Reisewarnung für Österreicher

Pulverfass Ägypten

Reisewarnung für Österreicher

Am Freitag, um kurz nach 19 Uhr, hat das österreichische Außenministerium den totalen Reisestopp für Ägypten verhängt. „Wir haben uns aufgrund der aktuellen Lage entschieden, eine Reisewarnung für ganz Ägypten auszusprechen“, heißt es aus dem Ministerium zu ÖSTERREICH.

Umbuchen
Für Österreicher, die dieser Tage Reisen nach Ägypten antreten wollen, hat das konkrete Folgen: „Alle, die eine Reise nach Ägypten bis zum 31. Jänner gebucht haben, können diese kostenlos umbuchen oder sich das Geld zurückerstatten lassen. Der neue Flug muss dann bis Ende April stattfinden“, sagt AUA-Sprecher Martin Hehemann zu ÖSTERREICH.

Aber: Wer trotzdem seine Reise antreten will, kann das auch tun. Denn alle für Samstag geplanten Flüge von AUA und Fly Niki nach Ägypten finden statt – hieß es zumindest am Freitagabend.

Krisensitzungen
Das Außenministerium hat wegen der Unruhen in Ägypten den gesamten Freitag über laufend Krisensitzungen abgehalten, war ständig in Telefonkontakt mit Außenminister Michael Spindelegger, der sich derzeit beim Weltwirtschaftsforum im Schweizer Davos aufhält.

„Wir sind mit unserer Botschaft und allen Reiseveranstaltern vor Ort in Kontakt, um auf die Lage zu reagieren“, sagte ein Sprecher des Außenamts.

Um 17 Uhr hat es zuerst eine territoriale Reisewarnung für die Hauptstadt Kairo, alle anderen Metropolen und das gesamte Niltal gegeben. Erst gegen 19 Uhr ist diese Warnung dann auf ganz Ägypten ausgeweitet worden. Grund: Die ägyptische Regierung hatte kurz zuvor Ausgangssperren auf das ganze Land ausgeweitet.

Ansammlungen
Insbesondere in den großen Städten rechnet das Ministerium am Wochenende mit größeren Menschenansammlungen, die genauso zu meiden sind, wie die Umgebung von Moscheen. Das Ministerium empfiehlt dringend, sich von Kundgebungen fernzuhalten.

Weil die weitere Entwicklung unsicher sei, könne man nicht sagen, wie lange diese Reisewarnung bestehe.

Notfallplan
Einen Plan B hält das österreichische Außenministerium auf jeden Fall in der Lade bereit. Spindelegger im Gespräch mit ÖSTERREICH: „Wir haben einen Notfallplan für die Evakuierung der Österreicher ausgearbeitet. Eine Task-Force mit sieben Experten ist in Bereitschaft und kann jederzeit zur Beurteilung der Lage und zur Unterstützung der Österreicher nach Ägypten losreisen.“

Der Evakuierungsplan war Freitagabend jedenfalls kurz vor der Ausführung: Sollte er greifen, werden alle Österreicher, die sich noch im Krisenland aufhalten, sofort ausgeflogen.

Experten-Interview: Übergriffe auf Urlauber möglich

ÖSTERREICH: Wie schätzen Sie die Lage im Moment ein?
Peter Scholl-Latour: Alles hängt von der Standhaftigkeit der Armee ab. Sollte Mubarak seinen Sohn als Nachfolger einsetzen, wird die Lage völlig eskalieren.

ÖSTERREICH: ElBaradei hat sich an die Spitze der Demonstranten gestellt. Was hat das zur Folge?
Peter Scholl-Latour: Er ist im Ausland berühmter als in Ägypten. Er ist keine Führungsgestalt, kann aber für den Übergang ganz nützlich sein.

ÖSTERREICH: Rechnen Sie mit weiteren Zusammenstößen in Kairo?
Peter Scholl-Latour: Das kann man schwer voraussagen. Man muss aufhören, die Muslimbrüder als wütend darzustellen. Sie sind relativ gemäßigte Leute.

ÖSTERREICH: Wie stark oder wie gemäßigt schätzen Sie die islamistischen Gruppen in Ägypten ein?
Peter Scholl-Latour: Es gibt da ja extrem radikale und auch sehr juristische Gruppen. Es gibt natürlich auch die extremistischen Gruppen, aber die haben in Ägypten nicht das Gewicht, das sie anderswo haben. Das kann sich mit der Zeit aber ändern.

ÖSTERREICH: Was empfehlen Sie den Tausenden Österreichern in Ägypten?
Peter Scholl-Latour: Die meisten sind ja am Roten Meer, da ist bis jetzt (Anm. Freitag, 18 Uhr) nichts passiert. Die Massen können aber radikalisiert werden und dann eben die Anwesenheit von Touristen als Ärgernis empfinden. Dann kann es zu Übergriffen auf Touristen kommen.

Autor: prj, hov / Interview K. Wendl
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