Chile: Plünderungen im Krisengebiet

Über 700 Tote

© Reuters

Chile: Plünderungen im Krisengebiet

Nach dem verheerenden Erdbeben in Chile häufen sich im Katastrophengebiet die Plünderungen. In Concepcion musste die Feuerwehr sogar zeitweilig die Bergung von Überlebenden einstellen, weil die Polizei Tränengassalven auf Menschen abfeuerte, die massenhaft Waren aus einem halb zerstörten Supermarkt davontrugen. Deshalb wurde ein Ausgangsverbot von 21.00 bis 6.00 Uhr verhängt. Die in Santiago lebenden rund 50 Österreicher sind wohlauf, berichtete das Außenamt, nach Concepcion habe man allerdings keine Verbindung. Auch SOS-Kinderdörfer wurden beschädigt.

Ausmaß noch nicht absehbar
Präsidentin Michelle Bachelet ermächtigte die Streitkräfte, für Recht und Ordnung zu sorgen. Zugleich wurde das Militär mit der Verteilung von Lebensmitteln, Trinkwasser und Decken sowie mit der Räumung von Trümmern beauftragt. Die Elektrizitätswerke wurden aufgerufen, vorrangig in Krankenhäusern die Stromversorgung wiederherzustellen, um die medizinische Behandlung der Verletzten sicherzustellen.

Nach jüngsten Regierungsangaben kamen bei dem Beben der Stärke 8,8 mindestens 708 Menschen ums Leben. Das genaue Ausmaß der Katastrophe war noch immer nicht absehbar, zumal immer neue Nachbeben das Katastrophengebiet rund 320 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago erschütterten. Diese brachten viele beschädigte Gebäude endgültig zum Einsturz und lösten bei der Bevölkerung Panik aus.

Vorwurf an Marine
Der chilenische Verteidigungsminister Francisco Vidal warf unterdessen der Marine vor, keine Tsunami-Warnung ausgegeben zu haben. Hafenkapitäne hätten jedoch in Eigenregie Vorkehrungen für eine riesige Flutwelle getroffen und damit hunderte, wenn nicht tausende Menschen gerettet, sagte Vidal im Rahmen einer Pressekonferenz.

Mehrere Küstengebiete wurden am Samstag von hohen Wellen getroffen, eine noch unbekannte Anzahl Menschen fiel ihnen zum Opfer. Die Behörden mussten später einräumen, dass es sich in der Tat um Tsunami-Wellen gehandelt habe. Die Marine hat für solche Fälle einen Notfallplan, der es den lokalen Behörden erlaubt, die Bevölkerung auch ohne amtliche Anweisung zu warnen, wie Vidal erklärte: "Dank dieses Systems konnten die Menschen trotz des Diagnosefehlers der Marine alarmiert werden und sich auf Hügel retten." Zwischen dem Beben und den Flutwellen verstrichen nur etwa 30 Minuten.

Keine weiteren Opfer
Nach dem schweren Erdbeben gab die Tsunami-Warnzentrale auf Hawaii einen Alarm für 53 Pazifik-Anrainerstaaten heraus. Allerdings blieben die Auswirkungen dort begrenzt, es wurden keine weiteren Opfer aus Australien, Tonga, Japan, Russland oder Hawaii gemeldet.

Die zerstörte Küstenstadt Concepcion war auch am Montag weder via Landweg noch via Telefon erreichbar. Deshalb konnte man im Außenministerium auch noch nicht sagen, ob bzw. wie viele Österreicher sich dort möglicherweise aufhalten, berichtete Sprecher Peter Launsky-Tieffenthal. Zu den rund 50 Auslandsösterreichern, die in der Hauptstadt Santiago leben, wurde Kontakt hergestellt. Alle seien "den Umständen entsprechend wohlauf".

SOS-Kinderdörfer beschädigt
Auch SOS-Kinderdörfer wurden von den Erdstößen beschädigt. Besonders heftig waren die Auswirkungen in Bulnes, wo sechs Familienhäuser in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Dort und in den anderen drei SOS-Kinderdörfern der Region gab es weder Strom noch Wasser. Verletzte waren aber nicht zu beklagen - Kinder, Familien und Mitarbeiter seien wohlauf, hieß es am Montag in einer Aussendung der Organisation.

Die EU-Kommission hat indes für die Versorgung der Erdbebenopfer drei Millionen Euro Soforthilfe bereitgestellt, teilte die zuständige Kommissarin Kristalina Georgiewa am Montag in Brüssel mit. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso sprach der chilenischen Bevölkerung sein Beileid aus.

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