Skandal überschattet Papst-Geburtstag

Missbrauch

Skandal überschattet Papst-Geburtstag

In einem bisher seltenen Schritt hat die katholische Kirche in den Niederlanden einen Pfarrer wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt. Nur vier Tage nach der Veröffentlichung neuer Missbrauchs-Richtlinien des Vatikans im Internet teilte die Diözese Rotterdam am Freitag mit, der Mann sei aus dem Dienst entfernt worden. Dem Pfarrer wird vorgeworfen, sich während eines Aufenthalts in Sri Lanka an Minderjährigen vergangen zu haben. Das Bistum habe im Juli 2009 von den Vorwürfen erfahren und daraufhin den Fall untersucht. Es ist der vierte Geistliche seit März, der in den Niederlanden wegen Missbrauchsvorwürfen aus dem Amt geworfen wurde.

Papst feiert Geburtstag
Der Skandal um sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch katholische Würdenträger überschattete den 83. Geburtstag von Papst Benedikt XVI. Das Kirchenoberhaupt bat am Freitag eine kleine Gruppe von Gläubigen, sie sollten für die Kirche beten, damit diese ihre Heiligkeit und Einigkeit wiedergewinnen möge. Im Vatikan trudelten Glückswunsche aus der ganzen Welt ein. Eine offizielle Geburtstagsfeier war aber nicht geplant. Vielmehr will der Papst am Montag zu seinem fünften Amtsjubiläum zahlreiche Kardinäle zu einem Mittagsessen im Vatikan empfangen.

Zuvor hatte ein römisch-katholisches Laienmagazin in Frankreich den Brief eines hochrangigen Vatikan-Kardinals veröffentlicht, indem dieser das Vertuschen von Missbrauchsfällen lobte. Der Kardinal gratulierte 2001 einem Bischof dafür, dass dieser einen geständigen Priester nicht angezeigt habe. Der Mann wurde später wegen wiederholter Vergewaltigung eines Knaben und sexuellen Übergriffen an weiteren Kindern und Jugendlichen zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt.

Schwere Krise
"Du hast dich gut verhalten", schrieb der Kardinal, der von 1996 bis 2006 für die weltweit eingesetzten Priester zuständig war. Seine Begründung: Bischöfe hätten zu Priester keine rein professionelle Beziehung, eher eine spirituelle Vaterschaft. Gegen einen "direkten Verwandten" müssten sie deshalb nicht aussagen. Ein Vatikan-Sprecher bestritt den Inhalt des Briefes nicht.

Eine Serie von Missbrauchsfällen an Kindern und Jugendlichen durch Würdenträger hat die katholische Kirche in eine schwere Krise gestürzt. Der Papst hatte die Gläubigen erst am Donnerstag wegen der Missbrauchsvorwürfe zur Buße aufgerufen. Die Äußerungen Benedikts standen im Kontrast zu früheren Aussagen anderer ranghoher Kirchenvertreter, die zuletzt vor allem die Kirche und den Papst verteidigt und von einer angeblichen Medienkampagne gesprochen hatten.

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