Orkan in Europa

Orkan in Europa

4 Tote nach Einsturz einer Sporthalle

Orkanböen mit Windgeschwindigkeiten von nahezu 200 Stundenkilometern in Spanien, Deutschland und Frankreich haben mindestens 13 Menschen das Leben gekostet. Am schlimmsten wütete der Sturm in Spanien. In Sant Boi de Llobregat bei Barcelona wurden am Samstag vier Kinder im Alter zwischen neun und zwölf Jahren beim Einsturz eines Sporthallendaches getötet. 13 Kinder und zwei Betreuer wurden verletzt.

Die Opfer gehören zwei Baseball-Mannschaften an, die auf dem Platz vor der Halle eine Partie geplant hatten. Wegen des Orkans sagten sie das Spiel jedoch ab und suchten in der Sporthalle Schutz. In diesem Augenblick sei das Dach über ihnen zusammengebrochen, hieß es. Auch die Wände seien teilweise eingestürzt. Die Eltern der Opfer mussten psychologisch betreut werden. Das Gebäude sei 25 Jahre alt und habe sich in gutem Zustand befunden, betonte der Bürgermeister.

In Deutschland starb östlich von Offenbach in Hessen ein 40 Jahre alter Mann, als sein Wagen auf eisglatter Fahrbahn mit einem entgegenkommenden Auto zusammenstieß. In Gerabronn (Baden-Württemberg) wurde ein 70 Jahre alter Mann am Freitagabend von einem Scheunentor erschlagen, das der Sturm aus der Verankerung gerissen hatte.

Im Süden Frankreichs wurde bei Dax ein 78-jähriger Mann auf seinem Grundstück von herumfliegenden Trümmern tödlich getroffen. Bei Mazerolles starb ein Autofahrer unter einem umstürzenden Baum. Am Abend gab die Präfektur der Landes den Tod einer dritten Person bekannt.

Schlimmster Orkan seit 15 Jahren
Im Norden Spanien sowie an der Mittelmeerküste kamen durch den schlimmsten Orkan seit 15 Jahren fünf weitere Menschen ums Leben, wie der Zivilschutz mitteilte. Vier von ihnen wurden von umstürzenden Bäumen oder Mauern erschlagen. Vor der Küste Galiciens ertrank ein Fischer. In dieser Region im Nordwesten des Landes erreichten die Böen Spitzengeschwindigkeiten von 194 Stundenkilometern. Vor der Küste wurden bis zu 21,5 Meter hohe Wellen gesichtet.

Hochspannungsleitungen beschädigt
In Nordspanien waren rund 700.000 Menschen stundenlang ohne Strom, weil der Orkan Hochspannungsleitungen beschädigt hatte. Zahlreiche Straßen waren wegen entwurzelter Bäume gesperrt, Dächer wurden abgedeckt und Werbetafeln oder Baugerüste umgeweht. Bei der Bahn und im Luftverkehr kam es zu Verspätungen. Mallorca und die übrigen Balearen-Inseln waren von der Außenwelt abgeschnitten, weil auch die Schiffsverbindungen eingestellt werden mussten. Auch in Portugal wurden Dutzende Bäume entwurzelt.

Zahlreiche Unfälle
Eisglatte Straßen, starke Schneefälle und Orkanböen mit Geschwindigkeiten bis zu 176 Stundenkilometern verursachten am Samstag in Deutschland zahlreiche Unfälle vor allem in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Bei den meisten Glatteisunfällen blieb es aber bei Blechschäden. Auf der Autobahn 98 bei Konstanz wurden fünf Menschen verletzt, als ein Erdrutsch fünf Autos und einen Lastwagen unter sich begrub. Die Polizei löste den Stau vor dem Erdrutsch zunächst nicht auf, um zwei Betrüger dingfest zu machen, die zwei Autos mit Falschgeld bezahlt hatten.

sturm_frankreich © AP

(c) AP

Millionen Menschen ohne Strom
In Frankreich brach die Stromversorgung für Millionen Menschen zusammen, weil entwurzelte Bäume auf die Leitungen gestürzt waren. Im Departement Landes waren 90 Prozent aller Einwohner ohne Elektrizität. Auch die Telefonleitungen fielen aus. Sogar die Handys waren nicht mehr einsatzbereit, weil die Stromversorgung der Relaisantennen unterbrochen war.

Die Flughäfen von Bordeaux und Toulouse wurden gesperrt, und der Bahn- und Straßenverkehr brach weiträumig zusammen. Helfer des Roten Kreuzes versorgten gestrandete Reisende. Insgesamt 500 Fahrgäste saßen auf verschiedenen Bahnhöfen fest. In den Pyrenäen wurden Wintersporteinrichtungen geschlossen. In einer waldreichen Region südlich von Bordeaux wurde wegen der Sturmschäden der Notstand ausgerufen. "Wir raten allen Privatleuten ab, aus dem Haus zu gehen und Auto zu fahren", erklärte die Präfektur. Im Département Aude wurde der Autoverkehr verboten..

Foto: (c) Reuters

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