19. Dezember 2009 10:58
Das komplette Scheitern des UN-Klimagipfels ist gerade noch einmal
abgewendet worden. Die Weltklimakonferenz erkannte die
Kopenhagen-Vereinbarung von 25 Staaten am Samstag nach einer nächtlichen,
chaotischen Marathon-Debatte an.
Die Staaten brachten den Kompromissvorschlag offiziell in den weiteren
Verhandlungsprozess für das kommende Jahr ein. Damit ist eine Blockade
aufgelöst, die durch mehrere Länder wie Sudan, Kuba, Venezuela und Bolivien
entstanden war.
Jedem Land steht nun frei, die Vereinbarung über Klimaschutzziele anzunehmen
oder nicht. Die Delegierten verzichteten darauf, wie sonst üblich über alle
Punkte einzeln abzustimmen. Die Vereinbarung war im Wesentlichen von
US-Präsident Barack Obama, Chinas Regierungschef Wen Jiabao und der EU
ausgehandelt worden, wurde aber von einer Gruppe ärmerer Länder heftig
kritisiert. Der dänische Ministerpräsident Lars Lokke Rasmussen hatte
daraufhin am Samstagvormittag die Konferenzleitung abgegeben.
Obama platzt der Kragen
Für einen Eklat sorgte China. Das Land
hat der Welt am Klimagipfel seine Macht gezeigt und US-Präsident Barack
Obama blamiert. Über Nacht zum UN-Klimagipfel nach Kopenhagen gejettet, lief
Obama in eine massive „chinesische Mauer“ aus Widerstand und
Verzögerungstaktiken.
Obama wollte er China bei einer Runde aus 26 Nationen am Tisch haben.
Pekings Delegation brüskiert ihn mit der Entsendung niederrangiger
Delegierter. „Come on!“ Um 19 Uhr 30 platzt Obama der Kragen. Er sollte Wen
nochmals treffen, doch der parlierte noch seelenruhig mit den Staatschefs
aus Indien, Südafrika und Brasilien.
Die daraus resultierende Szene wird in der Welt der Diplomatie unvergessen
bleiben: Der US-Präsident drängt sich durch den Kordon chinesischer
Delegierter und Reporter in den Raum. „Mr. Premier”, ruft er von der
Glastüre aus, seine Stimme eiskalt: „Sind Sie bereit, mich zu sehen? Es
liegt an Ihnen! Come on! Sind Sie bereit?“ Obamas Körpersprache zeigt
totalen Frust. Zu Recht: China beharrte auf seiner Blockade
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Kritik von Umweltminister Berlakovich
ÖSTERREICH: Warum ist der Gipfel in Kopenhagen gescheitert?
Niki Berlakovich: Ein völkerrechtlich verbindliches
Weltklimaschutzabkommen wurde nicht erreicht, obwohl wir jahrelang
daraufhin gearbeitet haben. Das war leider hier nicht realistisch.
Aber eine Einigung über Reduktion von Treibhausgasen hätte erreicht
werden müssen.
ÖSTERREICH: Was hat Kopenhagen ergeben?
Berlakovich: Es wurde ein Minimalkompromiss erzielt. Die
Welttemperatur darf bis zum Jahrhundertende um nicht mehr als zwei
Grad steigen. Das wurde festgehalten. Aber mehr nicht.
ÖSTERREICH: Die Milliarden für Entwicklungsländer sind doch nicht
schlecht. Indien ist zufrieden.
Berlakovich: Indien hat zu den Staaten gehört, die diese
Verhandlungen hintertrieben und boykottiert haben. Indien, China und
andere Staaten sind mitverantwortlich, dass wir dieses Abkommen nicht
haben.
ÖSTERREICH: Scheiterte der Weltklimapakt an nationalem Starrsinn?
Berlakovich: Unter anderem auch. Wenn heute Staaten nicht
erkennen, dass jeder seinen Beitrag leisten muss, um das Klima zu
retten, dann ..., dann ..., dann fragt man sich, wo hier
Verantwortung getragen wird.
ÖSTERREICH: Was hätte in dieser Nacht besser gemacht werden können?
Berlakovich: Es wurde zu lange über Prozeduren geredet, nicht
über Inhalte. Sogar in der heißen Phase waren nur niederrangige
Verhandler wichtiger Staaten da. Da fehlte der ernsthafte Wille.
ÖSTERREICH: Wie wird’s jetzt weitergehen?
Berlakovich: Wichtig ist, dass weiter verhandelt wird. Die UNO
muss Vertrauen aufbauen und alle Staaten wieder an einen Tisch holen.
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Faymann "1. positiver Schritt"
Bundeskanzler Werner
Faymann (S) hat sich trotz der turbulenten Verhandlungen am UNO-Klimagipfel
in Kopenhagen einigermaßen zufrieden gezeigt. "Es war auf jeden
Fall ein wichtiger Schritt vorwärts, auch wenn möglicherweise einige
Enttäuschungen übrig bleiben", sagte Faymann.
Es habe sich ausgezahlt, dass die Regierungschefs angereist seien, und die
Verhandlungen bis in die Nacht in Bewegung zu halten. "Die Umwelt wäre
unbeeindruckt, wenn wir alle hier beleidigt abgereist wären."
Für ein Folgeabkommen zum Weltklima ist für Faymann jedenfalls noch einiges
offen. "Der nächste Schritt müssen auf jeden Fall verbindliche Ziele
sein."