01. März 2010 17:49
US-Präsident Barack
Obama will nach Angaben eines hochrangigen Regierungsvertreters das
Atomwaffenarsenal der USA "drastisch" reduzieren. Dies sei Teil einer neuen
Nuklearstrategie, sagte der US-Regierungsvertreter, der anonym bleiben
wollte, der Nachrichtenagentur AFP am Montag. Gleichzeitig solle durch
Investitionen im Budget eine "starke und verlässliche Abschreckung" gewahrt
bleiben.
Zuvor hatte die "New York Times" berichtet, Am Montagnachmittag (Ortszeit -
22.30 MEZ) wollten sich Präsident Barack Obama und Verteidigungsminister
Robert Gates mit anderen Top-Sicherheitsleuten treffen, um letzte
Unklarheiten für ein Papier über die neue Nuklearstrategie zu beseitigen.
Die neue Strategie könnte auch den Weg für einen Abzug der verbliebenen
Atomwaffen in Deutschland ebnen.
"Drastische Reduktion"
"In dem Dokument wird
sichergestellt, dass es eine drastische Reduktion des Bestandes gibt - die
in die Tausende geht", sagte ein Mitarbeiter des Weißen Hauses der "New York
Times". Andere Regierungsmitarbeiter, die nicht genannt werden wollten,
erklärte es gebe Debatten auch mit den Alliierten, taktische Waffen aus
Europa abzuziehen - unter anderem aus Deutschland, Italien, Belgien, den
Niederlanden und der Türkei. Einzelheiten darüber waren zunächst nicht zu
erfahren. Dabei gehe es um Raketen, die eher der politischen Beruhigung als
der wirklichen Abschreckung dienten.
Deutschland betroffen
Auf Drängen der FDP hatte die deutsche
Regierung im Koalitionsvertrag das Ziel festschreiben lassen, noch in dieser
Legislaturperiode eine Vereinbarung über den Abzug der US-Atombomben aus
Deutschland zu erreichen. Außenminister
Guido Westerwelle (FDP) hatte diese Forderung etwa auf der Münchner
Sicherheitskonferenz Anfang Februar wiederholt. Im kommenden Monat wird die
deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) während ihres USA-Besuchs auf
Einladung von Präsident Obama auch an einem Gipfel zur nuklearen Sicherheit
in Washington teilnehmen. Dort geht es um die Verhinderung der
Weiterverbreitung von Nuklearwaffen und atomarem Material.
Neue Strategie
Das neue Strategie-Papier der USA ist nach dem
Bericht der "New York Times" fast komplett. Strittig sei noch, inwieweit die
USA für sich selber eingrenzen, wann sie nukleare Waffen einsetzen würden.
Klar sei aber bereits, dass das Weiße Haus weiter an der Option eines
nuklearen Erstschlags festhält. Obama hatte bereits früh eine Initiative für
eine nuklearwaffenfreie
Welt gestartet. Kritiker aus dem Lager der oppositionellen Republikaner
hatten ihm jedoch vorgeworfen, der Verzicht auf Nuklearwaffen gerade
angesichts neuer Bedrohungen durch den Iran und Nordkorea sei naiv.
Vertreter aus dem linken Spektrum hatten ihn dagegen beschuldigt, nicht
schnell genug Abrüstungsschritte unternommen zu haben. Sie fürchten, die USA
könnte auf eine Attacke mit biologischen oder chemischen Waffen mit einem
Atomschlag reagieren, der unter Umständen Länder treffen würde, die selber
atomwaffenfrei sind.
Die USA verpflichten sich im neuen Strategiepapier, keine neuen
Nuklearwaffen zu entwickeln. Auch das von Obamas Vorgänger George W. Bush
gestartete Programm zur Entwicklung von Mini-Atombomben für den Einsatz
gegen Bunker - sogenannte "Bunker Busters" - soll daher gekippt werden.
Stattdessen baue das Pentagon die Verteidigung künftig vermehrt auf Systemen
zur Raketenabwehr auf. Die Stationierung neuer Raketen soll sich unter
anderem gegen neue Bedrohungen wie den Iran richten. Obama wolle zur
Weiterentwicklung nicht-nuklearer Raketen Milliarden Dollar investieren.