Der Papst über Aids, Missbrauch und Hobbys

Das erste 
Interview

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Der Papst über Aids, Missbrauch und Hobbys

Das Nachrichtenmagazin „Focus“ druckt die ersten Passagen aus dem Papst-Buch. 
ÖSTERREICH bringt das Buch ab heute als Serie.

Der Papst über Frauen als Priester:
Die Kirche hat keine Vollmacht, Frauen zu Priestern zu weihen. Wir können nicht. Der Herr hat der Kirche eine Gestalt gegeben mit den zwölf männlichen Aposteln. Eine Diskriminierung von Frauen liegt nur dann vor, wenn das Priestertum eine Herrschaftsform ist – es ist aber Dienst.

Der Papst über Kondome:
Die Verwendung von Kondomen ist natürlich keine wirklich moralische Lösung. Die Verwendung ist in manchen Fällen gerechtfertigt. Ein Beispiel sind männliche Prostituierte, die die Ausbreitung von HIV verhindern wollen. Der Gebrauch durch Prostituierte ist der erste Schritt zu einer Moralisierung und kann helfen, ein Bewusstsein zu entwickeln, dass nicht alles gestattet ist und man nicht alles tun kann, was man will.

Der Papst über Homosexualität:
Homosexualität ist mit dem Priesterberuf nicht vereinbar. Sie widerspricht dem ursprünglichen Willen Gottes. Hier hat die Kirche keinen Spielraum.

Der Papst über die „Wil­liamson-Affäre 2009“:
Wenn ich gewusst hätte, dass der zur Pius-Bruderschaft gehörende Bischof Richard Wil­liamson die Existenz der Gaskammern der Nazis leugnet, hätte ich ihn nicht von der Exkommunikation befreit. Ich habe das Dekret unterschreiben müssen, weil der einzige Grund der Exkommunikation, der Verstoß gegen den Primat, nicht mehr vorgelegen ist. Leider hat niemand von uns im Internet nachgeschaut und wahrgenommen, um wen es sich hier handelt.

Der Papst über Christentum im öffentlichen Raum:
Der ganzheitliche Weltentwurf ist das Ziel. Ich bin gegen ein generelles Burkaverbot und gegen den Verzicht auf das Kreuz in öffentlichen Räumen, weil die neue Religion der Gottlosigkeit intolerant ist. Ich lehne die Ausbeutung der Schöpfung ab und wünsche mir eine neue Evangelisierung, damit Europa nicht seine Seele verliert. Die Zeit der Umkehr ist da. Ich beharre darauf, dass der Mensch „Seele im Leib“ ist, eine Einheit.

Der Papst über Missbrauch in der Kirche:
In der jüngsten Zeit scheint das katholische Christentum ein Licht, das sich verdunkelt. Dass Kirchenmitglieder Minderjährige missbrauchen, erfüllt mich mit Schmerz. Es war wirklich fast wie ein Vulkanausbruch, aus dem plötzlich eine gewaltige Schmutzwolke herauskam, alles verdunkelte und verschmutzte, sodass vor allen Dingen das Priestertum plötzlich als ein Ort der Schande erschien.

Der Papst über Kommunikation:
Die große Kommunikation, die wir heute haben, kann einerseits zur vollkommenen Entpersönlichung führen. Man schwimmt dann nur noch im Meer der Kommunikation, trifft gar nicht mehr auf Personen. Sie kann andererseits aber auch eine Chance sein. Zur Umkehr gehört, dass wir Gott wieder an die erste Stelle setzen.

Der Papst über die Freiheit in der westlichen Welt:
Ich bin betrübt über das vorherrschende Freiheitsverständnis der westlichen Welt. Ich warne vor Auswüchsen wie etwa dem Sextourismus. Dieser bringt außerordentliche Zerstörung über die Jugend. Diese Zerstörung ist aus dem Überdruss und der falschen Freiheit der westlichen Welt geboren. Es ist eine Gier des Glücks entstanden.

Der Papst über seine Gebete:
Was den Papst angeht, so ist auch er ein einfacher Bettler vor Gott – mehr noch als alle anderen Menschen. Natürlich bete ich zuallererst immer zu unserem Herrn, mit dem mich einfach sozusagen diese alte Bekanntschaft verbindet. Aber ich rufe auch die Heiligen an. Die Mutter Gottes ist immer ein großer Bezugspunkt.

Der Papst über seine Freizeit:
Natürlich muss ich Akten studieren und lesen. Es bleibt immer sehr viel Arbeit übrig. Aber es gibt mit der Päpstlichen Familie auch die gemeinsamen Mahlzeiten, das sind Momente der Entspannung.

Der Papst über TV und Filme:
Die Nachrichten schaue ich gemeinsam mit den Sekretären an, aber wir sehen uns manchmal eine DVD an. Da gibt es einen schönen Film über die heilige Josephine Bakhita. Und dann schauen wir uns gerne Don Camillo und Peppone an.

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