Ölpest bedroht Naturparadiese

ÖSTERREICH-Report

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Ölpest bedroht Naturparadiese

Die Ölpest rückt näher. Ich fahre raus zu einem der Naturparadiese am Mündungsdelta des Mississippi, die unbewohnte Vogelbrutstätte “Bretton Island”. Hier wird mit dem Auftreffen des gigantischen Ölteppichs in Kürze gerechnet. Rostbraune, intensiv stinkende Flecken an dicken Rohöl treiben nur mehr Kilometer entfernt.

Ich treffen Captain Larry Averitt (55) im Hafen in Venice, 100 Kilometer südlich von New Orleans. Bald rasen wir mit seinem acht Meter langen, mit 300-PS-Motor betriebenen Schnellboot durch die schilfverwachsenen Wasserstraßen des Deltas.

Katastrophe droht
“Sollte das Öl hier jemals eindringen”, zeigt er auf die Sümpfe, “ist für uns alles aus”. Schwärme an Vögel steigen auf. Seit 1991 lebt Larry hier, meist fischt er, oder vermietet sein Boot an Urlauber. Hurrikan Katrina hätte die Gemeinde ausgelöscht, erzählt er: “Gerade als wir uns ein wenig hochrappelten, trifft uns die Ölpest”. Ich werde begleitet von James Khanlarian (32), der für die Ökohilfsgruppe “Blue Seal” eine private Rettungsaktion vorbereitet. Die Tierschützer aus Kalifornien haben sogar Wasserflugzeuge: “Wir würden ölverschmierte Tiere direkt zu den Sammelstellen fliegen”, sagt er.

Rasch wird die See rau. Larry hat Bedenken, doch wir überreden ihm zur Weiterfahrt. Gut 20 Öl-Plattformen sind auszumachen. Die Menschen am Golf leben weitgehend vom Öl - oder vom Meer. Gerade vernichtet eine Einnahmequelle die andere.

Das Öl kommt
Am Horizont sehe sich die orangen Plastikbarrieren, “Booms” im Jargon der Einsatzkräfte. Dahinter liegt ein Vogelparadies: Die flache Sandinsel ist bedeckt mit ihnen, das Gekreische fast ohrenbetäubend. Der Großteil sind Pelikane.

“Wir haben gerade über 2.000 Nester hier”, erklärt Jack Bohanna (52) von der Nationalparkverwaltung. Er leitet die Schutzaktion. Ängstlich blickt er auf die See hinaus: “Momentan ist der Höhepunkt der Brutsaison, die Katastrophe droht zur schlimmstmöglichen Zeit”. Sieben Arbeiter verlegen die “Booms”, treiben die Anker in den Sandboden – hektisch, denn jeden Moment könnte über Bohannas Funkgerät der Warnruf der Zentrale krächzen: Das Öl kommt! Es wäre eine Tragödie, sagt er: “Dieser Ort ist ein Juwel des Ökosystems”. Er lässt gleich zwei Reihen der orangen Plastiksperren verlegen, zwei Verteidigungslinien.

Zeit drängt
Ich wate zum Strand im hüfthohen Wasser. Und mache bald einen grausigen Fund: Ein toter Vogel liegt am Strand, eine Möwe. Ich inspiziere das Federkleid. Ölreste sind zwar nicht auszumachen, doch das Tier könnte am Verzehr vergifteter Fische gestorben sein, glaubt Parkschützer Bohanna. Er bedankt sich für den Fund des toten Tieres. Er wird es in seinen täglichen Report aufnehmen.

Warum werden die Barrieren erst jetzt verlegt, frage ich, 15 Tage nach der Explosion der Öl-Plattform “Deepwater Horizon”? Das stürmische Wetter hätte die Arbeiten tagelang verzögert, beteuert der US-Beamte. Jetzt drängt die Zeit: Im Hintergrund dampft ein Fischkutter vorbei, beladen mit den grellorangen Plastikbarrieren. Der Großteil der weltberühmten “Chandeleur”-Inseln ist noch weitgehend ohne jeglichen Schutz, obwohl das Öl dort teils bereits die Strände erreichte.

Wir rasen durch den Schilfgürtel zurück zum “Venice”-Hafen: “Schreiben sie was Nettes über diesem Ort”, wünscht sich Captain Larry zum Abschluss: “Wir können jede Hilfe gebrauchen”.

ÖSTERREICH-Reporter Herbert Bauernebel im Krisengebiet: Lesen Sie hier die vergangenen Berichte.

"Der Gestank ist entsetzlich"
Der Todesstrand
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