20. März 2010 15:05
Mit "großer Enttäuschung" haben Betroffene kirchlicher Gewalt in Österreich
auf den Hirtenbrief des Papstes zum Thema Missbrauch in Irland reagiert.
"Wir wollen keine salbungsvollen Worte mehr. Das 'Erschüttert-Sein' allein
bedeutet noch gar nichts", heißt es in einer Stellungnahme mehrerer
Missbrauchs-Opfer, die sich in der Plattform "Betroffene kirchlicher Gewalt"
zusammengeschlossen haben. Die Plattform fordert von der Kirche
Schadenersatz und hat eine Sammelklage angedroht.
Taten statt Worte
"Wir wollen endlich von der Kirche Taten sehen.
Dazu gehört die Auslieferung aller Täter, Mitwisser und Helfershelfer an
staatliche Gerichte ebenso wie eine Entschädigung und Wiedergutmachung,
welche diesen Namen auch verdient", erklärt Klaus F., ein Betroffener, im
Namen vieler Opfer in der Stellungnahme. Er hat mit den Erzählungen seiner
Erlebnisse die jüngste Debatte in Österreich ausgelöst.
Die Gründung des Vereins "Betroffene kirchlicher Gewalt" ist derzeit in
Vorbereitung. Die Plattform will die Statuten nächste Woche bei der
Vereinsbehörde im Innenministerium einreichen. Der Verein soll sich dann
nicht nur um die Betroffenen sexuellen Missbrauchs kümmern, sondern auch für
Betroffene von Gewaltübergriffen tätig sein.
Enttäuschung in Irland
Auch die eigentlichen Adressaten des
Papstbriefs, die irischen Opfer sexueller Gewalt, haben sich tief enttäuscht
über den Hirtenbrief des Papstes gezeigt. Der Brief an die Katholiken in
Irland sei weit davon entfernt, die Sorgen der Opfer sexueller Gewalt
anzusprechen, erklärte das Bündnis "One in Four".
Das Schreiben von Benedikt XVI. konzentriere sich zu stark auf die
rangniederen irischen Priester, ohne die Verantwortung des Vatikans zu
unterstreichen. Zudem fordere der Papst das Oberhaupt der katholischen
Kirche in Irland, Kardinal Sean Brady, nicht zum Rücktritt auf, wie von
Opfergruppen gefordert.