pröll keine
Empfehlung fürs Weißwählen ausgegeben. Heinz Fischer hat er freilich auch
nicht empfohlen. Kein Wunder, denn in der schwarzen Welt schwelen weiter
Spannungen rund um die Nicht-Kandidatur. Sollte Fischer nur bei rund 60
Prozent liegen, wird Niederösterreichs mächtiger VP-Landeschef Erwin Pröll
seinem Neffen Josef das (politische) Leben wohl äußerst schwer machen.
Immerhin wollte „Onkel Erwin“ ja lange Zeit selbst antreten.
Der VP-Vizekanzler hatte sich in diesem (Familien)-Match aber durchgesetzt.
Jetzt will der VP-Vizekanzler rasch zur Tagesordnung zurückkehren.
Wichtigstes inoffizielles Anliegen: Die Steiermark „wieder drehen“. Sollte
die ÖVP bei der Wahl Ende September doch Zweiter bleiben, wird es zu
schwarz-blauen Verhandlungen kommen, damit „wir doch den Landeshauptmann
stellen“, prognostiziert ein VP-Stratege.
Professor rittert um Wien
Grünen-Chefin Eva Glawischnig hatte lange versucht, ihren Vorgänger
Alexander Van der Bellen von einer Hofburg-Kandidatur zu überzeugen.
Vergebens.
Jetzt wird sie vor allem von Parteifreund Peter Pilz dafür kritisiert, dass
die Grünen eine Chance verpasst hätten. Um Krach zu vermeiden, soll ab heute
Zugpferd VdB in Wien helfen, eine Niederlage gegen die FPÖ abzuwenden.