28. Juli 2010 17:29
Die Internetseiten der deutschen KZ-Gedenkstätte Buchenwald sind am
Mittwochmorgen von Neonazis zum Teil zerstört worden. Die Hacker hätten die
Startseite gelöscht und stattdessen rechtsradikale Symbole und Parolen
eingestellt, sagte eine Sprecherin der Gedenkstätte. Die Homepage
http://www.buchenwald.de wurde vorübergehend auf eine Seite von
Holocaust-Leugnern umgeleitet, wie der Stiftungsdirektor der Gedenkstätte,
Volkhard Knigge, mitteilte. Die dazugehörige Seite www.dora.de über das
Außenlager Mittelbau-Dora wurde von den Hackern gelöscht.
Hacker-Angriff
Die Angreifer hinterließen den Angaben zufolge
Sätze wie "Brown is beautiful" ("Braun ist schön") und "Wir kommen wieder".
Wegen des offensichtlich neonazistisch motivierten Hacker-Angriffs sei das
Internetangebot der Gedenkstätte vorerst nur begrenzt nutzbar, erklärte
Knigge. Das genaue Ausmaß der angerichteten Schäden werde noch ermittelt.
Es handle sich um einen einen in dieser Form noch nicht vorgekommenen
kriminellen Angriff auf die Gedenkstättenarbeit, fügte Knigge hinzu. Durch
die Beschädigung von Serviceangeboten und Dokumentationen - wie dem
Totenbuch des KZ Buchenwald - hätten die Täter versucht, "die Erinnerung an
die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen auszulöschen".
Die Polizei nahm nach Angaben eines Sprechers Ermittlungen wegen
Computersabotage auf. Von den Tätern fehle aber noch jede Spur, sagte ein
Sprecher der Polizeidirektion Jena. Als Zugang nutzten die Täter ein
sogenanntes Backdoor-Virus (Hintertür-Virus), wie ein Computerspezialist der
Gedenkstätte der "Thüringer Allgemeinen" sagte. Es sei vermutlich bereits zu
einem früheren Zeitpunkt eingeschleust worden.
Die Gedenkstätte konnte die Parolen bis Mittag entfernen. Es könne jedoch
noch einige Tage dauern, bis das gesamte Angebot wieder nutzbar sei. Im
Konzentrationslager Buchenwald in der Nähe von Weimar (Thüringen) kamen
unter der Naziherrschaft mindestens 56.000 Häftlinge ums Leben.