15. März 2010 12:31
Der Vatikan hat eine Erklärung des Papstes zum sexuellen Missbrauch in
kirchlichen Einrichtungen angekündigt. Benedikt XVI. werde sein Schweigen
brechen und schon bald in einem Hirtenbrief an die irischen Bischöfe klare
Maßnahmen bekanntgeben. Dies erklärte der Chef der päpstlichen Akademie für
das Leben, Erzbischof Rino Fisichella, am Montag in einem Interview des
Mailänder "Corriere della Sera". Das Schweigen des
Kirchenoberhaupts sei auf die "Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit"
des Pontifex zurückzuführen, mit der dieser sich ein Bild der Lage mache.
"Den Papst und die gesamte Kirche in die Missbrauchskandale
hineinziehen zu wollen ist ein Zeichen von Gewalt und Barbarei",
kritisierte Fisichella. "Die Geschichte Benedikts, sein Leben und seine
Schriften sprechen für ihn."
Papst lässt Gelegenheit verstreichen
Am vergangenen Freitag
war bekanntgeworden, dass in Joseph Ratzingers Amtszeit als Münchner
Erzbischof (1977 bis 1982) ein Priester nach Missbrauchsvorwürfen von Essen
nach München versetzt worden war. In Bayern verging sich der Priester erneut
an minderjährigen Buben. Am Sonntag ließ der Papst beim Angelus-Gebet in Rom
die Gelegenheit verstreichen, auf den Skandal einzugehen. Nach einer
Krisenaudienz mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert
Zollitsch, war am Freitag lediglich an die Öffentlichkeit gedrungen, dass
Benedikt sehr erschüttert sei.
Fisichella war vor einem Jahr international in die Schlagzeilen geraten,
weil er das Vorgehen des Bischofs von Recife in Brasilien scharf
verurteilte. Dieser hatte angeordnet, eine Neunjährige und ihre Familie zu
exkommunizieren, weil das nach einer Vergewaltigung durch den Stiefvater
schwangere Mädchen aus gesundheitlichen Gründen abgetrieben hatte.