16. April 2010 19:45
In einem bisher seltenen Schritt hat die katholische Kirche in den
Niederlanden einen Pfarrer wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt. Nur vier
Tage nach der Veröffentlichung neuer Missbrauchs-Richtlinien des Vatikans im
Internet teilte die Diözese Rotterdam am Freitag mit, der Mann sei aus dem
Dienst entfernt worden. Dem Pfarrer wird vorgeworfen, sich während eines
Aufenthalts in Sri Lanka an Minderjährigen vergangen zu haben. Das Bistum
habe im Juli 2009 von den Vorwürfen erfahren und daraufhin den Fall
untersucht. Es ist der vierte Geistliche seit März, der in den Niederlanden
wegen Missbrauchsvorwürfen aus dem Amt geworfen wurde.
Papst feiert Geburtstag
Der Skandal um sexuellen Missbrauch von
Kindern und Jugendlichen durch katholische Würdenträger überschattete den
83. Geburtstag von Papst Benedikt XVI. Das Kirchenoberhaupt bat am Freitag
eine kleine Gruppe von Gläubigen, sie sollten für die Kirche beten, damit
diese ihre Heiligkeit und Einigkeit wiedergewinnen möge. Im Vatikan
trudelten Glückswunsche aus der ganzen Welt ein. Eine offizielle
Geburtstagsfeier war aber nicht geplant. Vielmehr will der Papst am Montag
zu seinem fünften Amtsjubiläum zahlreiche Kardinäle zu einem Mittagsessen im
Vatikan empfangen.
Zuvor hatte ein römisch-katholisches Laienmagazin in Frankreich den Brief
eines hochrangigen Vatikan-Kardinals veröffentlicht, indem dieser das
Vertuschen von Missbrauchsfällen lobte. Der Kardinal gratulierte 2001 einem
Bischof dafür, dass dieser einen geständigen Priester nicht angezeigt habe.
Der Mann wurde später wegen wiederholter Vergewaltigung eines Knaben und
sexuellen Übergriffen an weiteren Kindern und Jugendlichen zu 18 Jahren
Gefängnis verurteilt.
Schwere Krise
"Du hast dich gut verhalten", schrieb der Kardinal,
der von 1996 bis 2006 für die weltweit eingesetzten Priester zuständig war.
Seine Begründung: Bischöfe hätten zu Priester keine rein professionelle
Beziehung, eher eine spirituelle Vaterschaft. Gegen einen "direkten
Verwandten" müssten sie deshalb nicht aussagen. Ein Vatikan-Sprecher
bestritt den Inhalt des Briefes nicht.
Eine Serie von Missbrauchsfällen an Kindern und Jugendlichen durch
Würdenträger hat die katholische Kirche in eine schwere Krise gestürzt. Der
Papst hatte die Gläubigen erst am Donnerstag wegen der Missbrauchsvorwürfe
zur Buße aufgerufen. Die Äußerungen Benedikts standen im Kontrast zu
früheren Aussagen anderer ranghoher Kirchenvertreter, die zuletzt vor allem
die Kirche und den Papst verteidigt und von einer angeblichen Medienkampagne
gesprochen hatten.