Polnischer Finanzminister unter Beschuss

Nach EU-Rede

Polnischer Finanzminister unter Beschuss

Die Rede des polnischen Finanzministers Jacek Rostowski am Mittwoch im Europaparlament, in der er vor einem Krieg nach einem möglichen Eurozonen- und EU-Zerfall warnte, schlägt in Polen hohe Wellen. Die Opposition schimpft die Aussagen verantwortungslos und fordert Konsequenzen.

"Die Aussage ist extrem unverantwortlich", kommentierte ein Abgeordneter der rechtskonservativen Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Michal Kaminski, gegenüber der Tageszeitung "Gazeta Wyborcza". "In allen mit der Eurozone verbundenen Fragen steht Polen ganz im Abseits. Deshalb wollte der Minister glänzen. Er ist kompromittiert. Schade, dass er das auf europäischer Ebene tat, weil das auch eine Kompromittierung Polens war", so Kaminski.

Kaczynski: "Gipfel der Verantwortungslosigkeit"
Für PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski war die Aussage des Finanzministers der "Mount Everest der Unverantwortlichkeit". "Chaos wird nach Europa exportiert, was Polen schadet", erklärte Kaczynski gegenüber Journalisten. Empörend finden die Worte Rostowskis auch Politiker des Bündnisses der Demokratischen Linken (SLD). Vizeparlamentspräsident Jerzy Wenderlich (SLD) behauptet, dass Rostowski mit der Aussage Polen in Gefahr gebracht habe. "Ein solcher Mensch verdient es nicht einmal, ein Sparschwein in seinen Händen zu halten, geschweige denn den Staatshaushalt", sagte Wenderlich gegenüber der "Gazeta Wyborcza". Seiner Meinung nach soll der Präsident eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates einberufen und den Minister zum Rücktritt aufrufen.

Premier Tusk verteidigt seinen Finanzminister
Verteidigt wurde der Minister von Premier Donald Tusk. "Minister Rostowski hat in Straßburg sehr klar gesagt, was beim Fehlen eines Beschlusses droht, der über die Zukunft der Eurozone entscheiden werden", sagte Tusk bei einer Pressekonferenz in Cieszyn (Teschen). Seiner Meinung nach soll man die Worte Rostowskis als eine dramatische Warnung für all jene Politiker betrachten, "die seit mehreren Monaten, anstatt Entscheidungen zu treffen, in Unfähigkeit versunken sind". Der Regierungschef gab zu, dass die Aussage jemanden ärgern könnte, aber dass dies ein entsprechendes Moment gewesen sei, ganz Europa stark und klar zu warnen. "Wenn es keine schnellen Entscheidungen und kein rasches Handeln gibt, gehen wir tatsächlich in eine sehr gefährliche Richtung", betonte Tusk.

Rostowski hatte den Europa-Abgeordneten von einem persönlichen Gespräch mit einem Vorstandsvorsitzenden einer großen polnischen Bank erzählt, der gesagt haben soll, dass es nach derartigen wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen, die es aktuell in der Eurozone gebe, selten so komme, dass man zehn Jahre später noch eine Kriegskatastrophe verhindern könne. Der Bankchef denke nun ernsthaft daran, eine US-Greencard für seine Kinder zu erwerben.

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