02. September 2010 10:10
Die Deutsche Bundesbank will ihr Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin loswerden.
Der Vorstand der Deutschen Bundesbank beschloss am Donnerstag einstimmig,
bei Bundespräsident Christian Wulff die Abberufung von Sarrazin als Mitglied
des Vorstandes zu beantragen. Sarrazin war wegen seiner diskriminierenden
Äußerungen in die Kritik geraten. Der 65-Jährige hatte zuletzt mit
umstrittenen Thesen in seinem am Montag erschienen Buch "Deutschland
schafft sich ab" und mit seinem "Juden-Gen"-Sager für
Diskussionen gesorgt.
Abberufung bei Wulff
Es solle bei Bundespräsident Christian Wulff
die Abberufung von Sarrazin als Mitglied des Vorstandes beantragt werden,
teilte die Notenbank am Nachmittag mit. Der frühere Berliner Finanzsenator
ist wegen seiner Äußerungen zu muslimischen Zuwanderern und einem
angeblichen Juden-Gen unter Druck geraten. Sarrazins Amtszeit begann im Mai
2009 und sollte regulär im Jahr 2014 enden.
Der Vorgang ist ohne Beispiel in der Geschichte der Bundesbank, deren
Vorstand unabhängig agiert. Zwar werden die sechs Mitglieder von Bund und
Ländern in das Gremium berufen. Sie können aber von diesen nicht mehr
entlassen werden. Das Recht der Abberufung einzelner Mitglieder steht - auf
Antrag des Bundesbankvorstands - allein dem Bundespräsidenten zu. Die
Regierung müsste die Entlassungsurkunde zusätzlich gegenzeichnen.
Sarrazin bricht Interview ab
Zuvor sorgte der 65-Jährige noch
einmal ordentlich für Wirbel. Er traf den Vizevorsitzenden des Zentralrates
der Juden, Michel Friedman, zu einem Interview für die "BZ".
Friedman, der als gnadenloser und unangenehmer Gesprächspartner gilt, wollte
ihn zu dem "Juden-Gen"-Sager befragen.
"Ich habe ihn gefragt, welches spezielle Gen damit gemeint sei und
welche Eigenschaften ich aus diesem Gen zu erwarten habe. Sarrazin reagierte
zunehmend unwirsch auf mein Nachhaken. Er wollte sich den kritischen Fragen
nicht stellen. Am Ende brach Sarrazins Presseagent das Interview entnervt ab",
so Friedman zur Bild. Am Ende soll Sarrazin sogar gesagt haben: "Herr
Friedman, heute waren sie ein Arschloch."
Sarrazin: "Hatte Blackout"
Später in der ARD-Sendung "Hart
aber fair" gab sich Sarrazin zahmer. Er sagte, dass es im Rückblick
eine "ziemliche Dummheit" gewesen sei, den "Juden-Gen"-Sager
im Interviewtext nicht nachträglich gestrichen zu haben.
"Ich hatte da einen Blackout und habe mich von der Zeitung aufs
Glatteis führen lassen." Er sei definitiv nicht der Ansicht, dass
es eine genetische Identität gebe. "Es gibt aber genetische
Gemeinsamkeiten der verschiedenen Gruppen der Juden", fügte Sarrazin
hinzu.