Sarrazin: Start für Buch-Aufreger

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Sarrazin: Start für Buch-Aufreger

Seiten: 12

Der Mann liefert Skandale am laufenden Band. Heute bringt Thilo Sarrazin (67) ein neues Buch auf den Markt: Europa braucht den Euro nicht. Auf 464 Seiten wettert der Ex-Bundesbank-Vorstand und SPD-Politiker gegen die Gemeinschaftswährung und gegen die Rettung von Pleitestaaten.

Die Worte sind wie gewohnt radikal: Die europäische Währung wird etwa in Verbindung mit dem Holocaust gebracht. Befürworter von Eurobonds seien „getrieben von jenem sehr deutschen Reflex, wonach die Buße für Holocaust und Weltkrieg erst endgültig getan ist, wenn wir alle unsere Belange, auch unser Geld, in europäische Hände gelegt haben“.

Am Sonntag war Sarrazin zu einem TV-Duell bei Günther Jauch (ARD) geladen. Begleitet von lauten Protesten: „Halt’s Maul!“, schrien Demonstranten.

„Sarrazin kann hier den größten Bullshit erzählen“
Im Studio traf Sarrazin auf den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Erster Eklat: Der Politiker entzog dem Autor das Du-Wort. Sarrazin verkündete: „Das Geld aus dem Rettungsschirm ist schon verloren“, oder: „Wir sollten aufhören, den Griechen Geld zu geben.“ Steinbrück: „Sarrazin kann hier den größten Bullshit erzählen.“

Auch 2011 sorgte Sarrazin für den Buch-Aufreger des Jahres. Thema seines damaligen Bestsellers: Migranten. Zitat: „Araber und Türken haben einen zwei- bis dreimal höheren Anteil an Geburten, als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht.“ Die Lösung: „Kein Zuzug mehr.“

Seine Lesungen waren auch damals schon Publikumsmagneten: In den Sälen Fans (auch Strache), davor laute Demos.

Die besten Passagen aus dem Vorabdruck vom Focus

  • Sarrazin über Griechen: Gäbe es noch Drachmen, so würden eine Exportkrise für Rosinen oder Oliven und ein griechischer Staatsbankrott die Welt nur begrenzt interessieren.
  • … über den Weg in die Krise: Alle Politiker wollten den Euro, um die europäische Rolle in der Welt zu fördern. Dabei ging unter, dass eine Währung als solche immer nur so stark ist wie die dahinterstehende Wirtschaft. Während der gemeinsame Markt Europa durch mehr Wettbewerb und den Ausbau der Handelsbeziehungen stärker machte, verschärfte die gemeinsame Währung die Ungleichgewichte zwischen europäischen Nord- und Südländern und erschwerte Letzteren die Anpassung. Das führte schließlich in die noch anhaltende Dauerkrise.
  •  … über das Fehlen einer politischen Union: Mit der Vorleistung der gemeinsamen Währung ging die deutsche politische Klasse eine Wette darauf ein, dass die politische Union kurz danach quasi mit ­Naturgesetzlichkeit folgen werde, weil sonst die Währungsunion nicht stabil sei. Die Wette ist gescheitert. Die Euro-Skeptiker behielten in der Summe leider recht, die politische Union aber ist immer noch nicht in Sicht.

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