10. März 2010 15:45
Die israelische Ankündigung, 1600 neue Wohnungen für Siedler im besetzen
arabischen Ostteil Jerusalems zu bauen, erschwert die Versuche der USA, den
Friedensprozess im Nahen Osten wiederzubeleben, erheblich. US-Vizepräsident
Joe Biden verurteilte die israelischen Pläne am Mittwoch in Anwesenheit des
palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas in Ramallah mit deutlichen
Worten. Israels Entscheidung untergrabe das für Friedensgespräche
erforderliche Vertrauen, sagte Biden. Am Vortag hatte er in Jerusalem
erklärt, die Pläne "unterminieren das Vertrauen, das wir jetzt brauchen, und
laufen den konstruktiven Diskussionen zuwider, die ich hier in Israel hatte".
USA will indirekte Gespräche
Die USA hatten Israel
aufgefordert, von weiteren Siedlungs-Bauprojekten Abstand zu nehmen. Die
palästinensische Führung lehnt die Wiederaufnahme der Ende 2008
abgebrochenen direkten Verhandlungen mit Israel ab, solange die israelische
Regierung am Siedlungsbau festhält. Die USA bemühen sich nun um indirekte
Gespräche ("proximity talks") unter ihrer Vermittlung.
UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte die israelischen Pläne als
Verstoß gegen das Völkerrecht. Die Siedlungsbestrebungen liefen "jeder
Entwicklung zu einem durchführbaren Friedensprozess" zuwider, betonte er in
New York. In ihrem Artikel 49 legt die Vierte Genfer Konvention fest:
"Besatzungsmächte dürfen Teile ihrer eigenen Zivilbevölkerung nicht in
besetzte Gebiete umsiedeln".
"Illegal und inopportun"
Scharf protestierte der
norwegische Außenminister Jonas Gahr Störe, der Israel beschuldigte, den
Friedensprozess, der sich in einer so kritischen Phase befinde, zu
gefährden. Die französische Regierung bezeichnete die israelischen Pläne als
"illegal und inopportun", die deutsche Regierung als "nicht akzeptabel". Wie
ein Berliner Außenamtssprecher sagte, werde damit "inhaltlich und auch vom
Zeitpunkt her ein völlig falsches Signal ausgesandt". Auch
EU-Außenministerin Catherine Ashton kritisierte die israelischen
Siedlungspläne. "Ich schließe mich Joe Biden an, der den geplanten Bau von
1600 neuen Häusern in Ost-Jerusalem verurteilt hat", sagte die Britin vor
dem Europaparlament in Straßburg. Die arabischen Staaten würden Israel "eine
klare Antwort" geben, betonte der Außenminister von Katar, Hamad Bin Jassem
al-Thani, in einer Erklärung.
"Dies ist ein Moment der Herausforderung für die US-Bemühungen, den
Friedensprozess wieder in Gang zu bekommen", sagte der palästinensische
Premier Salam Fayyad. "Es richtet mit Sicherheit Schaden an." Israel bemühte
sich indes um Schadensbegrenzung: Innenminister Eli Yishai von der
religiösen Shas-Partei sagte dem israelischen Rundfunk, man hätte "mehr
Sensibilität" während des Besuches eines ranghohen US-Politikers zeigen
müssen. Israel habe Biden nicht verletzen wollen. Sozialminister Yitzhak
Herzog entschuldigte sich für die "Peinlichkeit". Dies hätte während Bidens
Visite nicht passieren dürfen, fügte er im Armeerundfunk hinzu. "Wir müssen
uns für diesen groben Fehler entschuldigen." Das Verteidigungsministerium
unter Ehud Barak, dem Chef der Arbeitspartei, zeigte sich "verärgert" über
die "überflüssige" Ankündigung des Innenministeriums, in dem von
ultra-orthodoxen Juden bewohnten Ost-Jerusalemer Stadtteil Ramat Shlomo 1600
zusätzliche Wohnungen zu bauen. Dieser Schritt beeinträchtige die Bemühungen
um Friedensverhandlungen mit den Palästinensern.