23. August 2010 07:06
Nach dem Tod von zwei Säuglingen in der Mainzer Universitätsklinik ist die
Verschmutzung von Infusionen mit Bakterien noch nicht als Todesursache
festgestellt worden. Derzeit sei mit der Obduktion lediglich bestätigt, dass
bei den Babys schwerste Vorerkrankungen bestanden hätten, sagte der Leitende
Oberstaatsanwalt Klaus-Peter Mieth am Montag bei einer Pressekonferenz in
Mainz. Bei einem der Kinder sei der Keim aber zumindest nachgewiesen worden.
Weiterer Säugling könnte sterben
Endgültige Ergebnisse
sollen spätestens in den nächsten Tagen vorliegen. Erst dann sei klar, wo
möglicherweise Fehler begangen wurden, so Mieth. "Wir ermitteln im Moment
gegen unbekannt." Die Untersuchung wurde von der Staatsanwaltschaft Mainz an
die Gerichtsmedizin in Frankfurt am Main übergeben, da die Mainzer
Gerichtsmedizin zur Uniklinik gehört.
Der Medizinische Leiter der Klinik, Norbert Pfeiffer, äußerte die
Befürchtung, dass noch ein weiterer Säugling sterben werde. Das frühgeborene
Baby sei in einem sehr kritischen Zustand. Für die anderen acht Infizierten
- sieben Säuglinge und ein älteres Kind - bestehe dagegen Hoffnung auf
Genesung. Ihr Zustand habe sich deutlich gebessert. Allerdings seien alle
der insgesamt elf mit der verunreinigten Lösung behandelten Kinder aufgrund
von Vorerkrankungen auf der Intensivstation gelegen, so dass es keine ganz
gesicherte Prognose geben könne, schränkte Pfeiffer ein.
Verschmutzte Schläuche als Ursache?
In einer
mikrobiologischen Untersuchung wird der Staatsanwaltschaft zufolge nun
zunächst untersucht, ob sich Keime in den angelieferten Präparaten befanden.
Die Uniklinik geht laut Mieth aber selbst davon aus, dass es in ihrem
Bereich zu einer Verunreinigung gekommen ist. Bei den Infusionen handelte es
sich um Nährlösungen, die aus verschiedenen Komponenten externer Hersteller
in der Apotheke der Universitätsmedizin Mainz für jeden Patienten
individuell hergestellt wurden.
Ort der Kontamination könnten Schläuche in der Klinik gewesen sein. Diese
befänden sich in einem speziellen Reinraum an der Uniklinik Mainz, in dem
die verschmutzten Lösungen für die Säuglinge hergestellt wurden. Das Zimmer
sei von der Klinik geschlossen worden. Spezielle Schläuche aus der Apparatur
wurden sichergestellt, betonte Mieth. Die Schläuche seien die einzige Stelle
in der Apparatur, an der Mitarbeiter eingriffen und so Bakterien eintragen
könnten. Es sei als wahrscheinlich anzusehen, dass die Verunreinigung im
Bereich der Universität passiert ist - und nicht bei den Herstellern der
einzelnen Komponenten.
Personal ausgetauscht
Die Uniklinik hat jedenfalls Vorkehrungen
getroffen, um die Wiederholung eines derartigen Vorfalls auszuschließen und
ihre Prozesse komplett umgestellt. Die Grundsubstanzen für Infusionen würden
von anderen Firmen bezogen, auch seien die eingesetzten Geräte und das damit
befasste Personal ausgetauscht worden, hieß es am Montag.
Insgesamt elf Kinder hatten die Infusionen bekommen. Zwei Säuglinge starben
am Samstag, der Rest befand sich am Montag weiter in Behandlung.