15. April 2010 22:07
Trotz erheblicher Sparzwänge in der Raumfahrt will US-Präsident Barack Obama
an einer bemannten Mission zum Mars festhalten. Um das Jahr 2035 solle
erstmals ein Mensch den Mars umrunden, sagte Obama am Donnerstag bei der
Vorstellung des Raumfahrtprogramms seiner Regierung im
Kennedy-Raumfahrtzentrums in Florida. Das Budget der Weltraumbehörde NASA
werde in den kommenden fünf Jahren um sechs Milliarden Dollar (4,43 Mrd.
Euro) aufgestockt.
Obamas Plänen zufolge sollen die USA bis zum Jahr 2025 eine neue
Langstrecken-Rakete für bemannte Missionen entwickeln. "Sie wird uns als
Ersten erlauben, bemannte Missionen über den Mond hinaus in die Tiefen des
Alls zu unternehmen", sagte Obama. Bis Mitte der 2030-er Jahre sollen
US-Astronauten eine Umlaufbahn um den Mars erreichen, eine Landung dort soll
später folgen.
Noch vor dem ersten Besuch auf dem Mars wollen die USA erstmals Menschen auf
einen Asteroiden schicken, sagte Obama. Er wies Kritik zurück, wonach seine
Regierung die Raumfahrt vernachlässige. "Ich unterstütze die Mission der
NASA zu hundert Prozent", sagte Obama.
Obamas Regierung hatte im Februar das milliardenschwere
Constellation-Programm stark eingeschränkt, das den Bau aufwändiger neuer
Raumfahrzeuge zum Ziel hatte. Ex-Astronauten und Wissenschaftler hatten die
Entscheidung, für welche die Regierung Sparzwänge anführte, scharf
kritisiert. Bis Jahresende 2010 wollen die USA ihre Space-Shuttle-Fähren
ausmustern. Danach werden die USA zunächst keine eigenen Raumfähren für den
Transport von Astronauten ins All mehr besitzen. Sie werden auf russische
Raketen angewiesen sein.
Technische Grundlage für die zukünftigen US-Projekte soll eine stark
abgespeckte Version des Constellation-Programms sein: Die für dieses
Programm entworfene Raumkapsel Orion soll in verkleinerter Weise umgesetzt
werden. Eine solche Kapsel könnte den Plänen zufolge auch als Fluchtfahrzeug
an die Raumstation ISS angedockt werden.
Das von Obama angekündigte Programm soll zumindest zum Teil die Verluste an
Finanzmitteln und personeller Ausstattung wettmachen, die durch das für
Jahresende 2010 geplante Ende der Space-Shuttle-Missionen zu erwarten sind.
Durch das Ende dieses Programms könnten allein in Florida 9000 Arbeitsplätze
verlorengehen; die neuen Investitionen sollen nun etwa 2500 Jobs schaffen.
Obamas Plan sieht zudem Anschubhilfen für Raumfahrtprojekte in der
Privatindustrie vor, die in Ergänzung zu staatlichen Programmen an Wegen zum
Personen- und Frachttransport ins Weltall arbeiten soll. Nach Angaben des
Weißen Hauses soll diese Initiative in den kommenden fünf Jahren bis zu
10.000 Arbeitsplätze in den USA schaffen.
Scharfe Kritik an den geplanten Einschnitten am Constellation-Programm war
am Dienstag von Ex-Astronaut Neil Armstrong gekommen, der 1969 mit der
Apollo 11 als erster Mensch den Mond erreicht hatte. Das geplante Ende des
Constellation-Projekts sei "vernichtend", schrieb Armstrong in einem offenen
Brief an die Regierung. Die USA drohten zu einer "drittklassigen"
Raumfahrtnation zu werden.